Diözesan-Caritasverband Speyer, 10.11.2017

Phantasievolle Entdeckungsreise mit Aquarellfarben

Das Caritas-Altenzentrum St. Martha hat einen Kunstkalender mit Bildern der Bewohner herausgebracht - Geschenkidee für Weihnachten - Der Verkaufserlös fließt in die Kunsttherapie der Einrichtung

Zum Malen ist man nie zu alt. Ihre Liebe zum Malen haben die Bewohner des Caritas-Altenzentrums St. Martha zusammen mit den Kunsttherapeutinnen Dorothea Kunze und Anja Schulmann von der Praxis für Intermediale Kunst und Bildung in Speyer entdeckt. Die bunten, ausdrucksstarken Aquarelle schmücken nun nicht nur die Flure im Altenzentrum, aus den schönsten Bildern ist auch ein Wandkalender entstanden. Dieser ist ab Montag im Caritas-Altenzentrum am Empfang zum Preis von 17 Euro erhältlich. Von dem Verkaufserlös soll die Kunsttherapie der Bewohner in St. Martha weiter finanziert werden, denn Kunsttherapie ist leider keine Leistung vieler Krankenkassen und das Caritas-Altenzentrum St. Martha ist auf Spenden angewiesen.


Durch die intensive therapeutische Beziehungsgestaltung und Zuwendung erleben die Bewohner Wertschätzung und Anerkennung.

Die Künstler sind Bewohner des Altenzentrums. Der jüngste ist 65, die älteste 95 Jahre alt. In zwei kleinen Gruppen mit je zehn Teilnehmern malen sie seit zwei Jahren jeden Freitagmorgen zusammen mit den beiden Therapeutinnen. Die meisten sind an Demenz in ganz unterschiedlichen Stadien erkrankt. „Anfangs haben sie sich gar nicht zugetraut, malen zu können“, erzählt Dorothea Kunze. Einige hätten zunächst Hemmungen gehabt und erst einmal zugesehen, bevor sie selbst zum Pinsel gegriffen haben.


Gemalt wird mit Aquarellfarben auf Pflanzenbasis. „Die Farben strahlen und duften. Es ist sehr angenehm damit zu arbeiten, weil es mehrere Sinne anspricht“, erklärt Kunze. Die Künstler arbeiten in einer nass-in-nass-Technik. Schicht für Schicht tragen sie ganz dünne Farblasuren auf. Manche Bilder haben bis zu zehn Schichten, bis sie fertig sind. Eine wunderbare Technik, findet Kunze, denn so entstehen die Bilder Stück für Stück. Durch das Verlaufen der Farbe entstehen neue Effekte, die die Phantasie anregen.

Interessant sei es, zu beobachten, wie die Künstler beim Malen plötzlich an ihre Erfahrungen im Laufe ihres Lebens erinnert werden - sowohl im positiven als auch im negativem Sinne: „Unser Lehrer hat darauf bestanden, dass jedes Bild einen Rahmen haben muss“, ist beispielsweise solch eine Erinnerung. Die Kunsttherapie ermöglicht den alten Menschen loszulassen, nicht mehr in ganz konkreten Vorstellungen, wie etwas auszusehen habe, gefangen zu sein. Und sie verlieren die Angst, etwas falsch zu machen. Viele Motive entstehen so erst beim Malen.

Schön zu erleben sei es, so Kunze, wie stolz die Künstler auf ihre Werke sind. „Sie merken, dass sie etwas können, dass sie zu etwas nützlich sind, obwohl sie eigentlich meinten, nicht malen zu können“, erklärt Kunze. Gerade Menschen, die unter Demenz im Anfangsstadium leiden, seien sehr von Selbstzweifeln geplagt, da sie ja mitbekommen, dass ihr Gedächtnis nicht mehr gut funktioniert und für sie sei diese Anerkennung durch die Bilder sehr wichtig. Außerdem fördert die Kunsttherapie die Sozialkontakte. Gudrun Wolter, Leiterin des Caritas-Altenzentrums St. Martha erzählt von einem Bewohner, der alle anderen Angebote ablehnt, aber bei der Kunsttherapie aufblüht. „Es ist ein therapeutischer Prozess. Gruppen wachsen zusammen. Durch die intensive therapeutische Beziehungsgestaltung und Zuwendung erleben die Bewohner Wertschätzung und Anerkennung“, sagt Wolter.

Nach und nach sind so im Altenzentrum viele Bilder entstanden. „Es wäre schade, sie nicht zu präsentieren“, findet Wolter. So kam es zu der Idee, einen Kalender zu gestalten. Die Motive passen zu den jeweiligen Monaten: eine Clownsmaske an Fasnacht, Osterhasen im Frühling, Blumen im Sommer. Besonders auffallend ist ein Bild mit kräftig roten Herzen, eingebettet in ein saftiges Grün – wie könnte der „Wonnemonat“ Mai symbolisch besser dargestellt werden? Und wie nahe kommt dieses Bild dem Gedanken der Caritas, der Herzensangelegenheit für die Menschen, findet die Einrichtungsleiterin. Es lasse sich kaum schöner der Beginn eines neuen Jahres darstellen. So ist ihr Wunsch an alle: „Lassen Sie sich inspirieren, nutzen Sie die Gelegenheit zu einem außergewöhnlichen Weihnachtsgeschenk an liebe Menschen mit allen guten Wünschen für das kommende Jahr.“

Der Kalender ist erhältlich zum Preis von 17 Euro im Caritas-Altenzentrum St. Martha, Schützenstraße 18c, Speyer, am Empfang von montags bis mittwochs von 9 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr, donnerstags von 9 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr sowie freitags von 9 bis 13 Uhr.

Text und Bilder: Caritasverband für die Diözese Speyer / Christine Kraus