Caritasverband für die Diözese Speyer
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26. März 2026

„Ich gehe dankbar. Meine Scheune ist gut gefüllt.“

Nach 40 Jahren im Dienst der Nächstenliebe: Andreas Heinz geht in den Ruhestand
 

Nach vier Jahrzehnten engagierter Arbeit für die Caritas verabschiedet sich Andreas Heinz in den Ruhestand. Mehr als 14 Jahre lang prägte er als Leiter das Caritas-Zentrum Saarpfalz und hinterlässt eine Einrichtung, die sich durch fachliche Qualität, gesellschaftspolitisches Engagement und ein starkes Miteinander auszeichnet. Wie Barbara Aßmann, die Direktorin des Caritasverbandes für die Diözese Speyer betont: „Herr Heinz hat Meilensteine gesetzt – nicht nur mit Projekten, sondern auch als Vorgesetzter und Vorbild. Seine Berufsbiographie ist gefüllt mit Begegnungen, belastbaren Netzwerken und begleiteten Menschen.“
 

Seine berufliche Laufbahn begann 1985 in Ludwigshafen in einer Übernachtungs- und Resozialisierungseinrichtung, dem heutigen Caritas-Förderzentrum St. Martin. Damals war Heinz 26 Jahre alt. Die ersten sechs Jahre seiner Tätigkeit hätten ihn und sein Menschenbild nachhaltig geprägt. „Wir haben damals enge Bindungen zu unseren Bewohnern aufgebaut. Es hat gedauert, ihr Vertrauen zu gewinnen, denn sie hatten oft Schlimmes erlebt. Eigentlich kann man erst richtig gut mit Menschen arbeiten, wenn man sie ernst nimmt und sie irgendwann bereit sind, einem ihr Schicksal zuzumuten.“
 

1991 wechselte Heinz ins Saarland. Nach einer kurzen Zeit als Heimleiter beim Verein für Sozialpsychiatrie fand er beim Ortscaritasverband Schaumberg-Blies seine berufliche Heimat für die nächsten 17 Jahre. Parallel qualifizierte er sich in personenzentrierter Gesprächspsychotherapie und wurde als Suchttherapeut anerkannt. „Das war eine anstrengende Zeit – mit Familie und zwei kleinen Kindern. Aber ich habe mich durchgekämpft“, sagt er. Wie Aßmann hervorhebt, begann hier bereits seine Stärke, Entwicklungen früh zu erkennen und in nachhaltige Projekte umzusetzen – ein Gestaltungswille, der sich durch das ganze Berufsleben zieht.
 

Ein nächster Karriereschritt folgte, als er die Leitung der Suchtberatungsstelle in Homburg übernahm. Dort intensivierte er die Vernetzung mit regionalen Hilfestrukturen und engagierte sich zunehmend auch politisch. Mit der großen Umstrukturierung des Caritasverbandes für die Diözese Speyer ab 2010 wurden die Beratungsangebote in Caritas-Zentren gebündelt. Seit 2012 leitete Heinz das daraus hervorgegangene Caritas-Zentrum Saarpfalz. Der Hauptsitz wurde nach Homburg verlegt, die Mitarbeitendenzahl wuchs von rund 40 auf heute 56 Hauptamtliche sowie etwa 110 Ehrenamtliche. Die Caritasdirektorin würdigt: „Sein Führungshandeln war geprägt von Verantwortung, klarer Richtung und überzeugter Haltung. Er hat Entwicklungen gestaltet, wo Stillstand möglich gewesen wäre.“
 

Zu den Meilensteinen seiner Amtszeit zählt Heinz unter anderem den Einstieg in das Palliativ-Netzwerk im Saarpfalzkreis ab 2017. Heute begleitet ein Team gemeinsam mit zahlreichen Ehrenamtlichen jährlich rund 290 schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen. Auch die systematische Selbstevaluation durch Mitarbeiter- und Kundenbefragungen habe die Qualität der Arbeit nachhaltig verbessert. Ebenso hebt er die Zusammenführung von Familienhilfe und Therapeutischer Schülerförderung im Familienhilfe-Zentrum St. Ingbert hervor sowie sein Engagement in der Landesstelle für Suchtfragen. Wie sein Arbeitgeber betont, war er ein Brückenbauer zwischen Caritas und Diakonie, ein Impulsgeber für Vernetzung und Kooperation – immer mit dem Ziel, Strukturen für Menschen zu verbessern.
 

Einschneidend sei die Zuwanderung von Geflüchteten ab 2013 gewesen. „Das Land und die Kommunen – alle waren überfordert. Es gab keine Asylbegleitung, die Aufnahmestellen waren überfüllt. Wir bekamen die Ausnahmegenehmigung, schon in den Aufnahmestellen mit der Asyl- und Verfahrensberatung zu beginnen.“ Er erinnert sich an holprige Zeiten. Aber: „Damals hatte Deutschland ein freundliches Gesicht, viele Ehrenamtliche haben sich engagiert. Die Wertschätzung sowohl für die Geflüchteten als auch für unsere Arbeit waren hoch. Die Caritas war mittendrin und die Politik hat die Wohlfahrt dringend gebraucht, um die Situation zu bewältigen.“
 

Andreas Heinz sieht die aktuelle Sozialstaatsdebatte kritisch: „Diese Diskussion ist primär fokussiert auf Migranten. Das tut unserem Land und unserer Demokratie nicht gut.“ Er sagt, er sei froh, dass wenigstens die Kirche ihrem Auftrag nachkomme und sich laut und deutlich positioniere für Menschenrechte und einen offenen Diskurs. „Die Kirche und die Caritas sind streitbar und platzieren sich klar gegen die Positionen der AfD.“
 

Über die Jahrzehnte hinweg habe sich Soziale Arbeit stark verändert. „Sie hat einen immensen Professionalisierungsprozess durchlaufen“, so Heinz. Gleichzeitig sei die Arbeitsdichte gestiegen, die Anforderungen an Fachkräfte deutlich höher geworden. Besonders in der Kinder- und Jugendhilfe beobachtet er neue Herausforderungen: „Kinder stehen heute unter größerem Druck. Wir erleben zunehmend sogenannte Tablet-Kinder, denen es an Kreativität und Selbstwirksamkeit fehlt.“
 

Auch die Bedeutung von Sozialer Arbeit habe sich verändert: „Früher waren Sozialarbeiter in der gesellschaftlichen Wahrnehmung eine Randerscheinung. Heute sind wir angekommen in der Mitte der Gesellschaft.“ Im Mai wird Andreas Heinz 66 Jahre alt. Er ist stolz auf das, was ihm für die Caritasarbeit gelungen ist. „Unsere Projekte sind innovativer und deutlich politischer geworden.“ Der Arbeitgeber unterstreicht dies: „Seine christliche Überzeugung brachte er in die Arbeit ein und sorgte neben fachlichen Inputs auch für seelsorgliche Impulse und theologische Inhalte.“
 

Über sich selbst sagt Heinz: „Ich bin immer positiv geblieben. Für mich das christliche Menschenbild leitend.“ Gebete und Exerzitien hätten ihm geholfen, regelmäßig seelische Kraft zu tanken. Was jetzt auf ihn zukommt, ohne seine Arbeit, das weiß er noch nicht. „Ich bin neugierig. Zuhause habe ich ein ganzes Buch gefüllt mit meinen Gedanken und ich male gerne.“
 

Sein Fazit nach 40 Jahren Caritas: „Ich war beim richtigen Arbeitgeber und ich gehe dankbar. Meine Scheune ist gut gefüllt.“ Wie auch sein Arbeitgeber resümiert: Diese Fülle besteht aus Begegnungen, aus aufgebauten Strukturen, aus begleiteten Menschen, aus Vertrauen – und aus dem Wissen, dass er am richtigen Ort war, zur richtigen Zeit.
 

Mit Andreas Heinz verabschiedet sich eine prägende Persönlichkeit der regionalen Sozialarbeit, die über Jahrzehnte hinweg nicht nur Strukturen aufgebaut, sondern vor allem Menschen begleitet, gefördert und gestärkt hat.
 

Text: Melanie Müller von Klingspor
Foto: Mario Moschel