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Stand: 02.02.2015

Pressemitteilung

Austausch auf Augenhöhe

Psychoseseminar

Psychose-Seminare sind Orte der Begegnung. Die gibt es auch in Ludwigshafen, und das schon seit dem Jahr 1994. Jetzt ist die Reihe der Psychose-Seminare wieder gestartet; künftig finden sie bis Oktober einmal im Monat donnerstags von 18 bis 20 Uhr im Max-Hochrein-Haus statt.

Das Ludwigshafener Psychose-Seminar ist eine Gemeinschaftsveranstaltung des Caritas-Förderzentrums St. Johannes und St. Michael mit Max-Hochrein-Haus und dem SKFM Betreuungsverein gemeinsam mit der Koordinierungsstelle für Psychiatrie der Stadt. "Der Name ist erklärungsbedürftig", räumt Michael Röser ein, der Leiter von St. Johannes. "Statt Psychose müsste es genauer ;Menschen mit psychischen Erkrankungen‘ heißen, etwa Schizophrenie, Depressionen, Zwangs- oder Angsterkrankungen", erläutert Röser.. "Seminar heißt es, weil hier Menschen voneinander lernen."

Genauer gesagt: Drei Gruppen von Menschen lernen hier voneinander, weshalb man auch von "trialogischen Gesprächs- und Lernforen" spricht. In der Veranstaltung begegnen sich Menschen mit eigenen Psychose-Erfahrungen, Angehörige sowie Fachkräfte aus der Psychiatrie oder aus anderen sozialen Berufen.

"Austausch auf Augenhöhe ist ein weiterer wichtiger Bestandteil des Psychose-Seminars. Denn hier treffen die verschiedenen Sichtweisen aufeinander", sagt Röser, "die Teilnehmenden erzählen von dem, was sie gerade beschäftigt." Bei Betroffenen könne das die Aussage sein: "Wo komme ich gerade an meine Grenzen, weil ich bin, wie ich bin? Wie gehe ich mit fehlender Toleranz um, die mir entgegenschlägt?" Eine Ehemann, der erstmals kommt, könne sagen: "Ich glaube, meine Frau ist depressiv. Wie merke ich das, und was kann ich tun?" Und ein Mitarbeiter einer Beratungsstelle sei vielleicht ratlos, weil er ein Verhalten eines Klienten nicht zu deuten weiß.

"Jeder Besucher hat eine andere Motivation zu kommen", weiß Stefan Moser vom SKFM, der das Seminar viele Jahre mit gestaltet hat. Wobei dem "Fachmann" des Abends nur eine Moderatorenrolle zukomme: "Vielleicht gebe ich einen Einstiegsimpuls, aber genauso wenig wie die anderen Teilnehmenden bewerte ich Aussagen und Erfahrungen nicht. Bei manchen", so Moser weiter, "steigert die Teilnahme das Selbstwertgefühl, weil sie frei erzählen können, bei anderen wirkt sie entlastend, weil sie spüren, dass sie mit ihren Sorgen nicht alleine sind."

"Das Psychose-Seminar lebt von Menschen, die oft ganz zufällig kommen", bestätigt Röser. "Da gab es schon sehr spannende Abende mit ganz konträren Sichtweisen, und vielen ist es wichtig, anonym zu bleiben."

Anmeldungen sind nicht erforderlich, "wer kommt, ist da." Meist seien es zwischen zehn und 15 Teilnehmende. Für Andrea Hilbert, Psychiatriekoordinatorin der Stadt, ist das ein weiterer Pluspunkt der Veranstaltung: "Sie ist niedrigschwellig, vertraulich, für manche auch der Einstieg in das Thema, das ihnen noch fremd ist und Angst macht. Und es bietet die Möglichkeit, unverbindlich Tipps zu bekommen." Manche, wissen die Verantwortlichen, sind Stammgäste, kommen immer wieder, auch ohne etwas zu sagen, weil das Psychose-Seminar für sie ein fester Anker im Alltag geworden sei.

Gegründet wurde das erste Psychose-Seminar 1989 in Hamburg durch Dorothea Buck, die ihren ersten psychotischen Schub während der NS-Zeit bekam und zeitlebens unter der darauf folgenden Zwangsbehandlung litt. Ihr Anliegen war es, mit Erkrankten - nicht über Erkrankte zu sprechen. Deshalb wünscht sich Michael Röser auch, dass vor allem aus der Gruppe der professionell Tätigen mehr kämen. "Dann würde es noch mehr zum Trialog werden, und die Professionellen würden mehr Verständnis für ihr Gegenüber entwickeln können."

Zum Download: Den Flyer mit den Terminen für das Ludwigshafener Psychose-Seminar finden Sie hier.

 Text und Foto: Caritasverband für die Diözese Speyer /Brigitte Deiters

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