Diözesan-Caritasverband Speyer, 19.11.2017

"Sie geben geflüchteten Frauen eine Heimat"

Verleihung des Nardini-Preises 2017 an die Gruppe "Frauen treffen Frauen" aus Speyer

Zum achten Mal verlieh der Caritasverband für die Diözese Speyer den Nardini-Preis an eine ehrenamtliche Gruppe. Als Anerkennung und Dank für ihr Engagement für geflüchtete Frauen wurde die Gruppe „Frauen treffen Frauen“ aus Speyer beim Caritas-Tag am 18. November in der Fruchthalle Kaiserslautern mit dem Nardini-Preis ausgezeichnet.


Sprecherin Christa Eigen (Mitte) nahm zusammen mit Mitgliedern der Gruppe und geflüchteten Frauen auf der Bühne die Urkunde und den symbolischen Scheck über 1000 Euro entgegen: „Wir sind sehr stolz auf die Auszeichnung“, sagte Christa Eigen.

Mit dem Preis gedenkt der Caritasverband dem Seligen Paul Josef Nardini, betonte der Caritasvorsitzende Karl-Ludwig Hundemer in seiner Laudatio für die Preisträger. Paul Josef Nardini, Pfarrer in Pirmasenser, galt schon zu seinen Lebzeiten als unerschütterlicher und engagierter Kämpfer gegen soziale Missstände, gegen Hunger, gegen materielle und seelische Not, rief Hundemer in Erinnerung. Dieses Elend begegne uns auch heute – auf anderen Wegen und mit einem anderen Gesicht, sagte Hundemer.

„Mit dem Nardini-Preis zeichnet der Caritasverband Speyer ehrenamtlich aktive Gruppen aus, die neue Wege gehen, um Menschen in Not zu helfen. Dies gilt für den Preisträger, die Gruppe ,Frauen treffen Frauen‘ der Dom-Pfarrei Pax Christi in Speyer“, so der Caritasvorsitzende. Die 2015 entstandene Gruppe bietet in den Räumen der Gemeinde St. Hedwig geflüchteten Frauen die Möglichkeit, sich zu treffen  und zu lernen, sich in ihrer neuen und fremden Lebenssituation zurechtzufinden. „So verwirklicht die Gruppe das, was die Jahreskampagne der Caritas vorgibt: Zusammen sind sie Heimat“, betonte Hundemer.

Die Initiative ging von Christa Eigen, Vorsitzende des Gemeindeausschusses von St. Hedwig, und Angelika Geist, einer ehemaligen Sozialarbeiterin der Diakonie, aus. Die beiden Frauen riefen die Gruppe ins Leben, und Christa Eigen leitet sie zusammen mit einem Team aus etwa zehn ehrenamtlichen Frauen.

In der zweiten Jahreshälfte 2015 kamen immer mehr Menschen auf der Flucht vor Krieg und Katastrophen auch nach Deutschland. In Speyer kamen die Geflüchteten in einer Gemeinschaftsunterkunft der Erlichschule unter, in der Angelika Geist arbeitete und sich Christa ehrenamtlich engagierte. Beiden Frauen wurde es ein Anliegen, speziell etwas für Frauen zu tun, die meistens im Hintergrund und dadurch aus isoliert blieben, während die Männer die Familie nach außen vertraten.

Das Gemeindezentrum St .Hedwig stellte der neugegründeten Gruppe Räume und auch die Küche zur Verfügung. Gerade die Möglichkeit, zusammen zu kochen, erwies sich als verbindendes Element über alle Kulturen hinweg. Zunächst wurden deutsche und Pfälzer Gerichte aufgetischt, doch bald ließen sich die geflüchteten Frauen von den Aktivitäten anstecken und kochten Gerichte aus ihrer Heimat. Daraus ist ein Kochbuch entstanden, das mittlerweile in der zweiten Auflage erschienen ist und beim Caritas-Tag sehr gut ankam. Die Gruppe verkaufte etliche Exemplare. Wer Interesse hat, kann das Kochbuch unter dem Titel „Über den Tellerrand geschaut“ in den Speyerer Buchhandlungen erwerben.

Für die geflüchteten Frauen gab es in ihrer neuen Umgebung natürlich viele Fragen. Ob es ums Einkaufen ging, um Mülltrennung, Fahrradfahren oder die Suche nach Wohnungen –das Team der Ehrenamtlichen half ihnen. Vor allem aber geht es immer wieder um das Lernen und Sprechen der deutschen Sprache, für das die Gruppe sich einsetzt. Im Lauf der Zeit sind über alle kulturellen Unterschiede hinweg Freundschaften entstanden - eine vertrauensvolle, familiäre Atmosphäre ist gewachsen. Die Frauen aus Syrien und Somalia, Griechenland und Afghanistan kommen regelmäßig und gern, weil sie hier ein Stück Heimat gefunden haben.

Der Caritasvorsitzende verwies auf die aktuelle Situation in Politik und Gesellschaft: „Wir alle haben in den vergangenen Monaten im Wahlkampf gespürt, dass der Ton in der Flüchtlingsdebatte rau geworden ist, teilweise offen feindselig“, sagte Hundemer. Er sprach auch an, dass die Ängste in der Gesellschaft vor Benachteiligung und persönlichen Einschränkungen in Folge der Zuwanderung gestiegen sind. Ebenso habe die Zahl der Übergriffe auf Flüchtlinge zugenommen. Hundemer betonte in diesem Zusammenhang: Der Abbau all dieser Ängste und ein unverkrampftes Miteinander kann nur gelingen in der konkreten Begegnung von Mensch zu Mensch.“ Die Nardini-Preis-Jury verstehe deshalb die Auszeichnung der Gruppe „Frauen treffen Frauen“ auch als ein Signal an alle Menschen guten Willens im Bistum. Denn: „Wer die Möglichkeiten der Begegnung wahrnimmt, bereichert damit auch sein eigenes Leben und kann Ängsten in seinem Umfeld mit authentischen Erlebnissen von persönlichen Kontakten Mut machend entgegen treten“, lautete Hundemers ermutigende Botschaft.