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Stand: 30.07.2019

Pressemitteilung

Neue Kraft getankt

Frauengruppe im Garten vom MarienheimZurück von der gemeinsamen Reise: (von links) Nadja Czarnecki (pädagogische Leitung der Jugendhilfe) , Heike Breitenborn, zuständig für die Frauengruppe im Marienheim, und Marienheim-Bewohnerin Antje B.Friederike Jung / Caritasverband Speyer

"Es war schön, an einem fremden Ort zu sein, sagt Antje B. "In Peguera haben viele Gruppen Urlaub gemacht, da sind wir gar nicht aufgefallen." Ganz normale Touristinnen zu sein und nicht als die Frauen erkannt zu werden, die wohnungslos und von den Schattenseiten des Lebens gebeutelt, in der Frauengruppe des Marienheim Zuflucht gefunden haben, das sei für alle Balsam gewesen.

"Viele glauben wahrscheinlich, dass es in der Wohnungshilfe keine Auszeiten braucht. Das ist ein Irrtum. Deshalb wollten wir mit der Reise ein Zeichen setzen", erklärt Peter Lehmann, Leiter des Caritas-Förderzentrums St. Christophorus, dem das Marienheim angehört. "Die Frauen sollten die Chance haben, mal auf Reset zu drücken und neue Kraft zu tanken. Denn jede von ihnen hat kein einfaches Schicksal."

Und so sollte es irgendwo hingehen, wo Sonne, Wasser und Wärme etwas Leichtigkeit ins Leben bringen. "Wir haben uns zusammengesetzt und gemeinsam überlegt, was wir uns für die Tage wünschen und was wir brauchen", sagt Heike Breitenborn. Sie ist Heilerziehungspflegerin und zuständig für die Resozialisierungsmaßnahmen der Frauen. "Mit der Liste sind wir ins Reisebüro gegangen und haben in Peguera auf Mallorca das passende Ziel gefunden." Mitten in einer kalten Mainacht ging es in Kaiserslautern los, um den Sechs-Uhr-Flieger in Saarbrücken zu erreichen. Für drei der Frauen bedeutetete es eine Premiere auf der ganzen Linie. "Es war unser erster Urlaub und auch unser erster Flug. Das war eine ganz schön aufregende Sache."

Mit der Landung begann für die Gruppe eine Zeit, von der sie heute noch zehren: blauer Himmel, Sonne satt, ein überschaubar großes Hotel, in dem man sich gut zurechtfindet und das alles hat, was einen Urlaub gelungen macht. "Uns war es wichtig, die Tage nicht mit einem starren Programm durchzutakten", sagt Nadja Czarnecki, pädagogische Leitung der Jugendhilfe im Caritas-Förderzentrum St. Christophorus. Sie hat zusammen mit Heike Breitenborn die Gruppe begleitet. "Es sollte kein Gruppenzwang herrschen, damit jede Zeit für sich hat und abschalten kann, wenn ihr danach ist."

Gemeinsame Unternehmungen kamen dennoch nicht zu kurz. "Wir haben einen Ausflug mit einem Glasboot unternommen und durch den Boden die Unterwasserlandschaft betrachten", erzählt Antje B.  "Außerdem haben wir eine Eisdiele entdeckt, die bekannt für ihre gute Qualität ist und ganz ausgefallene Sorten wie Lakritze und Ziegenkäse-Honig hat." Den süßen Verlockungen konnten die Frauen nicht widerstehen und haben einiges von ihrem Taschengeld darin investiert. "Wir waren Stammgäste und haben in den fünf Tagen insgesamt 43 Bällchen verdrückt", meint Heike Breitenborn mit einem Schmunzeln.

"Auch zum Frühstück und Abendessen waren wir immer komplett, ganz ohne feste Absprachen. Weil es der Gruppe einfach Spaß gemacht hat, zusammen zu sein. Abends sind wir noch mal durch den Ort gebummelt und haben einmal einen Spieleabend am Pool gemacht." Fernab der alltäglichen Umgebung, sei die Atmosphäre lockerer und gelöster gewesen, mit viel Lachen und gegenseitigen Foppereien.

"Die Beziehung zu den Frauen hat sich in den paar Tagen verändert. Vorher war sie höflich, jetzt ist sie herzlich, weil man sich besser kennengelernt hat", hat Nadja Czarnecki erfahren. "Es war schön zu sehen, dass jede der Frauen gut für sich gesorgt hat. Das war ein wichtiger Schritt."

"Ihnen hat es gut getan, einmal Urlaub zu machen, so wie andere auch. Das hat ein Stückchen Normalität in ihr Leben gebracht, das sonst von vielen Problemen geprägt ist und hat sie selbstbewusster werden lassen", sagt Kollegin Breitenborn.

Das habe sich besonders deutlich an einer Frau gezeigt, die zu allen Unternehmungen mitgekommen sei, obwohl sie Probleme mit dem Laufen hat. "Sie war sehr stolz, das geschafft zu haben. Das hat sie motiviert und ihr Selbstwertgefühl gestärkt. Beides kann sie gut brauchen, denn mittlerweile ist sie ausgezogen."

Nach fünf erfüllten Tagen wieder zurück in Kaiserslautern, wurde die Gruppe mit Kaffee und Kuchen von den drei Frauen begrüßt, die nicht an der freiwilligen Reise teilgenommen haben. "Jede hatte einen guten Grund, hier zu bleiben. Eine Frau war gerade erst bei uns angekommen und wollte sich erst einmal eingewöhnen, eine andere stand kurz vor ihrem Auszug."

Insgesamt zwölf Frauen hat das Marienheim seit seiner Eröffnung im Frühjahr 2018 beheimatet. Fünf davon haben es geschafft, mittlerweile auf eigenen Beinen zu stehen. Trotzdem sind die sieben Plätze der Frauengruppe immer belegt. Denn Wohnungslosigkeit trifft zunehmend auch Frauen.

Die  Urlauberinnen zehren noch immer von den unbeschwerten Tagen. "Ich habe es genossen, mal komplett abschalten zu können. Jetzt habe ich schöne Erinnerungen und etwas zu erzählen. Das ist ein gutes Gefühl", resümiert Antje B. und wäre gern noch zwei Tage länger auf Mallorca geblieben. Doch jetzt sind erst einmal andere dran. Denn dass es nicht letzte Reise unter dem Dach seiner Einrichtungen sein wird, steht für Peter Lehmann fest. Allerdings braucht es dazu wieder Spenden, ohne die auch die Mallorca-Tage nicht zustande gekommen wären.

Text und Foto: Friederike Jung für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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