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Stand: 30.07.2019

Pressemitteilung

"Ehrenamt macht glücklich"

Referentin Diana Müller vor ihren Zuhörerinnen und Zuhörern. "Ehrenamt macht glücklich", lautete der Vortrag von Diana Müller. Die Referentin bekam von den Teilnehmenden dazu viele Rückmeldungen.Stefan Tresch / Caritasverband für die Diözese Speyer

Die Zahlen schwanken stark: Zwischen 15 und mehr als 30 Millionen Menschen sollen sich in Deutschland ehrenamtlich engagieren.  Was macht das mit dem Menschen? "Ehrenamt macht glücklich",  ließ Journalistin Diana Müller als Hauptreferentin bei der Jahresversammlung des Forums Caritas Ehrenamt daran keine Zweifel aufkommen.  

Die 44-jährige Journalistin des Sonntagsblatts, die bereits mit dem Caritas-Journalistenpreis ausgezeichnet wurde, suchte während ihres Vortrags immer wieder den Dialog mit den rund 40 ehrenamtlichen Teilnehmenden, die sich in der Gemeindecaritas  in unterschiedlicher Form engagieren. Als Schlusspunkt ihres Vortrags setzte sie einen Mut machenden Aspekt: "Das, was Sie in Ihrer Freizeit für andere Menschen leisten, ist großartig."

In kleinen Bausteinen führte die Referentin die Zuhörerinnen und Zuhörer in den Glücksbegriff ein. Glücksforscher unterscheiden demnach zwei Kategorien: das Lebens- und das Zufallsglück. Das Lebensglück sei stark beeinflusst vom sozialen Umfeld, das wiederum durch eigenes Engagement geschaffen werden kann, beispielsweise durch das Ehrenamt.  Es ist ein eher länger anhaltendes Glücksgefühl im Gegensatz zum Zufallsglück, dass der Dichter Heinrich Heine laut Diana Müller treffend beschrieben habe: "Es küsst dich rasch und flattert fort".

Frage: "Was ist eigentlich Glück?"

Beispiele für Projekte und Aktionen stellte Wiltrud Siepenkothen aus der Pfarrei  Seliger Paul Josef Nardini in Germersheim vor.Beispiele für Projekte und Aktionen stellte Wiltrud Siepenkothen aus der Pfarrei Seliger Paul Josef Nardini in Germersheim vor.Stefan Tresch / Caritasverband für die Diözese Speyer

Gleich zu Beginn stellte die Referentin den Teilnehmenden der Jahresversammlung eine Frage, die sich viele wohl nicht so oft stellen, vielleicht eher in Momenten erleben: "Was ist eigentlich Glück?", "Was macht mich glücklich?". Ganz unterschiedlich waren die Einwürfe der Anwesenden, was bei ihnen Glücksgefühle auslöst. Es reichte von der spontanen Umarmung eines anderen Menschen über die Wertschätzung im Beruf bis zum Anblick des Haustiers oder der Vögel im Garten.  Diana Müllers Fazit: Der größte Teil des eigenen Glücksempfindens hängt von der eigenen Person ab, wird durch das eigene Handeln und Denken beeinflusst.  Ihr Rat: Jeder sollte sich mit Menschen umgeben, die ihm oder ihr guttun. Deshalb riet sie den Anwesenden nicht dazu, zwanghaft an einem ersten gefundenen ehrenamtlichen Engagement festzuhalten, sondern, wenn es nicht passt, loszulassen. Denn, das gelte auch für das Ehrenamt: Zu jedem Deckel gebe es auch einen Topf.   

Ist der Glaube etwas, was glücklich macht? Eine von Diana Müller in den Raum geworfene Frage, die selbst in einem Kreis von Gläubigen nicht leicht zu beantworten war. Vielleicht eine Frage, die sich der Einzelne im Alltag ebenfalls eher selten stellt. Doch den Teilnehmern fielen nach anfänglichem Zögern durchaus Glücksmomente ein, die sie mit ihrem Glauben in Verbindung brachten. "Gut, dass das einmal gefragt wurde", meinte eine Teilnehmerin nachdenklich. Der Glaube trage zur Stabilität im Leben bei, trage somit im Leben, betonte die Referentin.

Jeweils am 20. März eines Jahres wird der internationale Tag des Glücks begangen. Für Diana Müller ist es ein Fakt, das ehrenamtlich tätige Menschen glücklicher sind, da es eine Möglichkeit sei, sich kreativ zu beschäftigen. Der Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel habe die grundlegenden Beziehungen von ehrenamtlich tätigen Menschen als Glücksfaktoren benannt. Das Ehrenamt sei gewinnbringend, da die aktiv tätigen Menschen gesünder lebten und eine höhere Lebenserwartung hätten. Ruckriegel sieht subjektives Wohlbefinden als einen zentralen Indikator für ein gutes Leben, für eine hohe Lebensqualität.

Offene Diskussion der Teilnehmenden der Jahresversammlung

Sehr offen diskutierten die Teilnehmer aber ebenso über die andere Seite des Ehrenamts - den Frust und die Enttäuschung, die damit verbunden sind. Beispielsweise dann, wenn man sich nach langjähriger Tätigkeit zurückziehen will, dann aber auf Unverständnis stößt, oder sich keine Nachfolger*innen finden. Wenn die Wertschätzung und die Unterstützung der Hauptamtlichen fehlt oder gar Steine in den Weg gelegt werden.  Aber auch, wenn bei den Ehrenamtlichen der Teamgedanke nicht ausgeprägt ist.

Bei der Schlussandacht wurde auch Paul Josef Nardini gedacht, der im 19. Jahrhundert als Priester in Pirmasens wirkte. Sein Lebenswerk und sein Glaubenszeugnis sind auch für Christen von heute Vorbild und Ansporn.Bei der Schlussandacht wurde auch Paul Josef Nardini gedacht, der im 19. Jahrhundert als Priester in Pirmasens wirkte. Sein Lebenswerk und sein Glaubenszeugnis sind auch für Christen von heute Vorbild und Ansporn.Stefan Tresch / Caritasverband für die Diözese Speyer

Dagegen seien es oft Kleinigkeiten, die Glücksgefühle auslösen könnten, sagte Andreas Massion aus Ludwigshafen von der Pfarrei Heiliger Petrus und Paulus. Er hat, nachdem er sich aus der unterstützenden Arbeit für Flüchtlinge in Ludwigshafen zurückzog, einen Dankbrief der Stadt erhalten. "Ich war mir gar nicht bewusst, dass dies mir so viel wert sein könnte, meinte er.

Ein guter Rat aus der Mitte der Teilnehmer: Die Ehrenamtlichen dürften sich selbst nicht vergessen, müssten behutsam mit sich umgehen. "Wenden Sie sich einmal an den Nein-Engel", schlug eine Teilnehmerin vor.  Ein anderer Rat, das Loslassen betreffend: "Anderen das Zutrauen schenken, dass sie es schaffen."

Ein Kritikpunkt der Ehrenamtlichen, der Zustimmung fand: Die Kirche müsse viel mehr auf die Menschen zugehen. Vielen Leuten sei die Kirche zu weit weg von den Menschen. Die Caritas-Arbeit, die sich an die Hilfesuchenden und Bedürftigen wende, sei ein guter Bereich, um Menschen, die der Kirche nicht so nahestehen, anzusprechen, sie zum Engagement zu bewegen.

Trotz Corona-Pandemie gibt es viele Projekte in den Pfarreien

Corona hat die Arbeit an der Basis getroffen, das wurde ebenfalls in der von Stefanie Horn-Wolniewicz moderierten Veranstaltung deutlich und klar angesprochen. Viele Engagierte seien auf der Strecke geblieben, ausgestiegen. Nun gelte es neu zu starten. Dass aber in der bisherigen Corona-Zeit kein Stillstand herrschte, zeigten die Projekte, die Vertreter aus Gemeinden am Nachmittag vorstellten.

Über Besuchs- und Kontaktforen sowie Einkaufshilfen berichtete Wiltrud Siepenkothen aus der Pfarrei Seliger Paul Josef Nardini Germersheim. Angedacht sei es, ein Erzähltelefon zu installieren, eine Kontaktmöglichkeit zu Menschen, die sprechen wollten, weil sie sich einsam fühlen.  Andreas Massion von der Pfarrei Heiliger Petrus und Paulus Ludwigshafen berichtete vom Projekt "Eine Dudd für Ludwigshafen". Es seien Lebensmittel verteilt worden, als die Tafel geschlossen hatte. Und  Gudrun Stoffel erzählte über Quirnbach inTakt. Bei dem von ihr vorgestellten Projekt soll durch gezielte Unterstützung der Eintritt in die Pflegebedürftigkeit hinausgezögert werden. Neben einem Wochenmarkt sei auch ein Forum des Kontakts ins Leben gerufen wurde.

"Kontakte knüpfen, Impulse mitnehmen", das gefiel Horst Stauder aus Oggersheim an der Jahresversammlung es Forums Caritas-Ehrenamt, an der er zum ersten Mal teilnahm.  Er gehe glücklicher nach Hause und hoffe, dass nach Corona die Arbeit wieder anlaufe, betonte der Oggersheimer. "Der Austausch ist wichtig", sagte auch Christa Kuhn aus Kusel. Sie freute sich, dass trotz Einschränkungen durch Corona noch so viele Aktivitäten umgesetzt werden, dass es so viele Ideen gibt.

Manfred Traub, Sprecher des Leitungsteams zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der Jahresversammmlung: "Wir haben über viele Dinge sprechen können. Es wurde aufgezeigt, was vor Ort läuft", so der Hochstadter. Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer, Vorsitzender des Caritasverbandes im Bistum Speyer, freute sich, dass in dem großen Forum so offen gesprochen wurde.  Aufgrund der Corona-Situation sei es dieses Mal ja nicht zur Zusammenkunft in kleinen Workshops gekommen. "Noch nie habe ich die Diskussion bei dieser Veranstaltung so lebendig erlebt. Das hat gut getan. Ich gehe glücklicher nach Hause", so sein Fazit nach der abschließenden Andacht.

Anstatt auf dem  Diözesan-Katholikentag, der im Zeichen des 100-jährigen Bestehens des Caritasverbandes in der Diözese Speyer  stehen sollte, aber abgesagt wurde, soll am 19. September bei einem Pontifikalamt in Pirmasens der Nardini-Preis 2020 vergeben werden. 

Die nächste Jahresversammlung des Forums Caritas Ehrenamt ist laut Manfred Traub am 2. April 2022 in Pirmasens geplant.     

Text und Fotos: Stefan Tresch für den Caritasverband für die Diözese Speyer

 

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