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Stand: 17.09.2018

Pressemitteilung

Muntere Forscher im Dschungel unterwegs

Ein Kind krabbelt durch einen breiten Reifen, der eine Dschungelhöhle darstellen soll. Im Hintergrund bilden Matten ein Hindernis - wie ein kleiner Berg. Fördert die Freude am Spiel und der Bewegung: Während der Projektwoche wurde die Kita in eine Dschungellandschaft verwandelt. Wipress / DiCV Speyer

Das Thema der Projektwoche lautete "Dschungelkinder erforschen den Urwald" , die jetzt Mitte März in der Einrichtung stattfand. Kinder und Eltern zeigten sich begeistert von dem Projekt. Am freundlichen Bären Balou vorbei führt der Weg in die Räume des Kindergartens. Und direkt in den tropischen Urwald. Überall hängen Lianen von der Decke, ein Gorilla beobachtet, wie die Kinder einen Hügel erklettern, sich in einer Höhle verkriechen oder über eine Hängebrücke balancieren. "Du musst aufpassen, da unten ist ein Sumpf", ermahnt Felix seinen Freund. Der schafft es locker auf die andere Seite und landet im weichen Moos. Unter der Brücke im Urwaldgestrüpp kümmert sich Leonie um eine ganze Familie von Urwaldtieren. 

Auch wenn die Lianen aus Krepppapier, die Tiere aus Plüsch sind und das Moos aus vielen weichen Bällchen besteht: Die Kinder des Integrativen Kindergartens des Caritas-Förderzentrums St. Laurentius und Paulus fühlen sich in dieser Woche ganz wie im Dschungel. Dass in der gesamten Einrichtung Urwald-Atmosphäre herrscht, ist dem inklusiven Dschungelprojekt von Annette Mayer zu verdanken. Die Kita-Mitarbeiterin, examinierte Krankenschwester und Inklusionspädagogin, freut sich sehr, dass sie für dieses Abschlussprojekt ihrer Ausbildung zur Heilpädagogin das gesamte Team der Kindertagesstätte begeistern konnte: "Ich bin stolz darauf, dass alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihr Programm darauf ausgerichtet haben". 

Ein Kind hält ein Rohr, das dank seiner Füllung Regengeräusche erzeugt. Hinter ihm kniet die Erzieherin. Den Urwald mit allen Sinnen erfahren: Ein Kind hört den Regen prasseln - das Rohr erzeugt dank seiner Füllung die entsprechenden Geräusche. Wipress / DiCV Speyer

Sie alle haben keine Mühe gescheut, die Kollegin bei der Organisation zu begleiten und die gesamte Einrichtung in einen Dschungel zu verwandeln. Mit Unterstützung der zum Team gehörenden Physiotherapeutin und Psychomotorikerin Bärbel Stiepany wurden Kletter- und Geschicklichkeits-angebote zusammengestellt und die Spielhalle mit Seilen, Matten und Geräten aus dem Fundus der benachbarten Förderschule in einen Lianenwald verwandelt. Den nächtlichen Dschungel erleben die Kinder in dem in Schwarzlicht getauchten Matschraum, wo seltsame Wesen von den Wänden leuchten und sie unter tropischen Temperaturen und begleitet von Urwaldgeräuschen mehr fühlen als sehen, etwa wenn sie im Sand nach Schätzen graben. Ruhe und Entspannung finden sie bei den Schaukel- und Lianenangeboten und Rhythmus-Instrumenten im Rhythmikraum. 

"Der Dschungel ist Bewegung pur", sagt Annette Mayer. "Fühlen, schmecken, riechen, hören - alle Sinne sind hier in Bewegung". Darum gehe es in dieser Projektwoche bei allen Spiel- und Bastelangeboten: Kinder mit und ohne Beeinträchtigung sollen sich gemeinsam an Spiel und Bewegung freuen und ihre Fähigkeiten ausprobieren. "Und wir schauen dabei mit anderen Augen auf die Kinder, wir sehen ihre Fortschritte und erfahren, wie sie ihre eigenen Grenzen erleben". Alle Persönlichkeitsbereiche des Kindes stünden während einer Bewegungshandlung miteinander in Wechselwirkung, das Kind erfahre Selbstwirksamkeit, indem es Verantwortung übernehmen und für sich selbst entscheiden könne, Psychomotorik könne bei der Entwicklung eines positiven Selbstkonzepts unterstützend wirken und die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit der Kinder fördern, zählt die Inklusionspädagogin die dem Projekt zugrundeliegenden Elemente der Psychomotorik auf. 

Ein Kind liegt in einer Hängematte, eine Erzieherin bewegt sie sacht. Ausruhen nach der Dschungeltour: In der Hängematte lässt es sich entspannt schaukeln. Wipress / DiCV Speyer

Auch bei den Eltern sei das Projekt auf großes Interesse gestoßen, berichtet Annette Mayer. "Wir sind positiv angetan, dass das alles so gut funktioniert hat", sagt sie. Auch die Spielhalle habe an Attraktivität gewonnen. "Wir können uns vorstellen, dass wir hier dauerhaft eigene Bewegungsangebote etablieren". Dafür sei man jedoch auf Fördermittel angewiesen.

Über das gute Gelingen dieses in der Einrichtung bisher einmaligen Projekts freut sich auch Judith Gerhard, die Leiterin des Integrativen Kindergartens. Hier werden Kinder mit und ohne Behinderung aus der Region Südpfalz im Alter von einem Jahr bis zur Einschulung in sechs kleinen Gruppen ganztags betreut. Der integrative, ganzheitliche Ansatz sei für viele Eltern das Motiv, ihr Kind hier anzumelden. "Bei uns erfahren die Kinder von Anfang an, dass es normal ist, verschieden zu sein", sagt die Leiterin.

Text und Bilder: Waltraud Itschner und Henning Wiechers für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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