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Stand: 30.07.2019

Pressemitteilung

“Tötungsassistenz ist keine ärztliche Aufgabe“

Fachtag Hospiz- und Palliativverband RLP Vorsitzender Uwe VilzUwe Vilz, der Vorsitzende des Hospiz- und Palliativverbandes Rheinland-Pfalz e.V. begrüßte rund 110 ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende der Hospizarbeit und Palliativversorgung

Der Fachtag des Hospiz- und Palliativverbandes Rheinland-Pfalz e. V. am 24. Mai im Heinrich-Pesch-Haus in Ludwigshafen ist mit einer deutlichen Forderung an die Politik zu Ende gegangen. "Die Hospizarbeit und Palliativversorgung nimmt die Wünsche der Suizidwilligen sehr ernst. Gleichwohl gilt es, Alternativen aufzuzeigen und die Suizidprophylaxe zu stärken!", fasste der Vorstandsvorsitzende Uwe Vilz des Hospiz- und Palliativverbandes e.V. zusammen. 

Rund 110 Teilnehmende aus der ehren- und hauptamtlichen Hospizarbeit und Palliativversorgung waren gekommen, um über die Herausforderungen des Assistierten Suizids zu diskutieren. "Es braucht einen weiteren Ausbau der Angebote für schwerstkranke Menschen, die etwa aus Angst vor belastenden Symptomen oder unerträglichen Schmerzen den Suizid in Erwägung ziehen. Wir wissen aus unserer Arbeit, dass Menschen in der Regel von geäußerten Suizidwünschen Abstand nehmen, wenn sie sich gut begleitet und versorgt wissen."

Auch aus der medizinischen Praxis unterstützte Prof. Dr. Martin Weber, ehemaliger Leiter der Interdisziplinären Abteilung für Palliativmedizin der Universitätsmedizin Mainz, den Appell: "Ein Wunsch nach assistiertem Suizid darf nicht voreilig als freiverantwortliche und durch das Selbstbestimmungsrecht gedeckte Entscheidung akzeptiert und erfüllt werden. Suizidgefährdete Menschen müssen im Rahmen einer flächendeckenden Suizidprävention die Möglichkeit zu einer Beratung haben, die ihre Not wahrnimmt und mitmenschliche Beziehung herstellt."
 
Suizidassistenz oder Suizidprophylaxe? Was spricht dafür, Menschen auf Wunsch Unterstützung zu leisten, wenn sie ihrem Leben ein Ende setzen wollen? Und was bedeutet dies für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft? Ist Suizidprävention zunächst nicht wichtiger als eine gesetzliche Regelung des assistierten Suizids? Solche und ähnliche Fragen diskutierten die ehren- und hauptamtlich Mitarbeitende der Hospizarbeit und Palliativversorgung. 

Einblick in die aktuelle juristische Situation gab Prof. Dr. Tanja Henking, Professorin für Medizinrecht und Strafrecht an die Hochschule Würzburg. Sie sensibilisierte für das Spannungsverhältnis zwischen Selbstbestimmung am Lebensende, Schutz der Autonomie und des Lebens bei gleichzeitiger Enthaltung einer moralischen Bewertung von Suizidmotiven.

Daran schloss sich der Impulsvortrag von Prof. Dr. Martin Weber an. Er sprach sich ausdrücklich für die ärztliche Mitwirkung bei der Suizidprävention aus; dagegen sei die Tötungsassistenz keine ärztliche Aufgabe. Er wies auf die Vulnerabilität schwerstkranker oder hochbetagter Menschen hin, die selbst am Wert ihres Lebens zweifeln und umso mehr ein Gegenüber benötigen, das sie darin unterstützt, das Gefühl der eigenen Würde trotz aller Hinfälligkeit und Angewiesenheit auf andere zu bewahren.
Dr. Julia Inthorn, Direktorin des Zentrums für Gesundheitsethik in Hannover, nahm in ihrem Vortrag die ethischen Aspekte im Zusammenhang zum Assistierten Suizid in den Fokus. Darin ging sie besonders auf das mögliche Spannungsverhältnis von berufsethischen Positionen und individuell moralischen Haltungen ein. Das berufliche Selbstverständnis, jeden Menschen ohne Bewertung begleiten zu wollen, kann dabei in Konflikt mit der eigenen moralischen Position, den assistierten Suizid grundsätzlich abzulehnen, geraten. Dabei zeigte sie auf, welche Bedeutung unterschiedliche Vorstellungen von Selbstbestimmung für Entscheidungen und ethische Abwägungen beim assistierten Suizid haben.
 
Impulse für die Praktische Arbeit:
In fünf Workshops wurden die Inhalte der Impulsvorträge in die praktische Arbeit der Hospizarbeit und Palliativversorgung überführt. So ging es darum, Hilfestellung zu erfahren, wie eine achtsame, hilfreiche Kommunikation mit Menschen gelingen kann, die einen ernsthaften, nachhaltigen Sterbewunsch äußern. Weitere Themen waren Ethische Fallberatungen in der Praxis und Selbstfürsorge im Um-gang mit Menschen mit Sterbewunsch, die Definition einer solidarischen Gesellschaft sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dem Suizidwunsch bei Menschen mit psychischen Erkrankungen. 
 
Informationen zum Hospiz- und Palliativverband Rheinland-Pfalz

Der 1995 gegründete gemeinnützige Hospiz- und Palliativverband Rheinland-Pfalz e.V. ist die Interessenvertretung von Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Rheinland-Pfalz. Ihm gehören derzeit sämtliche ambulanten Hospiz- und Palliativdienste für Erwachsene wie auch Kinder und Jugendliche, alle stationären Hospize sowie Teams der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) in Rheinland-Pfalz an. Der Verband ist Mitglied im Deutschen Hospiz- und Palliativverband e.V. (DHPV) und setzt sich im Sinne der Charta für die Verbesserung der Situation schwerstkranker und sterbender Menschen, ihrer Familien und der ihnen Nahestehenden ein.

Sein Engagement gilt dem Menschen, der schwer krank ist und mit dem Abschied vom Leben umgehen muss. Ihn und seine Angehörigen in der letzten Lebensphase zu unterstützen, ist die Aufgabe von ambulanten und stationären Hospiz- und Palliativeinrichtungen.
 
Ansprechpartnerin für nähere Auskünfte: 
Hospiz- und Palliativverband Rheinland-Pfalz e.V.
Mirjam Götten
Bahnstraße 32
55128 Mainz 
Tel:      06131 - 25 39 491
E-Mail: info@hpv-rlp.deexttexttext 


Text und Foto: Hospiz- und Palliativverband Rheinland-Pfalz e.V.

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