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Stand: 30.07.2019

Pressemitteilung

Nachlass ermöglicht Anschaffung

Am neuen Fahrradständer: Mitarbeiterin Galina Wunder (links) und Leiterin Annette Schenk.Am neuen Fahrradständer: Mitarbeiterin Galina Wunder (links) und Leiterin Annette Schenk.Christine Kraus / Caritasverband für die Diözese Speyer

Dieser Hauch von Luxus ist keine Selbstverständlichkeit. Die Radler haben ihn dem vor knapp zwei Jahren im Alter von 86 Jahren verstorbenen Pfarrer Werner Oestreicher zu verdanken. Für die Mitarbeiter sind die Fahrradabstellplätze nicht nur praktisch, sondern auch eine schöne Erinnerung an einen ganz besonderen Menschen, der länger in St. Elisabeth zu Hause war als die meisten Mitarbeiter dort arbeiten.

Werner Oestreicher wurde 1960 zum Priester geweiht und war anschließend Kaplan in Rülzheim und Grünstadt. 1968 übernahm er die Pfarrei Lingenfeld. Nach einem Schlaganfall 1988 ging er in den Ruhestand und bezog eine Wohnung im Caritas-Altenzentrum St. Elisabeth im benachbarten Germersheim. Später, als die gesundheitlichen Probleme größer wurden, wurde der Pfarrer zum Bewohner des Pflegeheims.

Mitarbeiterin Galina Wunder wird ein bisschen wehmütig, wenn sie an Pfarrer Werner Oestreicher denkt. Viele Jahre hat sie ihn als Bewohner in ihrer Wohngruppe betreut. "Er hinterlässt eine große Leere. Wir vermissen ihn immer noch", sagt sie und beginnt zu erzählen von einem feinfühligen Mann, der die Pflegekräfte nie als Personal, sondern als Menschen, fast schon als Familie oder Freunde gesehen hat. Der gemerkt hat, wenn jemand in seinem Umfeld Kummer hatte und dann Trost gespendet oder Ratschläge gegeben hat. "Wenn ein Mitbewohner im Sterben lag, ist er ihm beigestanden", erinnert sich Galina Wunder. Man habe ihn nicht darum bitten müssen, er habe selbst gemerkt, wo er gebraucht wird.

Genauso gut konnte der Geistliche aber fröhlich sein und feiern. "Er hatte aber auch einen ganz tollen, intelligenten Humor", stellt Einrichtungsleiterin Annette Schenk fest. Immer treffend, manchmal durchaus bissig, aber niemals beleidigend.

Und er war Pfarrer mit Leib und Seele, der Seelsorger des Altenzentrums, erzählen Schenk und Wunder. Viele Gottesdienste hat er hier für die Bewohner und Mitarbeiter gefeiert. "Seine Predigten hat er bis zuletzt selbst mit der Hand geschrieben", erinnert sich Galina Wunder. Einmal, als es ihm nach einem Krankenhausaufenthalt sehr schlecht gegangen sei und man mit dem Schlimmsten gerechnet habe, habe er Galina Wunder gebeten, ihn noch einmal in die Kapelle des Hauses zu bringen. "Das war ein ganz schöner Kraftakt", erinnert sich diese. Aber nach diesem Besuch sei er wieder aufgeblüht. "Er hat seine Kraft aus dem Glauben geschöpft und er konnte verzeihen", erklärt Annette Schenk. "Er hat so gelebt, wie Jesus es vorgelebt hat."

Gern denkt Galina Wunder auch an das tägliche Espresso-Ritual nach dem Frühstück. Jeden morgen hat sich Pfarrer Oestreicher mit dem Rollstuhl in die Verwaltung bringen lassen, denn auf den Morgen-Espresso mit den Mitarbeitern wollte er nicht verzichten.

Am 25. Mai 2019 ist Pfarrer Werner Oestreicher gestorben. Als einige Zeit später die Nachricht kam, er habe dem Altenzentrum St. Elisabeth einen hohen Geldbetrag hinterlassen, war die Überraschung groß. "Wir haben lange überlegt, welche Anschaffung in seinem Sinne gewesen sein könnte und uns dann mit den Mitarbeitern gemeinsam für die Fahrradabstellplätze entschieden", erklärt Annette Schenk. Ausschlaggebend war eine weitere Erinnerung an den Geistlichen: "Er hat oben im Büro aus dem Fenster geschaut und gesehen, wie eine Mitarbeiterin ihr Rad im strömenden Regen abschloss. Er sagte: wenn da jetzt ein Dach drüber wäre, wäre der Sattel nicht nass, wenn sie wieder nach Hause fährt", erzählt Galina Wunder. Er sei eben ein sehr aufmerksamer Mensch gewesen. "Ich bin dankbar, ihn gekannt haben zu dürfen", sagt Annette Schenk.

 

Text und Fotos: Christine Kraus für den Caritasverband für die Diözese Speyer

 



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