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Stand: 30.07.2019

Pressemitteilung

Bedarfsermittlung auf einheitlicher Basis

Gesprächsrunde in der PraxisschulungSusanne Kühner / Caritasverband Speyer

Mit der Abkürzung ICF sind seit geraumer Zeit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den einzelnen Einrichtungen des Caritasverbandes für die Diözese Speyer konfrontiert. Die drei Buchstaben stehen für International Classification of Functioning, Disability and Health und der einheitlichen Klassifikation der Bedarfsermittlung in der täglichen Arbeit mit Menschen mit Behinderung. In der vergangenen Woche wurden einige Frauen und Männer bei einer Praxisschulung in der Zentrale des Caritasverbandes in Speyer näher in das Thema eingeführt. Im Gespräch informierten Hildegard Jung, Ansprechpartnerin im Sinne des Kundenmanagements, und Rolf Müllender, Referent des Tages, über Hintergründe und Ziele.

Hintergründe und Ziele erläuterten Caritas-Mitarbeiterin Hildegard Jung und Referent Rolf Müllender.Hintergründe und Ziele erläuterten Caritas-Mitarbeiterin Hildegard Jung und Referent Rolf Müllender.Susanne Kühner / Caritasverband Speyer

Frau Jung, worum geht es generell beim Thema ICF?

Hildegard Jung: "Im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes ist die ICF als Beschreibungsrahmen verankert, der aufzeigen soll, wie zukünftig Bedarfe von Menschen ermittelt werden sollen. Diese internationale Klassifikation gibt es schon sehr lange, seit 2001, und das weltweit. Das heißt: Wir erhalten eine gewisse Vergleichbarkeit."

Was sind denn die inhaltlichen Schwerpunkte?

Rolf Müllender: "Die ICF ist quasi die Fortentwicklung der so genannten ICD. Diese befasst sich in erster Linie mit medizinischen Gesichtspunkten, während die ICF sich der psycho-sozialen Komponente widmet."

Weshalb ist diese Fortschreibung wichtig?

Rolf Müllender: "Die Bezeichnung von Erkrankungen bedeutet nicht weltweit das Gleiche. Daher wurde nun ein Kategoriensystem erarbeitet, das unter fünf Gesichtspunkten ausführlicher in die Materie einsteigt und den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt rückt."

Weshalb ist eine Praxisschulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter notwendig?

Hildegard Jung: "Letztendlich ist es unser Anliegen, nicht nur zu wissen, was wo verankert ist, sondern den Beschreibungsrahmen auch praktisch zu nutzen. Genau dazu soll die Schulung dienen."

Rolf Müllender: "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen ein Gefühl dafür entwickeln, die Bedingungen der Personen, die sie betreuen, besser zu verstehen. Das ist im Endeffekt eine Professionalisierung."

Hildegard Jung: "Und es hat ganz viel damit zu tun, die eigene Haltung zu verändern, aus Kundensicht die Bedarfe und Problematiken in den Blick zu nehmen."

Rolf Müllender: "Aber es soll auch eine Einladung zum Diskurs sein - zwischen den Kunden, uns und den Kostenträgern."

Worauf kommt es bei der Umsetzung der Theorie in der Praxis an?

Hildegard Jung: "Wir haben den heutigen Tag bewusst Praxisschulung genannt, weil wir den Teilnehmerinnen und Teilnehmern anhand von Fallbeispielen den Einstieg in die ICF erleichtern wollten. Wir haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Förderzentren, die alle auf den gleichen Stand gebracht werden sollen. Das ist der erste Schritt. Im nächsten werden wir einrichtungsbezogen Möglichkeiten entwickeln, wie die ICF im jeweiligen Haus umgesetzt werden kann. Ein fertiges Konzept liegt bei uns dafür noch nicht in der Schublade."

Wie bewerten Sie die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer?

Hildegard Jung: "Wir sind zunächst mit einer großen Veranstaltung im Heinrich-Pesch-Haus in Ludwigshafen eingestiegen. Diese hat bei allen bereits für einen großen Erkenntnisgewinn gesorgt. Jetzt ist zu sehen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den deutlichen Qualitätszuwachs wahrnehmen, der durch die ICF ermöglicht wird."

Rolf Müllender: "Wir erleben eine strukturiertere Betrachtung des Themas."

Hildegard Jung: "Es ist in jedem Fall wesentlich, an der Basis eine Veränderung herbeizuführen, um das Gelingen des Projekts zu fördern. Es bedeutet schließlich eine Organisationsveränderung in allen Einrichtungen im Bereich des Kundenmanagements, das personalisierter vonstattengeht."

Abgesehen von den individuellen Gesprächen innerhalb der Einrichtungen: Was ist der nächste Schritt?

Hildegard Jung: "Wir werden versuchen, bei unserer Software einen Rahmen zu schaffen, in dem die ICF abgebildet werden kann. Darauf wollen wir unsere Arbeitsprozesse dann abstimmen."

Stimmen aus der Runde

Mirja Miller ist Teilnehmerin der PraxisschulungMirja Miller ist Pflegemanagerin im Caritas-Förderzentrum St. Johannes und St. Michael in Ludwigshafen.Susanne Kühner / Caritasverband Speyer

"Für mich war diese Praxisschulung superwertvoll. Da ich sozusagen von der Seite in meine berufliche Position als Pflegemanagerin reingegrätscht bin, helfen mir die praktischen Handreichungen sehr weiter. Es wird nun so sein, dass ich die Sprachform in der täglichen Arbeit umwandeln muss. Mein Job wird es sein, die bisherige Teilhabe mit dem ICF zu unterstützen."
Mirja Miller, Pflegemanagerin,
Caritas-Förderzentrum St. Johannes und St. Michael, Ludwigshafen

 

 

 

 

 

 

 

 

Claudia Cuntz ist Teilnehmerin der PraxisschulungClaudia Cuntz ist Kundenmanagerin im Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und Paulus in Landau.Susanne Kühner / Caritasverband Speyer

"Es war total wertvoll, sich mal intensiv mit dem Instrument der psycho-sozialen Bedarfsermittlung auseinander zu setzen. Durch die Praxisnähe in die fallbezogene Arbeit einzutauchen war sehr gewinnbringend."
Claudia Cuntz, Kundenmanagerin,
Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und Paulus, Landau


 

 

 

 

 

 

 

 

 Text und Fotos: Susanne Kühner für den Caritasverband für die Diözese Speyer


 

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