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Stand: 02.04.2019

Pressemitteilung

Austausch ist ein wichtiger Bestandteil

Die Kursteilnehmer haben sich für das Foto auf die Treppe gestellt und recken freudestrahlend die Arme in die Höhe. Sind beim Kurs zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen: die Teilnehmer des Palliativ Care-Kurses. Christine Kraus / Caritasverband Speyer

Die Freude war groß bei der Urkundenübergabe: 13 Frauen nahmen am 1. Februar   im Herz-Jesu- Kloster in Neustadt ihr Palliative Care Zertifikate entgegen. Sie haben am Palliative Care-Kurs teilgenommen, der seit acht Jahren in Kooperation zwischen der Marienhaus GmbH in Neustadt und der Ökumenischen Hospizhilfe Pfalz/Saarpfalz stattfindet. Über ein Jahr verteilt haben sich die Teilnehmerinnen vier Wochen lang, insgesamt 160 Stunden, zur Weiterbildung mit Kursleiterin Katrin Leidner und weiteren Referenten getroffen.

Das Thema Tod und Sterben ist den Teilnehmerinnen nur zu vertraut. Als Kranken-schwestern oder Altenpflegerinnen gehört es zu ihrem Berufsalltag dazu. "Alle haben Erfahrungen mit dem Sterben, aber keine Ansprechpartner, mit denen sie sich austau-schen können", erklärt der Palliativmediziner Dr. Michael Hatzenbühler, einer der Referenten der Weiterbildung bei der Zertifikatsverleihung. Darum ist der Austausch untereinander ein wichtiger Bestandteil der Weiterbildung nach dem Curriculum Kern, Müller Aurnhammer, das nicht nur theoretischen Unterricht, sondern auch praktische Erfahrungen auf Palliativstationen und im Hospiz beinhaltet.

Themen der Weiterbildung sind, so steht es auch in den Zertifikaten: eine werteorien-tierte Grundhaltung der hospizlichen Sterbebegleitung, spezielle Möglichkeiten der Grund- und Behandlungspflege bei Hospiz und Palliativpatienten, umfassende Kenntnisse der Symptomkontrolle, Schmerztherapie, psychische, soziale und spirituelle Aspekte der Sterbebegleitung, Modelle für die Kommunikation mit sterbenskranken Menschen und ihren Angehörigen, systemischer Blick auf die Familie und den sozialen Hintergrund Betroffener, ein reflektierter Umgang mit Sterben Tod und Trauer, Möglichkeiten der Bearbeitung ethischer Konfliktsituationen in der Sterbebegleitung.

"Die Teilnehmer lernen bei uns, aus dem Korsett auszubrechen, in das sie während ihrer Berufsausbildung gezwängt wurden", sagt Hatzenbühler und konkretisiert das am Thema Schmerz: "Man lernt, Schmerzen mit Medikamenten zu behandeln. Doch es gibt emotionale Schmerzen oder eine emotionale Übelkeit, da helfen keine Tabletten und Apparate."  Diese Menschen hätten andere Bedürfnisse, Sterben sei ein sehr individueller Prozess. Leider sei man in der Realität oft noch weit davon entfernt, was optimal in der Sterbebegleitung wäre. Auch Michele Günter, Katrin Leidners Vorgängerin als Kursleiterin ist da realistisch: "Mehr Zeit ist nicht da, aber die Teilnehmer lernen die Zeit anders zu nutzen."

Die Caritas-Mitarbeiterinnen (von links) Elena Sommerfeld, Heidrun Matheis, Iris Paul und Bernadeta Sessa sitzen in einer Runde zusammen. Die Caritas-Mitarbeiterinnen (von links) Elena Sommerfeld, Heidrun Matheis, Iris Paul und Bernadeta Sessa freuen sich über ihren Kursabschluss. Christine Kraus / Caritasverband Speyer

Das bestätigten Iris Paul, die im Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und Paulus als Krankenschwester arbeitet sowie Elena Sommerfeld, Bernadeta Sessa und Heidrun Matheis, die als Altenpflegerinnen in Caritas-Altenzentren in Pirmasens und Frankenthal tätig sind. "Dieser Kurs hat etwas bei mir verändert. Wenn jemand stirbt, nehme ich mir mehr Zeit, schaue, was er braucht. Dann müssen die anderen eben einmal warten", erklärt Elena Sommerfeld. "Manchmal sind es ganz einfache Kleinigkeiten, die helfen, wie Aromatherapie oder Musik. Manches hat man ja schon automatisch gemacht, aber jetzt machen wir es ganz bewusst", sagt Bernadeta Sessa. "Ich hoffe, wir haben die Möglichkeit, viel von diesen Inhalten in unsere Arbeit zu bringen. Dazu müssen neue Strukturen entwickelt werden", sagt Iris Paul. "Jetzt versuchen wir, in kleinen Schritten etwas zu bewirken, große Visionen kann man sich abschminken", erklärt Heidrun Matheis.

"Diese Weiterbildung hat mein Leben verändert. Ich sehe die Dinge jetzt anders", sagt Anna Bajer und meint damit weit mehr als ihren Berufsalltag als Krankenschwester auf der Palliativstation. Sie könne es schwer in Worte fassen, aber sie sei auch im Alltag ruhiger geworden, könne einfach auch mal mitschwingen und überdenken, was sie selbst in einer bestimmten Situation brauchen würde. "Es ist mir jetzt viel wichtiger, dass es im Team auf der Station stimmt. Dafür bleibe sie auch mal länger. "Das müssen wir jetzt in mehrere Köpfe bringen."

Neben der Freude über die Zertifikate schwingt auch ein bisschen Trauer bei den Teil-nehmern mit, denn die Gruppe ist zusammengewachsen.  Vielleicht treffen sie sich wieder bei einem Aufbaukurs.

Zertifikate überreicht bekamen: Anna Nadine Bajer, Barbara Czichowski, Angela Dosch, Jacqueline Fries, Martina Heinze-Gabriel, Heidrun Matheis, Barbara Masser, Iris Paul, Caroline Rozycki, Bernadeta Sessa, Jacqueline Schelb, Elena Sommerfeld und Schwester Mareena Thomas

Text und Fotos: Christine Kraus für den Caritasverband für die Diözese Speyer

 

 

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