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Stand: 17.09.2018

Pressemitteilung

„Für viele Flüchtlinge fangen die Probleme jetzt erst an!“

Besuch von Doris BarnettAustausch über Migrationsfragen: (von links) Beate Czodrowski, Doris Barnett (MdB), Stefanie Guttin und Katrin AlligBrigitte Deiters / Caritasverband Speyer

"Der Jugendmigrationsdienst ist - so stellt es sich mir dar - ein ganz wichtiger Baustein in der Integrationspolitik, den wir sicher noch eine ganze Weile brauchen werden. Er hilft dabei, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund hier Fuß fassen können."

Mit dieser positiven Bewertung der Arbeit des Jugendmigrationsdienstes (JMD) im Caritas-Zentrum Ludwigshafen verabschiedete sich Doris Barnett nach einem mehr als einstündigen Informationsaustausch. Die SPD-Bundestagsabgeordnete war anlässlich des bundesweiten Aktionstages der Jugendmigrationsdienste  ins Caritas-Zentrum gekommen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Torbjörn Kartes wird die Einrichtung  im November besuchen.

Leiterin Beate Czodrowski konfrontierte Barnett zu Beginn des Gespräches mit einer Aussage im Koalitionsvertrag vom März 2018. Dort heißt es: "Wir wollen eine teilhabeorientierte Gesellschaftspolitik für alle Menschen - ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Deshalb werden wir die Jugendmigrationsdienste stärken." Damit die Jugendmigrationsdienste ihren Aufgaben weiterhin gerecht werden können, braucht es eine Aufstockung der finanziellen Mittel, so die Forderung, die auch mit Zahlen belegt wird: 2017 haben bundesweit rund 126.000 junge Menschen zwischen 12 und 27 Jahren die Hilfe der Jugendmigrationsdienste in Anspruch genommen. Gegenüber 2016 war dies eine Steigerung um 12 Prozent, gegenüber 2013 sogar um 100 Prozent. Rechtzeitig vor den Haushaltsberatungen wollte der Aktionstag die Bundestagsabgeordneten für diese Schieflage sensibilisieren.

Im Ludwigshafener Zentrum gibt es mit Stefanie Gutting und Katrin Allig zwei Beraterinnen mit insgesamt 1,5 Stellen. Sie arbeiten in der Ludwigstraße, in einer Außenstelle in Mundenheim und auch im Caritas-Zentrum Speyer, da sie für die Stadt Ludwigshafen und Speyer sowie den Rhein-Pfalz-Kreis zuständig sind. Die Zahl der begleiteten Menschen betrug im vergangenen Jahr 616, die meisten (557) waren zwischen 19 und 27 Jahre alt, gefolgt von 41 Klienten im Alter von 15 bis 18 Jahren.

Doris Barnett zeigte sich im Gespräch ausgesprochen interessiert und berichtete auch von eigenen Erfahrungen im Hinblick auf Migration und Integration. So erklärte Stefanie Gutting, dass ihre Klienten sowohl in Deutschland geborene Jugendliche sind als auch Zugewanderte aus EU-Ländern sowie Geflüchtete. Auch wenn die Zahl der neu angekommenen Flüchtlinge stark zurückgegangen sind, sinken die Zahlen der Hilfesuchenden im Jugendmigrationsdienst nicht, im Gegenteil: "Für die, die seit einem oder zwei Jahren hier sind, fangen die Probleme jetzt erst an!", betonen Gutting und Allig.

Häufige Fragen sind die nach Anerkennung von Schulabschluss und Ausbildung aber auch die Möglichkeiten von Sprachkursen und Nachholen von Schulbildung. Einig waren sich die Gesprächspartner an diesem Tag, wie wichtig und notwendig es auch ist, den Migranten zu vermitteln, "wie die Gesellschaft tickt", in der sie Fuß fassen möchten. "Das beginnt schon bei der Terminvereinbarung", weiß Gutting, und endet damit, Perspektiven zu erarbeiten und nicht von einem Tag zum anderen zu leben. "Dafür brauchen die Migranten Motivation und Durchhaltevermögen", weiß Katrin Allig.

Doris Barnett konnte an einem solchen Tag keine Versprechen machen, zumal sie auch die Grundsatzfrage in den Raum stellte: "Wofür geben wir Steuermittel aus?" Sie plädierte für ein Einwanderungsgesetz, das fair sei für alle und auch Verlässlichkeit gebe. Im Hinblick auf Ausbildung setzt sie darauf, dass die jungen Menschen - gerade wenn sie kein Bleiberecht haben - mit den hier gewonnenen Fähigkeiten in ihrer Heimat eine Perspektive haben und dort beim Aufbau des Landes helfen können. "Ethisch und moralisch verstehe ich jeden, der zu uns kommt", betont sie. Aber die Rückkehr der jungen Menschen helfe ja auch ihrem Heimatland.

Am Ende des Gespräches war Leiterin Beate Czodrowski sehr zufrieden: "Frau Barnett war sehr interessiert und hat auch durchaus kritische Fragen gestellt. Das Thema ist ihr bekannt und jetzt vielleicht noch präsenter."

Text und Bild: Brigitte Deiters für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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