Caritasverband für die Diözese Speyer
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Vertreterversammlung stellt Jahresabschluss 2025 fest – Sanierungsmaßnahmen zeigen Wirkung – Wirtschaftsprüfer erteilen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk
Speyer. Der Caritasverband für die Diözese Speyer sieht nach der schweren wirtschaftlichen Krise des vergangenen Jahres deutliche Fortschritte bei seiner Sanierung. Der Jahresfehlbetrag konnte 2025 auf rund 5,1 Millionen Euro reduziert werden. Im Vorjahr hatte er noch bei 21,86 Millionen Euro gelegen. Die Bilanzsumme stieg von 131,1 auf rund 136,4 Millionen Euro. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon erteilte dem Jahresabschluss einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk. Die Vertreterversammlung stellte den Jahresabschluss ohne Gegenstimmen fest.
Caritasdirektor und Vorstandsmitglied Holger Maar machte deutlich, dass der Verband trotz der erheblichen Verbesserung noch nicht am Ziel sei. „Wir befinden uns weiterhin in einer schwierigen Situation. Aber die Maßnahmen, die wir ergriffen haben, zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Für 2027 prognostizierte Maar ein ausgeglichenes Ergebnis.
Kostendeckende Entgelte als Schlüssel
Eine wichtige Voraussetzung für die Stabilisierung sei die inzwischen deutlich verbesserte wirtschaftliche Steuerung. Durch das neu aufgestellte Controlling lägen monatlich aktuelle Zahlen vor. Für mehr als 50 Angebote habe der Verband zudem Einzelverhandlungen mit den Kostenträgern aufgenommen. Die pauschale Fortschreibung der Entgelte habe in der Vergangenheit vielfach nicht ausgereicht, um die tatsächlichen Personal- und Sachkosten abzubilden.
„Einzelverhandlungen sind aufwendig und zeitintensiv. Die bereits abgeschlossenen Verhandlungen deuten aber darauf hin, dass kostendeckende Vereinbarungen grundsätzlich erreichbar sind.“, sagte Maar.
Auch die Reorganisation der Zentrale in Speyer komme voran. Die von der Unternehmensberatung TMC erstellte Analyse zur Reduzierung der Personalkosten um rund drei Millionen Euro sei umgesetzt worden. Dafür mussten 62 Stellen abgebaut werden; 14 betriebsbedingte Kündigungen waren nicht zu vermeiden. Als nächsten großen Schritt nannte Maar die Reorganisation des Caritas-Förderzentrums St. Laurentius und Paulus in Landau und Herxheim.
Aßmann: Soziale Arbeit braucht verlässliche Finanzierung
Vorständin Barbara Aßmann stellte in ihrem sozialpolitischen Bericht die Finanzierung sozialer Angebote in den Mittelpunkt. Reformvorhaben in Pflege sowie Kinder- und Jugendhilfe griffen teilweise unmittelbar in die Refinanzierung der Personalkosten ein. „Eine zentrale Forderung der Caritas ist deshalb die Anerkennung der Arbeitsvertragsrichtlinien der Caritas (AVR) und damit der tatsächlichen tariflichen Personalkosten bei der Refinanzierung sozialer Angebote“, sagte Aßmann. Die Freie Wohlfahrtspflege müsse zudem frühzeitig und verbindlich in politische Reformprozesse einbezogen werden.
Wie wichtig verlässlich finanzierte soziale Angebote seien, zeige die Arbeit der acht Caritas-Zentren im Bistum Speyer. Mehr als 18.000 Menschen wurden dort innerhalb eines Jahres in rund 55.000 Kontakten beraten. Mehr als 630 Menschen ohne eigene Adresse nutzen die Caritas-Zentren mittlerweile als Postadresse, um beispielsweise für Behörden erreichbar zu bleiben. „Es reicht nicht aus, wenn Bund, Länder und Kommunen die Bedeutung sozialer Angebote betonen. Beratungs- und Unterstützungsdienste benötigen eine verlässliche und langfristige Finanzierung“, betonte Aßmann.
Um sozialpolitische Interessen stärker zu vertreten, intensivieren die Caritasverbände Speyer, Trier, Mainz und Limburg zudem ihre Zusammenarbeit als Caritas Rheinland-Pfalz. Ziel sei es, Ressourcen zu bündeln und gegenüber der Landespolitik stärker mit einer Stimme aufzutreten.
Wieder: „Die Zuversicht ist gestiegen“
Auch der Vorsitzende des Caritasrates und Aufsichtsratsvorsitzende Theo Wieder bewertete die Entwicklung positiver als im vergangenen Jahr. „Die Zuversicht ist gestiegen. Gewissheit, dass der gesamte Sanierungsprozess gelingt, gibt es allerdings noch nicht.“
Wieder ging auch auf die Ursachen der wirtschaftlichen Krise ein. Ein wesentlicher Faktor sei gewesen, dass die mit den Kostenträgern vereinbarten Entgelte die tatsächlichen Kosten in Einrichtungen der Tochtergesellschaft CBS zunehmend nicht mehr deckten. Dadurch seien auch erhebliche Außenstände gegenüber dem Diözesan-Caritasverband als Eigentümer der Immobilien entstanden.
Wieder verwies darüber hinaus auf Managementfehler in der Vergangenheit, nahm Vorständin Barbara Aßmann dabei aber ausdrücklich von der betriebswirtschaftlichen Verantwortung für diese Entwicklung aus. Da die Aufarbeitung möglicher Verantwortlichkeiten noch nicht abgeschlossen sei, empfahl er erneut, den Vorstand für das Geschäftsjahr 2025 nicht zu entlasten. Die Vertreterversammlung folgte dieser Empfehlung.
Simone Blum von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon erläuterte anschließend die Ergebnisse der Jahresabschlussprüfung. „Curacon erteilt dem Jahresabschluss einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk“, sagte sie. Die Vertreterversammlung stellte den Jahresabschluss 2025 einstimmig fest.
Magin: „Ohne Caritas keine Kirche“
Diözesanadministrator Markus Magin unterstrich die Bedeutung der Caritas für die Kirche. Das Bistum Speyer hatte den Verband in der Krise mit einem Sonderdarlehen von elf Millionen Euro unterstützt. „Caritas ist ein Wesensmerkmal der Kirche. Ohne Caritas keine Kirche“, sagte Magin. Wo Menschen in Not seien, werde Caritas gebraucht. „Sie verkörpert die Nächstenliebe und gehört damit untrennbar zum kirchlichen Auftrag.“
Mit Blick auf die aktuelle sozialpolitische Diskussion warnte Magin zugleich davor, Einsparungen vor allem bei Schwachen und Fremden zu suchen. Die wirtschaftliche Lage des Verbandes fasste er mit einem Bild der aktuellen Caritas-Jahreskampagne zusammen: „Die Caritas wackelt finanziell zwar noch, die Schuhe sind mittlerweile aber neu besohlt.“
Martin Forster neu im Caritasrat
Zum Abschluss wählte die Vertreterversammlung Martin Forster einstimmig neu in den Caritasrat. Der ehemalige Geschäftsführer des Städtischen Krankenhauses Pirmasens soll die betriebswirtschaftliche Expertise im Gremium weiter stärken.
Text und Fotos: Melanie Müller von Klingspor für den Caritasverband für die Diözese Speyer