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Stand: 17.09.2018

Pressemitteilung

Künftigen Arbeitsplatz in den Blick genommen

Gruppenleiterin Christine Kern (rechts) steht mt zwei Besuchern vor einer Stellwand mit Infos und gibt dazu eine Erklärung.

Rund 50 Interessierte nutzten den Bewerbertag im Wohnheim für Erwachsene mit Mehrfachbehinderung des Caritas-Förderzentrums St. Laurentius und Paulus in Landau-Queichheim am ersten August-Samstag. Sie informierten sich über Arbeitsmöglichkeiten und beruflichen Perspektiven in der Einrichtung. Rund 20 Bewerbungsmappen von Fachkräften, die sich für eine Mitarbeit hier gern gewinnen lassen würden, wurden bei Wohnheimleiterin Martina Werth bis zum Abend des Tages abgegeben. "Und es werden sicher noch einige weitere kommen. Das ist viel mehr, als wir zu hoffen gewagt hatten - der Tag war ein richtiger Erfolg", zieht sie eine positive Bilanz des mittlerweile zweiten Bewerbertags im Förderzentrum.

Trotz brütender Hitze nahmen zahlreiche Besucher die Gelegenheit wahr, sich über die Einrichtung und die Arbeitsbedingungen zu informieren. Während dieses Bewerbertags konnten die Besucher im Haus "Don Bosco" das Wohnumfeld der dort lebenden Menschen mit Behinderung kennenlernen und mit Mitarbeitenden über deren Aufgaben sprechen. 

Besucherin Elisabeth Durak (rechts) steht in einem Zimmer in der Wohngruppe und schaut sich um. Mit ihr sind noch eine weitere Besucherin und eine Mitarbeiterin im Raum.

Viele, die der Einladung gefolgt waren - vor allem war sie an Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege-, Heilerziehungspflege- sowie Erziehungsfachkräfte gerichtet gewesen -, waren schon mit der Vorstellung gekommen, sich in der Einrichtung beruflich neu zu orientieren, wie sie im Gespräch erklärten. Elisabeth Durak aus Annweiler beispielsweise würde sehr gerne hier arbeiten: Die ausgebildete Pflegekraft aus Polen war bisher für die Pflege einer an Parkinson erkrankten Frau verantwortlich, die unlängst verstorben ist. "Hier zu arbeiten würde mir viel Spaß machen", bekennt sie. Auch Maren Pfuhl, Altenpflegehelferin aus Landau, hatte sich mit der konkreten Absicht, sich zu bewerben, auf den Weg nach Queichheim gemacht.

Drei Krankenschwestern, die seit drei Jahrzehnten in einer Klinik in der Region arbeiten und über einen beruflichen Wechsel nachdenken, waren ebenfalls gekommen, um sich zu informieren. Mit den Betreuerinnen der Wohngruppen führten sie ausführliche Gespräche und besichtigten mit großem Interesse die mit vielen arbeitserleichternden Hilfsmitteln ausgestatteten Wohnbereiche und die individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Bewohner zugeschnittenen Zimmer. Die Arbeit mit behinderten Menschen sei ihnen vom Klinikalltag nicht fremd. "Von ihnen bekommt man ganz viel zurück", sagen sie. Zudem sprechen sie auch die große Wertschätzung an, die den im Caritas-Förderzentrum Beschäftigten entgegengebracht werde, und die menschliche Wärme, die die Arbeitsatmosphäre auszeichne. Das sei etwas, das sie bei ihrer Arbeit im Krankenhaus vermissten, wo sie sich, wie sie einräumen, "ständig wachsendem Druck ausgesetzt" sehen. Das Schichtsystem im Wohnheim, in der auch Wochenendeinsätze erforderlich sind, mache ihnen sicher keine Probleme: "Das kennen wir seit 30 Jahren".

Je acht bis zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in Voll- und Teilzeit für die Betreuung der jeweils zwölfköpfigen Wohngruppen in insgesamt sechs Häusern zuständig, erläutert die Wohnheimleiterin. Der Dienstplan orientiert sich an einem Rahmenplan, in dem freie Tage festgelegt sind, unvorhergesehene Termine aber flexibel eingearbeitet werden können. Die Arbeitsplätze sind überwiegend unbefristet und bieten den Beschäftigten viele Freiräume. "Jeder kann hier seine eigenen Fähigkeiten einbringen", erläutert Martina Werth, "inhaltlich haben unsere Mitarbeitenden sehr viele Freiräume. Es bleibt ihnen überlassen, ob sie mit den Bewohnern basteln, kochen oder spazieren gehen. Wir finden es sehr schön, wenn hier viele Kompetenzen vereint sind". Und sie bekräftigt, dass weitere Bewerbungen - sehr gern von Pflegefachkräften - durchaus willkommen sind.

Bei einer Führung stellte Gruppenleiterin Christine Kern die Räume von Bewohnern vor. Im Zimmer von Patrick hängt die Fahne von Bayern München, im Nachbarzimmer wohnt erkennbar ein FCK-Fan. "Die Zimmer gestalten wir gemeinsam mit den Bewohnern", sagte sie. Und die wiederum zeigten den Besuchern gern ihr Wohnumfeld. So wie Birgit, die nicht sprechen, sich aber per "Talker" - einer elektronischen Kommunikationshilfe - mitteilen kann.

"Das ist hier eine sehr wertvolle Arbeit mit bereichernden Begegnungen mit besonderen Menschen. Die gegenseitige Wertschätzung wird hier großgeschrieben", sagt Christine Kern. Die gelernte Krankenschwester, die seit fünf Jahren hier beschäftigt ist, möchte nirgendwo anders mehr arbeiten. "Beim Umgang mit den Menschen hier geht einem das Herz auf. Für mich ist das meine zweite Familie".

Ganz offensichtlich sei der "Bewerbertag" eine "gute Idee", das ist das Urteil von Wohnheimleiterin Martina Werth, die sich gut vorstellen kann, die Veranstaltung in losen Abständen zu wiederholen. Schon die erste Veranstaltung dieser Art 2016 war ein Überraschungserfolg mit bestem Besuch, nach dem ein rundes Dutzend neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt wurden, die seinerzeit dringend gebraucht wurden.

Ein sich aktuell wieder abzeichnender Fachkräftebedarf war der Grund für die zweite Auflage des Bewerbertages, und auch der dürfte effektiv die gewünschte Verstärkung fördern. Dabei geht es nicht allein um Arbeitsplätze im Wohnheim für Erwachsene mit Mehrfachbehinderung. Der Blick gehe über den Tellerrand hinaus, bekundet Martina Werth: "Auch andere Bereiche des Caritas-Förderzentrums suchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und wenn etwa jemandem, der gern hier arbeiten würde, etwa die Dienstzeiten im Wohnheim gar nicht passen, dann vermitteln wir auch gern in Bereiche mit besseren Zeiten."

 Text und Bilder: Waltraud Itschner/Henning Wiechers für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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