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Stand: 30.07.2019

Pressemitteilung

„Die Treffen tun den Menschen richtig gut“

Gerhardsbrunn. Murat Gökce, Uwe Winzen und Ludwig Grob mögen Tiere, ganz besonders mögen sie Kühe und ihre Kälbchen. Deshalb besuchen sie regelmäßig den Bauernhof der Familie Guhl in Gerhardsbrunn. Immer mit dabei ist Sozialpädagogin Anika Heinz vom Caritas-Förderzentrum Paul Josef Nardini. Auf dem idyllischen Landhof leben Kühe, Pferde, Hühner und Schweine. 

Bewohner einer Gruppe für Menschen mit Behinderung besuchen einen BauernhofAnika Heinz mit Ludwig Grob bei den Kälbern, im Hintergrund sind Murat Gökce und Uwe Winzen

Der Besuch, sagt Anika Heinz, ist Teil eines Projektes zur Sozialraumorientierung. Gefördert wird das Projekt von der bundesweiten "Aktion Mensch". "Ziel ist, das Menschen mit Behinderung in ihrer Gemeinde, dort wo sie leben, ihren Interessen nachgehen und Hobbys entwickeln können. So werden sie wieder ein Stück mehr in die Gesellschaft inkludiert." In der Wohnstätte hätten die Bewohner einen recht starren Tagesablauf. "Die Ausflüge sind da eine gute Abwechslung." Seit Oktober 2019 begleitet Heinz das Projekt neben ihrer regulären ambulanten Arbeit. "Man merkt: Die Treffen tun den Menschen richtig gut", freut sich die Pädagogin. "Vor allem Tiere und deren beruhigende Wirkung sind für die Menschen mit Beeinträchtigungen ein regelrechter Ruhepol." Und die Bewohner freuen sich jedes Mal, wenn es zu einem Ausflug geht. "Das alles ist erst durch die Aktion Mensch möglich geworden. Dadurch habe ich die Zeit bekommen, die Projekte zu planen", erklärt Heinz. 

Murat Goekce im KuhstallMurat Goekce im Kuhstall

Beim Besuch des Bauernhofes geht es zuerst in Richtung des Kuhstalls. Die schwarz-weiß-gefleckten Tiere muhen laut, als die Bewohner des Landstuhler Hauses St. Elisabeth, einer Außenstelle des Caritas-Förderzentrums Paul Josef Nardini Zweibrücken, zusammen mit Bauernhof-Chef Karl-Heinz Guhl den Stall betreten. Dort steht auch Guhls Melkroboter. Besucher Murat Gökce ist davon ganz besonders begeistert: "Davon muss ich erst Mal ein Foto machen", sagt er aufgeregt und zückt augenblicklich seinen Fotoapparat, die richtigen Erinnerungsfotos an den Besuch dürfen natürlich nicht fehlen. Nur wenige Meter vom Kuhstall entfernt sind die jungen Kälber untergebracht. Laut Guhl sind die Tiere erst wenige Tage alt, dementsprechend wackelig stehen sie auf ihren kleinen Hufen. Aber: Die Kälber sind alles andere als schüchtern. Als Gökce, Winzen und Grob zusammen mit Anika Heinz näher an die jungen Kälbchen herantreten, kommen diese zutraulich hergelaufen. "Menschen haben generell einen sehr guten Draht zu den Tieren", sagt Heinz. Und natürlich: Die jungen Kälbchen sehen besonders putzig aus. Die drei Bewohner des Landstuhler Hauses St. Elisabeth sind ganz gerührt.

Murat Gökce, Ludwig Grob, Anika Heinz, Uwe Winzen und Karl-Heinz GuhlMurat Gökce, Ludwig Grob, Anika Heinz, Uwe Winzen und Karl-Heinz Guhl

Karl-Heinz Guhl betreibt den Gerhardsbrunner Hof seit 1995, er übernahm das Geschäft von seinem Vater. Bauernhof und Hofladen sind ein Familienbetrieb. Dass Besucher über den Hof schlendern und sich die Tiere anschauen, ist laut Guhl nichts Ungewöhnliches. Der Landwirt bietet regelmäßig Führungen an, auch für Schulklassen und Kindergartengruppen. "Wir sind auch daran interessiert, den Leuten zu zeigen, was ein Landwirt eigentlich alles macht", schildert Guhl. Bauern hätten oft einen schlechten Ruf in der Gesellschaft, dem will der Gerhardsbrunner Landwirt entgegentreten. Hauptsächlich betreibt der Landwirt Milchviehhaltung. Auf seinen Feldern baut er jedoch auch Futter und verschiedene Getreidesorten an. Den Großteil davon verwendet er selbst, um seine Tiere zu versorgen. Mehr regionale Landwirtschaft geht laut dem Bauern fast nicht. Ebenfalls verkauft Guhl die Eier seiner Hühner sowie Fleisch.

Der Rundgang geht weiter, als nächste Station sind der Hühner- und der Bullenstall an der Reihe. Gökce kann das Weitergehen auf dem Bauernhof kaum abwarten, fragt die ganze Zeit aufgeregt Bauernhof-Chef Guhl, wo die anderen Tiere untergebracht sind. 

Zum Ende des fast zweistündigen Besuches steht noch ein Einkauf im Hofladen an. Gekauft werden Blumen, Dekoration und frische Würstchen, die von den Tieren des Bauernhofs kommen. Die Bewohner sagen, dass die Würstchen gleich am Abend zubereitet werden sollen. Der Laden bietet allerlei Regionales an, ein waschechter Hofladen eben.

Aufgrund der Corona-Pandemie mussten viele Ausflüge teilweise abgesagt oder verschoben werden. Heinz plant, die Aktionen fest in den Alltag der Menschen zu integrieren. "Das bringt auch ein weiteres Stück Lebensqualität mit sich. Für Sommer ist ein erneuter Besuch auf dem Heltersberger Alpakahof geplant", erzählt Anika Heinz. Vor wenigen Wochen besuchte Heinz diesen zusammen mit Katharina Kornhaaß und Verena Scheuermann. Und auch die Ausflüge auf den Bauernhof sollen fest im Terminkalender verankert werden. Weiter plant Heinz einen Gebärdensprachen-Kurs, den sie gemeinsam mit einer ambulanten beeinträchtigten Kundin, welche die Gebärdensprache sehr gut sprechen kann, durchführen wird. Und sie will mit den Bewohnern bei Gottesdiensten mitwirken. "Vielleicht können einige auch mal eine Fürbitte vorlesen, wir haben auch Bewohner, die lesen können", stellt sich die Betreuerin vor. Als Heinz das sagt, ruft Gökce sofort mit freudiger Erwartung: "Das kann ja ich auch machen". Und auch Tagesausflüge stehen auf Heinz Ideenliste. "Es gibt auch einige Bewohner, die gut mit Kindern können. Auch in diese Richtung könnte ich mir etwas vorstellen".  

Text und Foto: Paul H. Kreiner für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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