Caritasverband für die Diözese Speyer
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23. Juni 2026

Lili, 93, und Irene, 77, kommen gerne zu Kuchen und Gespräch

Kaffeetafel auf dem Stiftsplatz lädt ein zu Austausch und Begegnung


„Die Kinder sind schon lange ausgezogen, die Enkel studieren weit weg. Ich wohne allein und manchmal fühle ich mich schon einsam“, sagt Beate. Die 72-Jährige hat sich gerade an die Kaffeetafel im Schatten der Landauer Stiftskirche gesetzt. Ihr gegenüber sitzt Birgitta, 74 Jahre alt. „Ich wohne allein in einem Mietshaus und das ist ziemlich anonym“, sagt Birgitta. Auch sie fühlt sich manchmal einsam. 


„Früher habe ich in Kursen Französisch gelernt und habe Leute getroffen. Aber dann bekam ich eine Augenkrankheit und kann die Texte nicht mehr lesen“, erzählt sie. Jetzt komme sie nicht mehr viel mit Leuten zusammen. Als sie von der Kaffeetafel hörte, wollte sie mal vorbeischauen. „Allein zuhause rumsitzen macht depressiv“, sagt sie. 


Es sind vor allem ältere Menschen, die am Dienstagvormittag an der Kaffeetafel auf dem Stiftsplatz teilnehmen. Die Aktion gehört zur bundesweiten Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“. In Landau gibt es ein großes, überkonfessionelles Bündnis gegen Einsamkeit, bei dem das Caritas-Zentrum Landau mitmacht, das Diakonische Werk, die Pfarrei Maria Himmelfahrt, die Stiftskirche und die Altkatholische Pfarrei. Auch die Stadt Landau beteiligt sich.


„Wir haben alle ein gemeinsames Anliegen – es geht uns um die Menschen“, sagt Manuela Erben, die für die Gemeindearbeit der Caritas in Landau zuständig ist. „Wir alle gehören doch zur Stadtgesellschaft in Landau“, sagt Pfarrer Jürgen Leonhard von der Stiftskirche. Und so seien auch alle Menschen eingeladen. 

Wahrscheinlich ältester Gast an diesem Morgen ist Lili, mit 93 Jahren. Sie ist mit ihrem Rollator auf den Stiftsplatz gesteuert. „Ich lebe schon sehr lange alleine und freue mich, wenn ich unter Menschen komme“, sagt sie. Ihr gegenüber sitzt ihre Freundin Irene, die 77 Jahre alt ist. Die beiden kennen sich von einem anderen Angebot in Landau, der Suppenküche. Dort haben die beiden auch Plakate für die Kaffeetafel gesehen. Beide haben gerade ein Stück Kuchen gegessen. „Es macht einfach mehr Spaß, mit anderen zusammen bei Kaffee und Kuchen zu sitzen“, sagt Irene. Lili schmunzelt verschmitzt: „Kuchen geht immer“, sagt sie.


„Dass heute so viele Leute gekommen sind, trotz der Hitze, freut mich sehr“, sagt Manuela Erben. Das zeige, dass das Angebot wichtig sei und wahrgenommen werde. Zehn Helfer sind vor Ort im Einsatz, die Kuchen alle selbst gebacken, der Kaffee frisch gekocht. Das bundesweite Kompetenznetz Einsamkeit berichtet, dass seit der Pandemie mehr Menschen sich einsam fühlen. Einsamkeit ist das Gefühl von einem Mangel an Kontakt und Verbindung zu anderen Menschen. Besonders betroffen sind laut Kompetenznetz ältere Menschen, insbesondere Frauen, arme Menschen mit geringer sozialer Teilhabe, sowie Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrung mit Schwierigkeiten Anschluss an die Mehrheitsgesellschaft zu finden.


Einsame Menschen fühlen sich unglücklich und ausgeschlossen, depressive Erkrankungen sind oft Folgen. Das verstärkt wiederum die Einsamkeit. Angebote wie die Kaffeetafel in Landau schaffen Möglichkeiten der Begegnung und lassen Gespräche und vielleicht auch neue Kontakte entstehen.

Text und Fotos: Gereon Hoffmann für den Caritasverband für die Diözese Speyer