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Interaktive Ausstellung „Youniworth“ des Jugendmigrationsdienstes der Caritas an der Anne-Frank-Realschule plus in Ludwigshafen – Sieben Stationen laden dazu ein, Erfahrungen junger Menschen mit Migration nachzuvollziehen
Was bedeutet es, die eigene Heimat zu verlassen? Was bleibt zurück? Wie fühlt es sich an, in einem fremden Land neu anzufangen? Und was braucht es, damit aus Ankommen Zugehörigkeit werden kann? Mit solchen Fragen beschäftigt sich die interaktive Ausstellung „Youniworth“, die der Jugendmigrationsdienst des Caritas-Zentrums Ludwigshafen gemeinsam mit der Anne-Frank-Realschule plus nach Ludwigshafen geholt hat.
Dabei geht es nicht nur darum, etwas über Migration zu erfahren. An sieben Stationen können Besucherinnen und Besucher selbst aktiv werden: sehen, hören, anfassen, ausprobieren, nachdenken und miteinander ins Gespräch kommen. Die Ausstellung lädt dazu ein, die Perspektive junger Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung einzunehmen, eigene Vorstellungen und Vorurteile zu hinterfragen und Gemeinsamkeiten zu entdecken. Sie richtet sich an Jugendliche ebenso wie an Menschen aus Schulen, Jugendarbeit, Gemeinden und Vereinen.
„Zuhause ist da, wo deine Freunde sind“
Wie persönlich das Thema sein kann, wurde bereits bei der Eröffnung deutlich. Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Schule beschäftigten sich mit der Frage, was Heimat und Zugehörigkeit für sie bedeuten. „Zuhause ist da, wo deine Freunde sind“, lautete eine ihrer Antworten. Mit Musik und Tanz gestalteten sie die Eröffnung mit.
Schirmherr der Ausstellung ist Raymond Höptner, Ortsvorsteher und jugendpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. „Wir haben viele Menschen mit Fluchterfahrung in Ludwigshafen. Wir sollten sehen, dass diese Menschen uns bereichern können“, sagte er. Gerade die interaktive Gestaltung rege dazu an, selbst nachzudenken und sich mit Erfahrungen auseinanderzusetzen, die vielen Menschen sonst fremd blieben.
Auch Schulleiter Johannes Thomas betonte die Bedeutung von Schule für das Ankommen: „Schule ist ein Schmelztiegel der Gesellschaft. Wir wollen hier allen eine Chance geben, unsere Sprache zu lernen, Freunde und ein neues Zuhause zu finden.“
Aus eigener Erfahrung Mut machen
Einen weiteren Blick auf das Thema Teilhabe brachte Landesschülersprecher Alen Katow ein. Der ehemalige Schüler der Anne-Frank-Schule hat gerade sein Abitur abgelegt. „Für uns Schüler und junge Leute ist es wichtig, wahrgenommen zu werden“, sagte er. Viele junge Menschen hätten das Gefühl, mit ihren Anliegen nicht gesehen oder gehört zu werden.
Damit griff Katow einen Gedanken auf, der auch für die Ausstellung zentral ist: Junge Menschen brauchen die Chance, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und ihre Zukunft selbst mitzugestalten – unabhängig davon, woher sie kommen.
Den anwesenden Jugendlichen machte Katow Mut, auf den Rat von Eltern und Lehrkräften zu hören, dabei aber die eigenen Ziele und Träume nicht aus den Augen zu verlieren. Dass er selbst Landesschülersprecher wurde und sein Abitur geschafft hat, verdanke er auch der Unterstützung und Ermutigung, die er erfahren habe. Besonders dankte er seinen früheren Lehrkräften an der Anne-Frank-Schule.
Wie wichtig es ist, jungen Menschen nicht nur zuzuhören, sondern sie selbst zu Wort kommen zu lassen, zeigte Katow anschließend ganz praktisch: Er wechselte die Rolle und interviewte die Gäste der Eröffnung. Vom Ludwigshafener Sozialdezernenten David Guthier wollte er wissen: „Sollen junge Leute sich mit Politik beschäftigen und werden sie von Politikern auch gehört?“ „Die Stimme der jungen Leute ist wichtig“, antwortete Guthier. Sie brächten eine andere Perspektive in die Politik ein. Gerade weil es um ihre Zukunft gehe, sei es wichtig, dass sie ihre Stimme erheben.
Integration braucht Begegnung und Netzwerke
Für den Jugendmigrationsdienst der Caritas machte Zahra Hassanpour deutlich, dass Integration nicht allein Aufgabe der jungen Zugewanderten sein kann. „Es ist wichtig, dass wir Netzwerke bilden und zusammenarbeiten. Nur so können wir gemeinsam eine Gesellschaft werden, die junge Migranten integriert.“ Zugleich verwies sie auf politische Rahmenbedingungen, die die Integrationsarbeit erschweren. Einschränkungen und Kürzungen bei Integrationsangeboten könnten gerade jungen Menschen den Zugang zu Bildung, Ausbildung und gesellschaftlicher Teilhabe erschweren.
Wie wichtig es ist, bei Flucht und Migration den einzelnen Menschen und seine Geschichte zu sehen, unterstrich auch Eberhard Bucher, ehemaliger Leiter des Ludwigshafener Zentrums für individuelle Erziehungshilfen. Nach seiner Pensionierung war er auf einem Rettungsschiff im Mittelmeer im Einsatz und erlebte dort die Not geflüchteter Menschen unmittelbar. Er appellierte daran, Haltung zu zeigen, politische Verantwortliche anzusprechen und für gemeinsame Werte einzutreten.
Die Ausstellung „Youniworth“ möchte genau dazu einen Beitrag leisten: nicht übereinander reden, sondern miteinander ins Gespräch kommen – und Migration aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.
Besuch der Ausstellung
Die Ausstellung ist vom 1. bis 10. September jeweils von 9 bis 13 Uhr für Interessierte zugänglich. Aus organisatorischen Gründen ist eine vorherige Anmeldung erforderlich.
Jugendmigrationsdienst des Caritas-Zentrums LU
Markus Schwarz
Telefon 0621-59802-26
Mobil 0152 091 193 51
Ausstellungsort Anne-Frank-Realschule plus
Bruchwiesenstraße 310
67059 Ludwigshafen
Text und Fotos: Gereon Hoffmann für den Caritasverband für die Diözese Speyer