Caritasverband für die Diözese Speyer
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Caritas und Bistum Speyer beim landesweiten Ehrenamtstag in Kaiserslautern – Freiwilliges Engagement ist unverzichtbar für gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine lebendige Demokratie
Eine Gesellschaft lebt davon, dass Menschen Verantwortung füreinander übernehmen, sich einmischen und ihr Umfeld mitgestalten. Rund 1,5 Millionen Menschen tun dies in Rheinland-Pfalz ehrenamtlich. Beim landesweiten Ehrenamtstag in Kaiserslautern stand ihr Engagement im Mittelpunkt. Mit dabei waren auch Caritas und Bistum Speyer mit einem gemeinsamen Stand.
Für den neuen Diözesanadministrator Markus Magin bot der Ehrenamtstag eine gute Gelegenheit, mit vielen engagierten Menschen ins Gespräch zu kommen. Gemeinsam mit Dorothee Wüst, Präsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, eröffnete er den Tag mit einem ökumenischen Gottesdienst.
Magin schlug dabei die Brücke zwischen christlicher Botschaft und freiwilligem Engagement. „Die Ehrenamtlichen beantworten die Fragen Jesu“, sagte er. Sie täten dies nicht allein mit Worten, sondern indem sie Zeit schenkten, Verantwortung übernähmen und angesichts der Not anderer nicht gleichgültig blieben. Für viele sei der Glaube eine wichtige Motivation für ihr Engagement. Zugleich erinnerte Magin daran, dass auch Ehrenamtliche Unterstützung und Schutz vor Überforderung brauchen. „Unsere Gesellschaft lebt davon, dass Menschen Not sehen und sich einsetzen.“
So vielfältig wie die Menschen
Wie unterschiedlich die Wege ins Ehrenamt sein können, erlebt Corinna Hauck täglich. Sie ist beim Caritas-Zentrum Kaiserslautern für Ehrenamt und Engagement zuständig. Mit Caritas-Zentrum, Altenzentrum und zwei Förderzentren gibt es in der Stadt zahlreiche Möglichkeiten, sich einzubringen. „Es vergeht keine Woche, in der wir nicht Anfragen von Menschen bekommen, die sich engagieren möchten“, berichtet Hauck. Die Beweggründe seien vielfältig. Manche befänden sich an einem Wendepunkt in ihrem Leben, andere wollten einen neuen Bereich kennenlernen oder nach einem Umzug Kontakte knüpfen und sich in die Gesellschaft einbringen. Ebenso unterschiedlich sind Alter und Lebenssituation: Rentnerinnen und Rentner engagieren sich ebenso wie Berufstätige oder Studierende.
Damit aus der Bereitschaft ein gutes Ehrenamt wird, braucht es passende Rahmenbedingungen. In persönlichen Gesprächen werden Motivation, Interessen und mögliche Einsatzfelder geklärt. Hinzu kommen Präventionsschulungen und – je nach Tätigkeit – ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis. Denn freiwilliges Engagement braucht nicht nur Begeisterung, sondern auch Verlässlichkeit, Qualifizierung und Schutz.
Aßmann: „Ehrenamt stärkt die Demokratie“
Wie vielfältig ehrenamtliches Engagement sein kann, zeigt das Caritas-Altenzentrum St. Hedwig. „Bei uns lässt sich für ganz unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten eine passende Aufgabe finden“, sagt Einrichtungsleiterin Jutta Asal von Wuthenau. Ehrenamtliche führen Gespräche, gestalten Bewegungsangebote oder bringen sich beim Dämmerschoppen ein. Pflege bleibe Aufgabe qualifizierter hauptamtlicher Mitarbeitender. „Aber das Soziale, das Miteinander und die Gemeinschaft leben ganz wesentlich vom Ehrenamt.“
Für Caritasdirektorin Barbara Aßmann ist deshalb entscheidend, Engagement so zu gestalten, dass es zu den Menschen und ihren zeitlichen Möglichkeiten passt. Manche engagieren sich über viele Jahre, andere möchten sich bewusst für ein zeitlich begrenztes Projekt einsetzen. Beides habe seinen Wert. „Ehrenamt braucht Leidenschaft – aber auch eine verlässliche Begleitung durch Hauptamtliche und gesellschaftliche Wertschätzung.“ Dabei geht es für Aßmann um mehr als Unterstützung sozialer Angebote. Ehrenamt sei ein wesentlicher Bestandteil einer lebendigen Zivilgesellschaft und damit auch für die Demokratie von großer Bedeutung. Wer sich engagiere, erlebe, dass das eigene Handeln etwas bewirken könne. Gleichzeitig entstünden Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Generationen und Lebenssituationen.
„Demokratie lebt davon, dass Menschen nicht nur Zuschauerinnen und Zuschauer sind, sondern Verantwortung übernehmen und Gesellschaft mitgestalten“, betont Aßmann. „Im Ehrenamt erfahren Menschen ganz konkret: Mein Einsatz zählt. Ich kann etwas verändern. Und ich begegne Menschen, denen ich sonst vielleicht nie begegnet wäre. Das schafft Vertrauen und Zusammenhalt.“ Die Caritas verstehe es deshalb auch als sozialpolitische Aufgabe, gute Bedingungen für freiwilliges Engagement einzufordern. „Wir vertreten hier gemeinsam die Caritas in Rheinland-Pfalz. Die Caritasverbände Mainz, Trier, Limburg und Speyer bringen ihre Erfahrungen aus der sozialen Arbeit in die Landespolitik ein. Dazu gehört für uns auch, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen Ehrenamt möglich bleibt und sich weiterentwickeln kann“, so Aßmann. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung sei diese Aufgabe von besonderer Bedeutung. „Wo Menschen miteinander statt übereinander reden, gemeinsam etwas auf die Beine stellen und Verantwortung füreinander übernehmen, wächst demokratische Kultur. Ehrenamt schafft solche Räume.“
Junge Menschen erleben: Wir können etwas bewegen
Für das Bistum Speyer war unter anderem Thomas Held, Vorstandsmitglied des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), beim Ehrenamtstag vertreten. Auch für ihn ist freiwilliges Engagement unverzichtbar. Ein bekanntes Beispiel ist die 72-Stunden-Aktion des BDKJ. Dabei setzen junge Menschen innerhalb von drei Tagen gemeinnützige Projekte in ihren Städten und Gemeinden um – sie gestalten beispielsweise Spielplätze neu oder unterstützen soziale Einrichtungen. Dabei entsteht mehr als das sichtbare Ergebnis eines Projekts. „Die jungen Menschen bringen etwas in ihrer Stadt voran“, sagt Held. Das komme der Allgemeinheit zugute und stärke zugleich Gemeinschaft und Teamgeist. Junge Menschen erleben dabei unmittelbar, dass sie ihr Lebensumfeld selbst mitgestalten können – eine Erfahrung, die auch für demokratische Teilhabe von großer Bedeutung ist.
1,5 Millionen Menschen engagieren sich
Wie stark das Ehrenamt Rheinland-Pfalz prägt, machte Ministerpräsident Gordon Schnieder deutlich. Rund 1,5 Millionen Menschen und damit etwa 40 Prozent der Bevölkerung engagierten sich freiwillig. Rheinland-Pfalz gehöre damit bundesweit zur Spitzengruppe. „Ehrenamt ist der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält“, sagte Schnieder und bezeichnete Rheinland-Pfalz als „Zusammenland“.
Wie unverzichtbar freiwilliges Engagement ist, zeige sich in Vereinen und sozialen Einrichtungen ebenso wie bei Festen, Kulturangeboten oder in Nachbarschaften. „Besonders sichtbar wird es in Krisensituationen“, erinnerte Schnieder an den Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks und der Rettungsorganisationen bei der Flutkatastrophe im Ahrtal sowie bei den jüngsten Waldbränden im Westerwald. Doch die Bedeutung des Ehrenamtes reiche über die konkrete Hilfe hinaus: „Wo Menschen freiwillig Verantwortung übernehmen, entstehen Gemeinschaft, Vertrauen und die Erfahrung, gemeinsam etwas bewirken zu können“, so der Ministerpräsident. „Damit ist Ehrenamt nicht nur unverzichtbar für viele soziale und gesellschaftliche Aufgaben. Es ist zugleich ein Ort gelebter Demokratie.“
Text und Fotos: Paul H. Kreiner für den Caritasverband für die Diözese Speyer