URL: www.caritas-speyer.de/aktuelles/presse/viel-gelernt-und-daran-gewachsen-15d9c109-f664-44e2-8160-92b06daeaf26
Stand: 30.07.2019

Pressemitteilung

„Viel gelernt und daran gewachsen“

Gruppenfoto mit Teilnehmenden von Freiwilligendiensten in der Reha Westpfalz und der Leiterin der Tagesförderstätte. Gruppenfoto im Garten: (von rechts) die ehemaligen BFDlerinnen Kaja Rittmann und Karoline Fareas de Sales, Susanne Weber (stellvertretende Leiterin der Tagesförder-stätte), der ehemalige FSJler Jonas Rödel und FSJlerin Lena Regin. Friederike Jung / Caritasverband für die Diözese Speyer

Sie möchten Erfahrungen sammeln, einen neuen Bereich kennenlernen oder ihren Berufswunsch überprüfen - dazu entscheiden sich jährlich tausende, meist junge Menschen für einen der angebotenen Freiwilligendienste. Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) hat als Nachfolger des Zivildiensts, der mit Abschaffung der Wehrpflicht 2011 hinfällig geworden war, Erfolgsgeschichte geschrieben. Der BDF hat sich neben den bereits bestehenden Formaten wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr oder Freiwilligen Ökologischen Jahr etabliert. Der Caritasverband für die Diözese Speyer begleitet Menschen während ihres Bundesfreiwilligendienstes, der BDKJ Speyer während des Freiwilligen Sozialen Jahres - auch im Ökumenischen Gemeinschaftswerk Pfalz.

Lena Regin nutzt die Möglichkeit,  nach dem Fachabitur eine Zäsur zu setzen, um zu überlegen, wohin das berufliche Pendel ausschlagen soll und gleichzeitig etwas Sinnvolles zu tun.  "Eigentlich hatte ich geplant, Ergotherapeutin zu werden, aber dann hat es mit dem Ausbildungsplatz nicht geklappt", sagt die 19-Jährige. "Vielleicht hat es so sein sollen, denn mein Bruder brachte mich auf die Idee, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren." Das leistet sie seit September 2020 in der Tagesförderstätte der Reha-Westpfalz im Ökumenischen Gemeinschaftswerk ab. "Ich hatte schon früher mal mit beeinträchtigen Kindern zu tun, jetzt hat es mich interessiert, mich um Erwachsene zu kümmern.  Zu ihren Aufgaben zählen leichte pflegerische Tätigkeiten. "Aber wir reden auch viel miteinander, gehen spazieren oder unternehmen etwas in der Freizeit." Da die Gruppe, der sie zugeteilt ist, nur fünf Personen zählt, lernt sie alle gut kennen.

"Normalerweise sind unsere Gruppen doppelt so groß, doch aufgrund der Corona-Pandemie haben wir sie entzerrt und geteilt. Jeder Besucher unserer Tagesförderstätte ist auf eine Begleitung angewiesen, das wäre ohne die FSJler oder BFDler nicht möglich. Deshalb sind wir für jeden dankbar", berichtet Susanne Weber, stellvertretende Leiterin der Einrichtung.

Doch auch die Freiwilligen profitieren von ihrem Einsatz. "Man bekommt viel von den Menschen zurück, und wenn es nur ein leises Danke oder ein Lächeln ist", meint Jonas Rödel. Er hatte hier 2016 das Freiwillige Soziale Jahr absolviert. "Danach habe ich mich für eine Ausbildung zum Industriemechaniker entschieden. Aber das war nicht das Richtige. Ich will doch lieber mit Menschen zu tun haben." Das FSJ hatte seine Spuren hinterlassen. Den 24-Jährigen zog es zurück zur Reha. "Ich habe umgesattelt und werde nun Heilerziehungspfleger."

Diesen Berufsweg hat auch Karoline Farias de Sales eingeschlagen. Impulsgeber war der Bundesfreiwilligendienst in der Tagesförderstätte. Ihn wollte die 29-Jährige aus zwei Gründen antreten. "Zum einen war ich daran interessiert, mit beeinträchtigten Menschen zu arbeiten, zum anderen war es eine Chance noch länger in Deutschland zu bleiben." Doch zuerst galt es, eine Hürde zu überwinden. "Ich musste noch mal zurück nach Brasilien und ein Visum für den Freiwilligendienst beantragen."

"Das brauchen Personen, die nicht aus der EU kommen", erklärt Susanne Weber. Allerdings sei eine klare Bedingung daran geknüpft.  Außer dem Geld für den Freiwilligendienst sind keine weiteren Einkünfte erlaubt. Mit 500 Euro einen eigenen Haushalt zu finanzieren, sei jedoch nahezu unmöglich. Mich haben die Eltern meines Freundes unterstützt, das war viel wert", sagt Karoline Farias de Sales. "Denn durch die 13 Monate BFD habe ich erkannt, dass ich weiterhin mit beeinträchtigten Menschen zu tun haben möchte und lasse mich nun zur Heilerziehungspflegerin ausbilden."

Das hat sie mit Kaja Rittmann, 20, gemeinsam. Sie hat ihren Plan, Orthopädietechnikerin zu werden, nach ihrem BFD in der Tagesförderstätte an den Nagel gehängt.  "Ich möchte Menschen mit Beeinträchtigung und ihr Verhalten verstehen. Das und noch viel mehr kann ich als Heilerziehungspflegerin lernen."  Und wie hat ihr Umfeld darauf reagiert? "Manche sagen, dass sie selbst nicht dafür gemacht wären und haben Respekt vor meiner Entscheidung. Andere haben selbst einen medizinischen oder pflegerischen Beruf  und erkundigen sich, wie es in meinem Bereich läuft."

"Es kehren öfter junge Leute zurück, um bei uns eine Ausbildung im pädagogisch-pflegerischen Bereich zu machen", weiß Susanne Weber. "In der Regel haben wir 25 bis 30 Freiwillige, die über die Abteilungen der Reha verteilt arbeiten. Teils kommen sie aus anderen Nationen. Das ist für unsere Besucher und Bewohner sehr spannend. Sie erfahren dabei viel über andere Länder und Kulturen und werden schon mal mit Kostproben landestypischer Spezialitäten verwöhnt."

Eines bedauern die Freiwilligen allerdings. "So schön die Lage der Reha im Grünen auch ist, man kann mit den Menschen nicht mal schnell in die Stadt gehen, um zum Beispiel  ein Eis zu essen", merkt Kaja Rittmann an und ergänzt: "Denn es ist interessant zu sehen, wie sie sich dort verhalten und wie die Leute auf sie reagieren."

"Man fällt auf und erntet neugierige Blicke", weiß Jonas Rödel von gemeinsamen Ausflügen. "Für viele ist es ungewohnt, beeinträchtigten Menschen zu begegnen. Dabei sollte es selbstverständlich sein. Aber es gibt auch hilfsbereite Menschen."

Der Freiwilligendienst hat bei allen den Blick auf Menschen mit Behinderung verändert. "Ich sehe jetzt vieles anders, habe viel gelernt und bin daran gewachsen. Ich kann jedem nur empfehlen, diese Erfahrung zu machen", plädiert Lena Regin für den Freiwilligendienst.

Text und Foto: Friederike Jung für den Caritasverband für die Diözese Speyer

 

Copyright: © caritas  2021