Caritasverband für die Diözese Speyer
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15. Mai 2026

„Freiheit beginnt da, wo die Sucht aufhört“

Alex Cunow seit 37 Jahren trockener Alkoholiker - Hilft Anderen beim Kreuzbund
 

Einige Menschen kommen in Lebenskrisen an einen Punkt, an dem sie nicht mehr weiterwissen und ein ungesundes Ventil für Stress und Angst finden. Ein Ventil, das neue Probleme schafft und Scham mit sich bringt. Statt Herausforderungen anzugehen, zieht eine Sucht diese Personen immer tiefer in eine Abwärtsspirale.
 

Alex Cunow war jahrelang einer dieser Menschen. Mit einer Selbsthilfe-Gruppe und Therapie konnte er seine Abhängigkeit überwinden. Doch nicht nur das: Als Vorsitzender der katholischen Sucht- und Selbsthilfeorganisation Kreuzbund hat Cunow es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit einem ähnlichen Schicksal zu unterstützen. 
 

Für dieses Engagement bekam er in diesem Jahr die Verdienstmedaille vom Land Rheinland-Pfalz verliehen. Für den Hagenbacher ist dieses Engagement selbstverständlich. „Ich bin froh, wenn ich nur einen Teil zurückgeben kann von dem, was der Kreuzbund mir gegeben hat“, verrät er. 
 

Problemlöser Alkohol?
 

Bei Cunow waren es die Jahre als junger Erwachsener in denen er vermehrt zum Alkohol griff. Er war das erste Mal verheiratet, hatte bereits einen kleinen Sohn und arbeitete als Schreiner in Schichtarbeit. In der Ehe gab es Probleme. „Es war das Einfachste, Alkohol zu trinken um das zu vergessen“, erinnert sich Cunow heute zurück. Der Ursprung dafür, dass es für ihn problematisch war, auf anderem Wege mit negativen Gefühlen umzugehen, lag bereits in seiner Kindheit. Cunow war fünf Jahre alt als sein Vater starb. Ein Vorbild, Probleme anzusprechen und Gefühle zu verarbeiten, fehlte ihm. 


Seine erste Ehefrau lernte er bereits zu Schulzeiten kennen. Cunow suchte in seiner eigenen kleinen Familie den Halt, den er aus seiner eigenen Kindheit nicht kannte. Sein Sohn aus erster Ehe ist heute 46 Jahre alt. Er ahnte als Kind nicht, dass sein Vater jahrelang gegen eine Sucht kämpfte.
 

„Es wird einfacher, wenn man darüber redet“
 

1989, im Alter von 30 Jahren, fasste Cunow den Entschluss, mit dem Trinken aufzuhören. Er zog von zu Hause aus. Noch im selben Jahr trat er in den Kreuzbund ein. „Am Anfang fühlte sich der Gedanke, nicht mehr trinken zu können, sehr erdrückend an“, berichtete Cunow. Doch in der Gruppe fand er den Halt, den es braucht, um vom Trinken loszukommen. „Es wird einfacher, wenn man darüber redet, es wird leichter sich zu öffnen“, erzählt der heute 67-Jährige weiter. Durch die Treffen wird den Mitgliedern bewusst, mit wie vielen anderen Menschen sie ihr Problem teilen. 
 

Außerdem begab sich Cunow in Therapie und besuchte eine Suchtklinik. Seit 37 Jahren ist Cunow nun trockener Alkoholiker. Nachdem er die Alkoholsucht hinter sich gelassen hatte, wechselte er seinen kompletten Freundeskreis. Heute ist Cunow ein zweites Mal verheiratet und hat einen weiteren Sohn. Als Mitglied des Vereins leitet Cunow nun selbst verschiedene Selbsthilfe-Gruppen. Er möchte Anderen weitergeben, dass ein glückliches Leben ohne Alkohol möglich ist. „Freiheit beginnt da, wo die Sucht aufhört“, so der Hagenbacher. 


Text und Foto: Jennifer Reutter für den Caritasverband für die Diözese Speyer