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Stand: 30.07.2019

Pressemitteilung

“Der Mensch verbraucht mehr, als nachwächst“

Sarah erklärt die Gute SchokoladeSarah erklärt die Gute Schokolade

Am Tag der weltweiten Klimastreiks am 20. September drehte sich von 9 bis 15 Uhr auch in der Zentrale des Caritasverbandes Speyer alles um Klimagerechtigkeit. Die Teilnehmer erwarteten drei Vorträge, interessante Gespräche und viele Informationen. Passend zum Format in informeller Runde bei Kaffee und Kuchen.

Einstieg war der Vortrag von Primož Lorenčak zu "Anthropozän". Der Ehrenamtliche aus Ludwigshafen ist Multiplikator "Globale Verantwortung" bei der Diözese Speyer. Insgesamt 16 Ehrenamtliche wurden hier im vergangenen Jahr zum Thema ausgebildet, jeder mit einem eigenen Schwerpunkt, berichtete Christoph Fuhrbach, zuständiger Referent beim Bistum. "Hier findet etwas statt, der Diözesan-Caritasverband engagiert sich, das hat eine wichtige Außenwirkung", lobte er die Veranstaltung in der Caritas-Zentrale und die Auseinandersetzung zum Thema. Im Anschluss brach er zur Klima-Demonstrationen im Stadtzentrum auf. Das Bistum Speyer ist dem Unterstützerkreis für den weltweiten Klimaprotesttag der "Fridays for Future"-Bewegung am 20. September beigetreten.

Das Anthropozän sei die Epoche, in der Menschen die Erde am nachhaltigsten veränderten, beschreibt Primož Lorenčak. Wann diese beginne, darüber streiten die Experten noch. "Es spricht viel dafür mit 1950 anzufangen", so der Multiplikator. Durch den globalen Markt werden seitdem immer mehr fossile Brennstoffe verbraucht. Damit verbunden sei der steigende CO2-Gehalt in der Luft, Artensterben, Umweltverschmutzung und Klimawandel. "Der Mensch verbraucht mehr als nachwächst", lautete seine eindrückliche Warnung. Der "Erdüberlastungstag", also der Tag, an dem die Menschheit mehr verbrauche als nachwachse, wandere immer weiter nach vorne. 1990 war dieser Tag im Dezember, 2019 bereits im Juli. "Wir können alle etwas tun: Weniger Fleisch essen, lokal einkaufen, ein kleineres Auto kaufen und immer wieder über das Klima reden", gab Primož Lorenčak den Anwesenden als praktische Tipps für ihr persönliches Klima-Engagement mit.

Stop Talking start Planting Philipp und Sarah. "Hör auf zu reden,pflanz Bäume!"Stop Talking start Planting Philipp und Sarah. "Hör auf zu reden,pflanz Bäume!"

"Unsere und die nächste Generation hat die Chance die Entwicklung zu stoppen, danach geht es nicht mehr!", lautete der Appell als Einstieg in eine angeregte Dis-kussion, bei der auch immer wieder die "Hilflosigkeit des Einzelnen" und die Chancen durch "Zusammenarbeit auch bei kleinen Schritten", betont wurden. Während immer wieder kritische Fragen aufkamen, diskutierten andere Teilnehmer praktische Ideen.

Mitreißend und informativ war auch die Botschaft der Kinderbotschafter von "Plant-for-the-planet", einer inzwischen weltweit tätigen Initiative von Kindern. Philipp und Sarah waren für die Veranstaltung des Caritasverbandes eigens aus Hochdorf nach Speyer gekommen. Der Neunjährige ist Feuer und Flamme für die Diskussion um den Klimawandel, seine 18-jährige Schwester unterstützt ihn dabei. Gekonnt warfen sich Geschwister bei ihrem Vortrag die Bälle zu. "Es geht um unsere Zukunft, Dürren und Fluten werden zunehmen", verdeutlichten sie anhand von Schaubildern und Fotos. Ein Amerikaner produziere 16 Tonnen CO2 im Jahr, Europäer und Chinesen acht Tonnen und Afrikaner eine Tonne. Dem wachsenden Ausstoß von CO2, der im Zusammenhang mit steigenden Temperaturen stehe, müsse entgegen gewirkt werden. Völkerwanderungen und Kriege um Ressourcen drohen. Null-Emission ab 2050 ist eine der Forderungen der Kinder. 2007 habe ihre Organisation deshalb angefangen Bäume zu pflanzen. Das große Ziel sei es, pro Mensch 150 neue Bäume in die Erde zu bringen. "Stop talking, start planting", wiederholte Philipp den Leitspruch von "Plant-for-the-planet" immer wieder. Auf den Fotos der Organisation hält ein Kind einem Erwachsenen den Mund zu. Er und seine Schwester machen es nach.

Unterstützung wurden Philipp und Sarah durch den zehnjährigen Tyreece aus Heidelberg und die zwölfjährige Emily aus Frankenthal. "Wir dürfen die Zukunft nicht den Erwachsenen überlassen, sondern müssen selbst etwas tun", begründete Tyreece sein Engagement. Er ist seit einem halben Jahr bei "Plant-for-the-planet" dabei. Im Gepäck hatten die Botschafter viele Informationen und zusätzlich eine leckere "Schokolade, die Bäume pflanzt!" "Für fünf verkaufte Tafeln 'Gute Schokolade' wird ein Baum gepflanzt und gut schmecken tut sie auch noch", betonte Philipp.

Zum Abschluss des Coffee-Stop zum Klimawandel gab Barbara Toro, ebenfalls Multiplikatorin "Globale Verantwortung" im Bistum Speyer, der Gesprächsrunde In-put um den Themenkomplex Umwelt und Entwicklung aus der Enzyklika "Laudato si".

Rund 15 Teilnehmende in wechselnder Besetzung haben an den Vorträgen teilgenommen. Martina Gemmar, Projektleiterin "Zusammenhalt durch Teilhabe - gelebte Demokratie", hatte das Coffee-Stop-Programm für ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeitende zusammengestellt. "Es geht um Haltung und Partizipation und darum, einen Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen", erläuterte die Verantwortliche. "Die Themen interessieren mich. Es ist wichtig und gut sich mit Kollegen zu solchen Themen auszutauschen", lautete das Fazit zur Veranstaltung von Anne Benz, Referentin für Freiwillige Dienste. Sie hat bereits an mehreren Coffee-Stops teilgenommen. "Wir leben globale Verantwortung und jeder kann etwas machen", ist für ihre Kollegin Nadja Franz wichtig. Sie sieht das Format Coffee-Stopp als gute Möglichkeit, sich zu wichtigen Themen inhaltlich auseinanderzusetzen. Ganz ähnlich begründete auch Michael Gerst, Stabsstellenleiter Verbandswesen, seine Teilnahme: "Hier geht es um Themen, die wichtig sind im Zusammenleben und die über die Arbeit hinaus gehen."

Text und Fotos: Katja Hein für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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