Diözesan-Caritasverband Speyer, 08.11.2017

"So viel Medizin wie nötig, so viel Zuwendung wie möglich"

Auftakt der achten Hospiztage im Saarpfalz-Kreis stimmte auf Veranstaltungsrei-he mit Information, Seminar, Kino, Gottesdienst und Lesung ein - 3. bis 30. November 2017

Zum Auftakt der achten Hospiztage im Saarpfalz-Kreis sprach am Montagabend im Homburger Forum der Bestsellerautor Dr. med. Michael de Ridder unter anderem über die ebenso schwierigen wie umstrittenen Entscheidungen von Ärzten zum Lebensende. Die Veranstaltung unter Schirmherrschaft von Landrat Dr. Theofil Gallo fand vor rund 120 Gästen regen Zuspruch. Die Hospiztage stehen in diesem Jahr unter dem Motto „Was am Ende wichtig ist“.


Gastredner Dr. med Michael de Ridder beantwortete Fragen der Moderatorin Gabriele John-Neumann und der Zuhörer.

War es die gestiegene Bedeutung der Hospizidee oder war es der prominente Name, der die vielen Gäste ins Forum lockte? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Alle 13 Tische mit jeweils acht Sitzplätzen waren besetzt – und auch viele Plätze an den Seiten. Gekommen waren unter anderem zahlreiche ehrenamtliche Hos-pizhelferinnen und Hospizhelfer, die in den vergangenen Jahren ihre Ausbildung erfolgreich bei Gabriele John-Neumann abgelegt haben. Die Koordinatorin des Ökumenischen Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes Saarpfalz bedankte sich in ihrer Ansprache bei den Ehrenamtlichen für ihr Engagement ebenso wie bei den Hauptamtlichen, den Kooperationspartnern, der Diakonie, dem Caritas-Zentrum Saarpfalz sowie beim Hospizverein Saarpfalz.

Ihrer Organisation war es zu verdanken, dass der Abend zu einem kongenialen Zu-sammenspiel aus Heiterkeit und angemessenem Ernst wurde und vielen sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird: Das Gesangstrio LadyLike sorgte für musikalischen Ein- und Ausklang, die Schwestern Edeltraud Ruffing und Elisabeth Vogelgesang sorgten für Humor mit herzhaftem Lachen und der Redner aus Berlin für wahrlich geistreichen Diskussionsstoff. 


Sorgten für Humor: Die Schwestern Edeltraud Ruffing und Elisabeth Vogelgesang. Den Zuhörern wie Gastredner Dr. med. Michael de Ridder (rechts) und Schirmherr Landrat Dr. Theophil Gallo gefiel es .

Sinnvolle Lebensverlängerung oder leidvolle Sterbeverzögerung?
„Wann darf ein Mensch sterben?“ - Mit dieser Frage zog Dr. med. Michael de Ridder die Aufmerksamkeit auf sich. Der inzwischen 70-Jährige stellt seit über 40 Jahren Fragen, die ähnlich klingen: „Welche Medizin wollen wir?“, „Wie können wir selbstbestimmt leben?“ Bis zu seinem Ruhestand 2014 war de Ridder Chefarzt und Leiter der Rettungsstelle des Berliner Vivantes-Klinikum. 2012 gründete er ein Hospiz in Berlin. Nach dem Bestseller „Wie wollen wir sterben?“ (2010) mit inzwischen 40.000 verkauften Exemplaren ist Ende August dieses Jahres sein neuestes Werk „Abschied vom Leben. Von der Patientenverfügung bis zur Palliativmedizin“ erschienen. Bereits nach gut vier Wochen wurden nahezu 10.000 Bücher verkauft.

Das zeigt: De Ridder stellt Fragen, die Menschen existentiell betreffen und bewegen. Und er gibt – durchaus umstrittene – Antworten. Sein Credo: „Selbstbestimmung ist die tragende Säule des Grundgesetzes – und nicht, wie häufig angenommen, der Lebens-schutz. Letztlich ist der Lebensschutz – so hoch dieser auch anzusiedeln ist – der Selbstbestimmung des Patienten untergeordnet.“ Damit bezieht sich der Experte unter anderem auf die Rolle von Ärztinnen und Ärzten in einer immer mehr von Technologie und wirtschaftlichem Interesse bestimmten Medizin. Oft würden alte, schwerstkranke Menschen gegen ihren (mutmaßlichen) Willen am Leben gehalten. Das Krankenhaus sei nun mal auch ein Wirtschaftsbetrieb – und ärztliche Entscheidungen orientierten sich zum Teil eben auch an ökonomischen Rahmenbedingungen.

„Wir tun alles, was wir können“ – solch ein von einem Arzt gesagter Satz führe – zu Ende gedacht – zu einer kaum noch menschlich zu nennenden Haltung. Loslassen können – das müsse nicht nur der Patient, sondern auch der Arzt. Gleichzeitig kritisiert er Sätze wie „Wir können nichts mehr tun“ – denn ein Arzt könne immer etwas tun, nämlich Zuwendung, Zuspruch und Trost geben. Damit schlug der Kritiker seiner Zunft den Bogen zur Hospizidee und ganz konkret zu den Gästen der achten Hospiztage Saarpfalz im Homburger Forum: „Achtsamkeit, Respekt und Herzenswärme – diese Trias darf als das Wesen der Hospizidee bezeichnet werden. Sie bildet die Grundlage der Arbeit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Hospizes und eines Hospizdienstes. Kurzum: So viel Medizin wie nötig, so viel Zuwendung wie möglich.“

Das weitere Programm der 8. Hospiztage auf einen Blick:

·          9. November: „Mein Testament – Vorsorgen am Lebensende“. Eine Informationsveranstaltung mit der Rechtsanwältin Nicola Voges von 17 bis 18.30 Uhr in der Cafeteria des Kreiskrankenhauses in St. Ingbert

·          11. November: „In Würde leben bis zuletzt“, Seminartag mit Dorothée Neurohr-Gebhardt von 9.30 bis 16 Uhr, Caritas-Begegnungsstätte, Kaiserstraße 63 in St. Ing-bert. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Tel. (0 68 41) 9 72 86 13 (Hospizdienst Saarpfalz).

·          17. November Kinowerkstatt St. Ingbert: „Zu guter Letzt“, eine „Feelgood“-Komödie mit Shirley McLaine und Amanda Seyfried, Beginn um 19 Uhr in der Kinowerkstatt, Pfarr-gasse 49 in St. Ingbert.

·          18. November: Ökumenischer Gottesdienst mit Dekan Andreas Sturm um 18 Uhr in der Kirche St. Franziskus in der Karl-August-Woll-Straße 33 in St. Ingbert. Bei dem Gottesdienst wirken mit die Chöre Schola und TonArt, sowie Ehrenamtliche der Hospizgruppe St. Ingbert/Mandelbachtal.

·          30. November und Abschluss der Hospiztage: „Schmerz los werden“, eine Lesung mit Professor Sven Gottschling aus seinem neuen Buch mit anschließender Fragerunde um 17 Uhr, in der ProSeniore-Residenz Hohenburg, Gerberstraße 18 in Homburg. Eine Anmeldung zu der Lesung wird erbeten unter der Telefonnummer (0 68 41) 69 20 oder per Fax: (0 68 41) 692-101.

Veranstalter der Hospiztage sind der Ökumenische Ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienst Saarpfalz, die Katholische Erwachsenenbildung , der Hospizverein Saarpfalz, die Kreisverwaltung des Saarpfalz-Kreises und das St. Jakobushospiz. Die Hospiztage Saarpfalz finden alle zwei Jahre statt.

Kontakt:
Ökumenischer Ambulanter Hospiz-
und Palliativberatungsdienst Saarpfalz
Mainzer Straße 6
66424 Homburg
Tel.: (0 68 41) 9 72 86 13
E-Mail: Ahpb-saarpfalz@caritas-speyer.de  

 

Herausgegeben vom Caritasverband für die Diözese Speyer / Text und Fotos: Dieter Schmitt