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Stand: 17.09.2018

Pressemitteilung

Hospizbegleiter geben Zeit und Herzblut

Referent Erich Schützendorf am Redepult. Impulsgeber: Referent Erich Schützendorf sprach beim Hospizbegleitertag viele Themen an, die Ehrenamtliche in der Hospizarbeit berühren. Brigitte Deiters / Caritasverband Speyer

 "Ehrenamtliche Hospizbegleiter sollen für das, was sie das ganze Jahr über leisten, Wertschätzung erfahren und sich auch einmal wohlfühlen und verwöhnen lassen." Für Caritas-Referentin Daniela Ball-Schotthöfer für die Ökumenische Hospizhilfe Pfalz / Saarpfalz ist das ein wichtiges Argument für den jährlichen Hospizbegleitertag. Die Veranstaltung fand jetzt wieder im Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen statt. 110 Ehrenamtliche nutzen diese Gelegenheit zum Austausch und zur Bestärkung für ihren Dienst.

Referent des Tages war Erich Schützendorf. Er war 40 Jahre lang Fachbereichsleiter für Fragen des Älterwerdens und zuletzt Direktor an der Volkshochschule des Kreises Viersen war. Sein Vortrag behandelte zwar die Haltung und eigene Grenzen in der Pflege und Begleitung von alten und an Demenz erkrankten Menschen. Doch den Zuhörern gelang es problemlos, alles Gesagte auf ihre eigenen Erfahrungen in der Hospizarbeit zu übertragen. Das Thema des Tages passte: "Einander verstehen - Herausforderungen meistern."

Schützendorf stammt vom Niederrhein, und mit dem ihm eigenen Humor zog er die Ehrenamtlichen sofort in seinen Bann. Sein Schwerpunkt war in seinem Vortrag "die schlichte Wahrheit, dass es nichts Schwierigeres gibt als eine Beziehung" sowie die Aussage: "Derselbe Mensch kann einem den Morgen verzaubern und den Abend vermiesen." Anschaulich schilderte er die Herausforderungen, denen sich Pflegende in Beziehungen ausgesetzt fühlen: die Langsamkeit, die mit dem eigenen Rhythmus schwer in Einklang zu bringen ist, die Vorhersehbarkeit und das Gefühl, dass die zu Pflegenden über sie verfügen - selbst wenn sie nicht anwesend sind.

Und weil er den Ehrenamtlichen so sehr aus der Seele sprach - man sah und hörte es am Nicken und zustimmenden Murmeln - fiel es diesen auch nicht schwer zu entdecken, wo sie in der Begleitung von Sterbenden und deren Angehörigen an ihre eigenen persönlichen Grenzen stoßen. Schützendorf ermutigte sie, diese Grenzen zuzulassen, und sich auch selbst zu schützen: "Manchmal muss man leiden und manchmal leiden lassen", sagte er. Es sei zwar immer eine ethische Frage, wann ein pflegender Mensch den ihm Anvertrauten "leiden" lässt; und immer hätten sie dann mit Schuld- und Schamgefühl zu kämpfen, aber: "Es ist eine idealistische Vorstellung zu glauben, wir könnten ständig über unsere Grenzen gehen!"

Der Referent riet dazu, sich Ruheinseln und eigene Zeit zu schaffen, aber auch "Entladestationen", also Möglichkeiten, Dampf abzulassen und sich zu beklagen. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Hospizbegleiter sehr genau wissen, wo sie an Grenzen kommen, aber auch, wo sie Entspannung dafür finden.

Tischrunde zum Thema Hospizarbeit aus:  (von links) Caritas-Referentin Anette Nicola-Imhoff, ein Teilnehmer, Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer, Vorsitzender des Caritas-Verbands für die Diözese Speyer, und Referent Erich Schützendorf. Tischrunde zum Thema Hospizarbeit aus: (von links) Caritas-Referentin Anette Nicola-Imhoff, ein Teilnehmer, Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer, Vorsitzender des Caritas-Verbands für die Diözese Speyer, und Referent Erich Schützendorf. Brigitte Deiters / Caritasverband Speyer

In der Ökumenischen Hospizhilfe gebe es in allen Gruppen die Möglichkeit, sich genau über diese Themen und Fragen auszutauschen und zu reflektieren, betonte Daniela Ball-Schotthöfer. In den Workshops des Tages bestand zudem Gelegenheit, sich über Herausforderungen und die Möglichkeiten, sie zu meistern, vertieft auszutauschen. Die Ehrenamtlichen, auf denen die Hospizbewegung ruht, hätten sich das auch verdient, hob Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer, Vorsitzender des Caritas-Verbands für die Diözese Speyer in seiner Begrüßung hervor: "Ihr Einsatz und Ihre gelebte Menschlichkeit sind keine Selbstverständlichkeit; Sie geben Ihre Zeit und Ihr Herzblut und werden damit zum Segen für die Sterbenden, ihre Angehörigen und die Gesellschaft insgesamt."

Zwei Menschen wurden an diesem Tag auch verabschiedet. Sie waren viele Jahre Gruppenleiter von Ehrenamtlichen: Ingrid Langhauser aus Neustadt und Wolfgang Schulte aus Schifferstadt. Sie bleiben aber weiterhin aktiv in der Hospizbewegung.

Text und Bilder: Brigitte Deiters für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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