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12. Juni 2024

Ein Tagestreff für die Ärmsten in Homburgs Altstadt – Vorbild aus St. Ingbert

 

In Homburgs Altstadt soll im kommenden Jahr ein Tagestreff für Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen eröffnet werden. Dieser wird im seit Jahren leerstehenden Pfarrheim der St. Michaelskirche untergebracht sein, die Caritas wird den Tagestreff betreiben.

 

Das Konzept orientiert sich am „Treff em Gässje“ in St. Ingbert, der bereits als erfolgreiches Modell gilt.
Andreas Heinz, Leiter des Caritas-Zentrum Saarpfalz, betont die offizielle Anerkennung der Notwendigkeit eines solchen Tagestreffs durch das Land. Die Caritas bietet seit langem Hilfe für Wohnungslose an, doch die Situation wird immer schwieriger. Aktuell sind 60 Postanschriften für Obdachlose bei der Homburger Caritas registriert, darunter 25 Frauen. Einige nutzen regelmäßig Notschlafstellen, während andere sich mit wechselnden Schlafplätzen durchschlagen.

 

Der neue Tagestreff soll den Betroffenen Normalität, Alltag und Gemeinschaft bieten. In St. Ingbert zeigt der „Treff em Gässje“, dass solche Angebote gut angenommen werden: Dort gibt es werktags morgens Kaffee und mittags eine warme Mahlzeit für kleines Geld. Besucher können duschen, ihre Wäsche waschen und bei Bedarf die Kleiderkammer nutzen. Wichtige Bestandteile sind auch die Gespräche untereinander und mit den Mitarbeitern. Heinz betont, dass diese niedrigschwelligen Angebote die Folgen der Wohnungslosigkeit erheblich mildern können, auch wenn sie das Problem nicht komplett lösen.

 

Große Investitionen geplant

An dem Projekt sind neben der Caritas und der Kirche auch das Land, der Kreis und die Stadt Homburg beteiligt. Ohne die finanzielle Unterstützung des Landes, das die laufenden Kosten übernehmen wird, wäre das Projekt nicht realisierbar. Für die Sanierung des Pfarrheims rechnet Heinz mit Investitionskosten von etwa 100.000 Euro. Weitere Renovierungsarbeiten sollen von den zukünftigen Besuchern übernommen werden, um deren Verbindung zum Tagestreff zu stärken und den Gemeinschaftssinn zu fördern. Heinz prüft zudem, ob zusätzliche Geldgeber, wie EU-Förderprogramme oder die „Aktion Mensch“, für die Investitionskosten gewonnen werden können.

 

Klare Regeln und soziale Unterstützung

Im Tagestreff wird der Konsum von Alkohol und Cannabis verboten sein, um Konflikte und ein negatives Image zu vermeiden. Sozialarbeiter und Betreuer der Caritas können den Betroffenen vor Ort individuelle Beratung bieten. Heinz sieht in solchen Einrichtungen auch einen wichtigen Beitrag zur Demokratie, da sie verhindern können, dass frustrierte Menschen sich extremistischen Strömungen zuwenden. Der zentrale Standort des Pfarrheims soll zudem die Integration und Inklusion fördern.

 

Unterstützung und Anerkennung

Homburgs Beigeordneter Manfred Rippel lobt das Projekt und die Zusammenarbeit mit der Caritas. Auch der Saarpfalz-Kreis hat in seiner jüngsten Sitzung sein Wohlwollen bekundet. Gemeindereferent Frank Klaproth betont, dass der Tagestreff „für die Kirche ein enormer Gewinn“ ist, da die Kirche das Projekt alleine nicht hätte stemmen können. Klaproth freut sich, dass das leerstehende Pfarrheim nun einer neuen, „segensreichen“ Nutzung zugeführt wird.

 

Bildunterschrift: Das Pfarrheim der Kirche St. Michael steht seit mehreren Jahren leer. Nun wird das Gebäude einer neuen, segensreichen Bestimmung zugeführt.

 

Text und Foto: Paul Helmut Kreiner