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Stand: 17.09.2018

Pressemitteilung

“Reparieren statt wegwerfen – ein Signal für nachhaltigen Umgang mit Konsumgütern“

Wurden mit dem Nardini-Preis 2018 ausgezeichnet: Die Ehrenamtlichen, die das Repair Café in Pirmasens anbieten.Wurden mit dem Nardini-Preis 2018 ausgezeichnet: Die Ehrenamtlichen, die das Repair Café in Pirmasens anbieten. Marion Linzmeier-Mehn / Caritasverband Speyer

Zum neunten Mal verlieh der Caritasverband für die Diözese Speyer den Nardini-Preis an eine ehrenamtliche Gruppe. Als Anerkennung und Dank für ihr Engagement in der Katholischen Familienbildungsstätte Pirmasens wurde die Initiative "Repair Café" aus Pirmasens beim Caritas-Tag am 24. November im Saalbau in Neustadt an der Weinstraße mit dem Nardini-Preis ausgezeichnet.

Mit dem Preis gedenkt der Caritasverband dem Seligen Paul Josef Nardini, betonte der Caritasdirektor Vinzenz du Bellier in seiner Laudatio für die Preisträger.

Paul Josef Nardini, Pfarrer in Pirmasenser, galt schon zu seinen Lebzeiten als unerschütterlicher und engagierter Kämpfer gegen soziale Missstände, gegen Hunger, gegen materielle und seelische Not, rief du Bellier in Erinnerung. Dieses Elend begegne uns auch heute - auf anderen Wegen und mit einem anderen Gesicht, sagte der Caritasdirektor. "Mit dem Nardini-Preis zeichnet der Caritasverband Speyer ehrenamtlich aktive Gruppen aus, die neue Wege gehen, um Menschen in Not zu helfen und ihren Sozialraum mitgestalten." Dies gelte für den Preisträger des Repair Cafés, das in einer Kooperation des Caritas-Zentrums mit der Familienbildungsstätte entstanden ist.

"Das Repair Café erhält den Preis für seine Vermittlung eines nachhaltigen Umgangs mit Konsumgütern sowie für seine sozialraumorientierte Vorgehensweise.  Es ist gut vernetzt mit unterschiedlichen Einrichtungen wie Pfarrei, Caritas-Zentrum und Familienbildungsstätte", zitierte du Bellier die Begründung der Jury. Diese habe betont:  "Das Repair Café ist nachahmbar."

"Ressourcen schonen und nachhaltig handeln, Menschen zusammenbringen und Wissen teilen - mit diesen Zielen hat sich das Repair Café nach mittlerweile drei Jahren etabliert, so hat es Susanne Dausend-Thomas, Leiterin der Katholischen Familienbildungsstätte gesagt, in deren Räumen die Aktion stattfindet", berichtete du Bellier.

Seit April 2015 habe das Café in den Räumen der Katholischen Familienbildungsstätte in Pirmasens an mehreren Terminen im Jahr geöffnet. "Die Reparaturangebote im Repair Café sind vielfältig: In der Werkstätte werden Elektrogeräte von der Küchenmaschine bis zum Rasenmäher, kleine Möbel, Nähmaschinen, Spielsachen, Fahrräder, Deko-Gegenstände, Schmuck und vieles mehr wieder instandgesetzt - und zwar von Experten, die ihre Fachkompetenz als Elektrotechniker, Schreiner, Hobbybastler, Radio- und Fernsehtechniker oder Tüftler einbringen", beschriebt der Laudator die Initiative. "Außerdem gibt es eine Nähstube, in der mit Unterstützung und Anleitung von Nähexpertinnen Flickarbeiten und Änderungen durchgeführt werden. Auch können sich Besucher den Umgang mit der Nähmaschine erklären lassen. Wer Unterstützung beim Bedienen von Smartphones oder Tablets braucht, wird im Repair Café ebenfalls einen Experten finden."

Beliebt als Treffpunkt sei mittlerweile auch die gleichzeitig geöffnete Caféstube. Hier warten Besucher, bis sich die Experten um ihr Anliegen kümmern können. Auch wer nichts zu reparieren hat, sei hier herzlich willkommen zu einem Plausch.

"Die Ehrenamtlichen, die sich engagieren, ziehen eine positive Bilanz", sagte Caritasdirektor Vinzenz du Bellier. "Sie sagen, seit dem Startschuss im April 2015 ist das Repair Café ein fester Bestandteil im Jahresprogramm der Katholischen Familienbildungsstätte und des Caritas-Zentrums Pirmasens. Es finden acht Termine im Jahr statt. Im Durchschnitt werden pro Öffnungstag circa 20 Reparaturen angenommen und bearbeitet."

Viele der ehrenamtlichen Experten seien von Anfang mit großer Leidenschaft dabei. Über die Freude an den gelungenen Reparaturen, den Begegnungen und Gesprächen mit den Besuchern sei die Gruppe zusammengewachsen. "Es engagieren sich regelmäßig zwischen 15 und 20 Ehrenamtliche. Der jüngste Ehrenamtliche ist 14 Jahre alt und erklärt mit anderen Jugendlichen älteren Menschen die Funktionen ihres Smartphones. Die älteste ehrenamtliche Mitarbeiterin ist Mitte 70 und in der Caféstube aktiv." Sie sei für die Besucher Zuhörerin und Gesprächspartnerin. Denn: "Die Besucher kommen auch einfach nur so, zum Kaffeetrinken und Erzählen, weil die Mitarbeiter Anteil nehmen an ihren Geschichten und Schicksalen."

Andrea Ertl-Deutschmann nahm den Preis für die Gruppe entgegen. Sie sagte: "Es ein Projekt, das uns allen einfach viel Freude macht. Die Nachfrage ist über die Jahre immer weiter angestiegen. Zum Teil haben wir mittlerweile Stammkunden, die jedes Mal kommen." Manche suchten sogar  in ihrem Haushalt nach kaputten Sachen, damit sie etwas zu reparieren hätten, einfach weil es so viel Spaß mache. "Wir haben sechs Werkstatthelden, die sich mit Reparaturen von Elektrogeräten oder kleinen Möbeln auskennen. Aber unsere Besucher müssen mitmachen und unter Anleitung der Werkstatthelden selbst Hand anlegen."

"Es ist ganz unterschiedlich, was die Leute mitbringen", erzählt die 18-jährige Chiara Mas. "Es sind Elektrogeräte, wie alte Rasenmäher oder Kassettenrekorder oder Lampen, liebgewordene Stücke von früher, die kein Elektrohandel mehr zur Reparatur annimmt." Aber viele bringen auch Kleidungsstücke zum Abändern mit. "Und ältere Leute bekommen oft mit, dass wir Jüngeren dabei sind und bringen dann Zettel mit Fragen zu ihrem Smartphone oder Tablet mit. Sie wollen dann Apps runterladen, oder Fotos verschicken." Chiara Mas erzählt, dass die jüngeren Helfer meist über den Firmunterricht den Weg zum Repair Café finden: "In der Firmvorbereitung muss man sich in einem sozialen Projekt engagieren. Man bekommt eine Liste und kann etwas auswählen. Viele, die ins Repair Café gekommen sind, sind auch geblieben. Einfach weil es so viel Spaß macht."

Der Caritasdirektor sagte zum Ende seiner Laudatio: "Wer ein solches Nachbarschaftsprojekt initiieren möchte, kann auf die Erfahrungen der Pirmasenser Initiative zurückgreifen und mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Ein Signal gegen die Wegwerfmentalität und für einen nachhaltigen Umgang mit Konsumgütern leisten, Menschen zusammenbringen, die sich sonst nicht begegnen würden und die Talente engagierter Ehrenamtlicher nutzen, die ihre Fähigkeiten gewinnbringend für andere einbringen möchten."

Text und Foto: Melanie Müller von Klingspor und Marion Linzmeier-Mehn

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