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Stand: 30.07.2019

Pressemitteilung

“Das Soziale ist und bleibt unser Kerngeschäft“

Caritasverbandsvorsitzender benennt Chancen der Digitalisierung für soziale Arbeit - sozialpolitische Herausforderungen der nahen Zukunft hoch.

Bericht des CaritasvorsitzendenDer Vorsitzende des Caritasverbandes für die Diözese Speyer berichtete der Vertreterversammlung über das Geschäftsjahr.Melanie Müller von Klingspor

Große Bauprojekte und personelle Veränderungen haben die Arbeit des Caritasverbandes für die Diözese Speyer 2018 und 2019 stark geprägt. Auf Veränderungen der Arbeit durch Digitalisierung stellt sich der Verband ein und will die Chancen, die sich dadurch ergeben, gewinnbringend nutzen. Diese Themen nahmen im Bericht von Karl-Ludwig Hundemer, Vorsitzender des Caritasverbandes für die Diözese Speyer, den er am vergangenen Freitag in der Zentrale des Verbandes vor der Vertreterversammlung abgab, großen Raum ein. 

 

"Unsere Vision 2022 lautet Menschen helfen - Gesellschaft gestalten - Caritas: sozial - verlässlich - innovativ. Unter dem Stichwort ,innovativ‘ nenne ich die aktuelle Jahreskampagne des Deutschen Caritasverbandes", bezog sich Hundemer auf die bundesweite Kampagne "sozial braucht digital". Digitalisierung sei ein Megatrend unserer Zeit. "Die Beratungsangebote unserer Caritas-Zentren werden immer häufiger über digitale Medien abgerufen. Beratungstermine werden online gebucht, in allen Beratungsbereichen ist mittlerweile eine online-Beratung möglich", nannte er Beispiele. Die Schaffung einer Online-Plattform als niedrigschwelligen Zugang von Kunden und Angehörigen zu allen Einrichtungen und Diensten der Caritas sei der nächste Schritt. "Eine solche Plattform kostet aber nicht nur große Investitionen, sie muss auch über ein weitaus größeres soziales Netzwerk gespannt sein, als wir das als Caritas in Speyer darstellen", so Hundemer. "Darum arbeiten wir mit anderen Diözesancaritasverbänden, dem deutschen Caritasverband und weiteren christlichen Sozialdiensten an der Entwicklung einer solchen Plattform." Eine so genannte "Digitale Roadmap", die der Verband entwickelt hat, zeige dazu die nächsten Schritte der kommenden Jahre. "Die Roadmap ist eine Entwicklung, die auch im wissenschaftlichen und politischen Raum große Beachtung gefunden hat."

Unter dem Stichwort "verlässlich" berichtete der Vorsitzende über den Generationenwechsel bei den Führungskräften des Caritasverbandes: "In sechs von neun Einrichtungen wurden neue Leitungen eingeführt. Mit sechs neuen Frauen in der Führungsebene leisten wir dabei nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Gendergerechtigkeit in Kirche und Caritas. Dadurch, dass zwei Zentren mit jeweils zwei Frauen in Teilzeit geleitet werden, tragen wir auch dazu bei, dass junge Frauen ihre Leitungsaufgabe mit ihrem Familienleben vereinbaren können." Dieser Generationenwechsel sei auch deshalb möglich gewesen, weil das so genannte FEN-Projekt, ein Projekt zur Förderung und Entwicklung von Nachwuchsführungskräften, sehr erfolgreich sei. "Von den zehn Teilnehmerinnen und zwei Teilnehmern des ersten Kurses sind heute alle in leitenden Funktionen. Der zweite Kurs mit drei Männern und neun Frauen hat gerade begonnen." 

Das soziale Engagement, in der Vision abgebildet unter dem Stichwort "sozial", ist und bleibe für die Caritas das Kern- und Alltagsgeschäft. Hier nannte Hundemer vor allem die Arbeit in der Flüchtlingshilfe und der Wohnungslosenhilfe. Insbesondere die die Sozialberatung in den Landesaufnahmestellen in Speyer und Kusel, die Beratung von Menschen, die von Abschiebung bedroht sind und die Beratung von schwangeren Migrantinnen standen im vergangenen Jahr im Zentrum der Arbeit mit geflüchteten Menschen. "Den größten Raum nimmt die Unterstützung bei der Familienzusammenführung ein. Dich die Hilfe bei der Pass- und Visabeschaffung, die finanzielle Beteiligung an den Flugkosten und die Beschaffung von bezahlbarem Wohnraum werden für uns leider immer schwieriger", so der Vorsitzende. "Da es dafür keine Unterstützung durch staatliche Programme gibt, sind wir alleine auf Spenden angewiesen. Leider sind diese aber immer schwieriger zu akquirieren." 

Im Bereich der Wohnungslosenhilfe habe sich der Verband in den letzten Jahren neu aufgestellt. "Mit dem Projekt ,Bauernhof‘ in Trippstadt haben wir einen neuen und vielbeachteten Akzent in der Wiedereingliederung wohnungsloser Jugendlicher setzen können. Und mit der Übernahme des ,Alten Marienheims‘ in Kaiserslautern stehen jetzt noch einmal 27 Plätze mehr und davon sieben für wohnungslose Frauen zur Verfügung." Auch in Ludwigshafen habe man nach schwierigen Verhandlungen das 2016 begonnen Projekt ,Dezentrales Wohnen für junge, wohnungslose Frauen‘ weiterführen können. "Für ein Angebot an wohnsitzlose Jugendliche fehlt es jedoch leider in Ludwigshafen immer noch an geeigneten Räumen", sagte Hundemer. 

Der Vorsitzende des Caritasrates, Theo Wieder, stellte ins Zentrum seines Berichtes den Konflikt zwischen dem Selbstverständnis und der satzungsgemäßen Aufgabe des Caritasverbandes, Menschen zu helfen, und betriebswirtschaftlichen Erfordernissen. "Ich hatte in der letzten Zeit zwei Anrufe bekommen, in denen sich Menschen mit dem Tenor bei mir beklagt haben, es gehe nur noch ums Geld und der Mensch stehe nicht mehr im Mittelpunkt", berichtete Wieder. "Der Dienst am Menschen und eine sorgfältige Finanz- und Betriebswirtschaft sind bei uns aber kein Gegensatz. Denn nur auf einer soliden finanziellen Basis lassen sich nachhaltige und dauerhaft tragfähige Lösungen für die Anliegen der Menschen gestalten, die sich an uns wenden. Nur als sozialer, verlässlicher und innovativer Verband sind wir auf der Grundlage finanzieller Solidität ein geachteter, gehörter und wettbewerbsstarker Partner bei der Gestaltung gesellschaftlicher und politischer Themen."

Der Bericht des Wirtschaftsprüfers der Solidaris, Dirk Riesenbeck-Müller, fiel positiv aus. Er hob hervor, dass die Prüfung nach den Prinzipien einer großen Kapitalgesellschaft durchgeführt wurde, also besonders streng sei. "Wir können einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk ausstellen." So wurden der Vorstand und der Caritasrat einstimmig entlastet. Ebenso wurde ein Antrag auf Satzungsänderung, der aufgrund des neuen Bundesteilhabegesetzes notwendig wurde, einstimmig entschieden.

Dekan Jörg Rubeck, Caritasvorsitzender Karl-Ludwig Hundemer und Ulrike GentnerDekan Jörg Rubeck (li) wurde vom Bischof zum stellvertretendes Vorsitzenden des Caritasrates ernannt und Ulrike Gentner, stellvertretende Direktorin des Heinrich Pesch Hauses, wurde einstimmig als neues Caritasratsmitglied gewählt. Melanie Müller von Klingspor

Dekan Alban Meisner hatte seinen Rücktritt aus dem Aufsichtsgremium des Caritasrates erklärt. "Frau Ulrike Gentner, stellvertretende Direktorin des Heinrich-Pesch-Hauses Ludwigshafen hat sich dankenswerter Weise bereit erklärt, für die Aufgabe zu kandidieren", freute sich der Caritasvorsitzende. Ulrike Gentner wurde einstimmig in den Caritasrat gewählt. Da mit Dekan Meisner nun kein Vertreter einer Kirchengemeinde mehr im Caritasrat gewesen wäre, habe Bischof Wiesemann den Dekan Jörg Rubeck aus Germersheim gebeten, als stellvertretender Vorsitzender sowohl im Caritasrat als auch um Aufsichtsrat des CBS Caritas Betriebsträgergesellschaft mitzuwirken. "Dankenswerterweise hat Dekan Rubeck der Ernennung zugestimmt", so der Vorsitzende des Caritasverbandes.

Text und Fotos: Melanie Müller von Klingspor

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