Caritasverband für die Diözese Speyer
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Caritas-Förderzentrum St. Christophorus informiert über Unterstützungsangebot in der Wohnungslosenhilfe – 11. September ist bundesweiter Tag der wohnungslosen Menschen – Über eine Million Menschen in Deutschland ohne Obdach
Zu informieren, aufzuklären, sich zu zeigen – dazu nutzte das Caritas-Förderzentrum St. Christophorus in Kaiserslautern zum dritten Mal in Folge den bundesweiten Tag der wohnungslosen Menschen am 11. September. Er stand in diesem Jahr unter dem Motto „Hinschauen. Aktiv werden. – Gemeinsam gegen Wohnungsnot“.
Der Ort hätte nicht besser gewählt sein können: Über den Stadtpark verteilt leuchteten die Farben der Caritas wie rot-weiße Tupfer. Unübersehbare Signale, dass es hier etwas zu erleben gab. „Als zentrale Anlaufstelle für Wohnungslose in der Stadt möchten wir in der Öffentlichkeit Präsenz zeigen und mit den Menschen ins Gespräch kommen. Es ist uns ein Anliegen, sie über die Vielfalt unserer Arbeit und Angebote aufzuklären. Denn viele wissen gar nicht, was wir tun“, sagte Samira Wellnitz, Sozialarbeiterin und Bereichsleiterin Wohnungslosenhilfe in St. Christophorus. „Außerdem wollen wir den Aktionstag nutzen, um auf das Thema Wohnungslosigkeit aufmerksam machen.“
Denn für viele bleibe es immer noch eine Randerscheinung, das gerne verdrängt oder bewusst übersehen werde. Dabei finde Wohnungslosigkeit mitten in der Gesellschaft statt. Laut Hochrechnungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. waren 2024 in Deutschland mindestens 1 029 000 Menschen ohne Obdach. Alarmierende Zahlen mit steigender Tendenz, hinter denen individuelle Schicksale stehen.
Das Thema aus dem Schattendasein zu holen war Ziel des Aktionstages von St. Christophorus. Dazu hatten sich die Mitarbeitenden einiges einfallen lassen:
Wer den Dreh raus hatte, konnte am Glücksrad Schokolade, Pflegeprodukte oder sogar einen Hut gewinnen. Und sich obendrein von Natalie Becker, Gruppenleiterin der Eingliederungshilfe im Haus Marienheim, einer Erweiterung von St. Christophorus, über die Hilfsangebote aufklären lassen. „Wir helfen den Menschen in unserem Haus, von denen ein Teil unter psychischen Erkrankungen leidet, bei der Alltagsbewältigung. Wir kochen zum Beispiel zusammen, gehen mit zu Arztbesuchen oder zu Behörden.“
Welche Unterstützung die Bewohner und Bewohnerinnen der Jugendhilfeabteilung bekommen, erklärte die Erzieherin Corinna Scherer an einem weiteren Stand. „Wir haben zwei Gruppen für Jugendliche zwischen 16 und 21, eine in St. Christophorus und eine auf dem Wilensteinerhof in Trippstadt. Sie bieten insgesamt 17 Plätze, und alle sind derzeit belegt. Mit unserer Arbeit möchten wir die Jugendlichen befähigen, ein eigenständiges Leben zu führen.“
Ein paar Meter weiter hatten Interessierte die Möglichkeit, mittels des Virtual Reality-Erlebnisses UNHOME für 20 Minuten in die Rolle eines obdachlosen Menschen zu schlüpfen und dessen Alltag hautnah zu erleben. „Es ist außerordentlich lehrreich und sehr bewegend, realistischen Einblick in die Welt der Betroffenen zu gewinnen“, sagte David Wellnitz-Jörg, Sozialarbeiter im Übernachtungsbereich. „Ich kann es nur jedem empfehlen, um eine andere Sicht auf wohnungslose Menschen zu bekommen.“
Wer wissen wollte, wie es um seinen Blutdruck steht, konnte ihn sich bei der Gesundheitssorge messen lassen. „Außerdem verschenken wir Notfall-Kits mit Pflastern, Pflegecreme, Desinfektions- und Taschentüchern und einigem mehr“, sagte Carolin Koppenhöfer, zuständig für das Kundenmanagement in der Wohnungsloseneinrichtung.
Kreativ ging es am Stand der „Glockestubb“, die St. Christophorus betreibt, zu. Unter dem Motto „Ein Netz, das uns trägt: Von wem hast du zuletzt Unterstützung erhalten?“ ließen sich auf einem Nagelbrett bunte Fäden spannen, wobei jede Farbe eine eigene Bedeutung hatte. „Grün steht für Familie, gelb für Freunde, blau für Einrichtungen und professionelle Hilfe, orange für Nachbarschaft oder Kollegen und violett für eine nette Geste von Unbekannten“, erklärte Rosa Gosbee. Sie ist Sozialarbeiterin und zuständig für die Fachberatungsstelle in der „Glockestubb“. Kreuz und quer verlaufende Fäden bildeten ein interessantes Muster. Auch die Beigeordnete und Sozialdezernentin der Stadt, Anja Pfeiffer, leistete ihren Beitrag zu dem abstrakten Kunstwerk.
Die Langzeithilfe von St. Christophorus wolle den Menschen einen sicheren Ort bieten und ein Miteinander, das auf Vertrauen basiere, sagte die Projektleiterin Marie-Christine Rothe. „Wir leisten Beziehungsarbeit und sind sozusagen die Langzeitmuttis“, ergänzte ihre Kollegin, die pädagogische Fachkraft Melanie Schuster. Gemütlich wie ein Wohnzimmer lud der Stand zum Schachspielen ein, und einige stellten gern ihre strategischen Fähigkeiten unter Beweis.
Auch das leibliche Wohl kam nicht zu kurz. Von der Waffelbäckerei lockte der Duft, sich etwas Süßes zu gönnen. „Für den Appetit auf Deftiges gibt es kostenlos Würstchen im Brötchen, auch vegane. Außerdem haben wir Umfragekärtchen ausgelegt, da es uns interessiert, ob die Leute schon mal was von unseren Einrichtungen gehört haben“, sagte Meike Schmalenberger, die Stellvertreterin von St. Christophorus-Leiter Peter Lehmann.
Für Jubel und Applaus sorgten die „Lautrer Buwe“, die Fußballmannschaft des Caritas-Förderzentrums St. Christophorus. Stolz, strahlend und den Pokal schwenkend kehrten sie aus Essen zurück. Dort hatte am Tag zuvor die diesjährige Deutsche Meisterschaft im Straßenfußball der wohnungslosen Menschen stattgefunden, und die „Lautrer Buwe“ waren Vizemeister geworden.
Ein Erfolg, über den sich auch Einrichtungsleiter Peter Lehmann mächtig freute. „Überhaupt bin ich mit unserem Aktionstag sehr zufrieden. Wir haben ein gemischtes Publikum, das ist gut. Ich hätte nicht gedacht, dass morgens schon so viel los ist. Es herrscht eine schöne Atmosphäre, und die Menschen begegnen uns mit Wertschätzung. Das tut gut.“
Text: Friederike Jung für den Caritasverband für die Diözese
Fotos: Friederike Jung / Peter Lehmann