Caritasverband für die Diözese Speyer
Nikolaus-von-Weis-Straße 6
67346 Speyer

Telefon: 06232 / 209-0
info@caritas-speyer.de

20. September 2026

„Lautrer Buwe“ Vizemeister im Straßenfußball

Deutsche Meisterschaft im Straßenfußball der Obdachlosen 2026 in Essen – Mannschaft des Caritas-Förderzentrums St. Christophorus erreicht das Finale 
 

Kaiserslautern/Essen. Was für ein Erlebnis, was für eine Mannschaft: Die „Lautrer Buwe“ aus Kaiserslautern haben am 10. September bei der Deutschen Meisterschaft im Straßenfußball der Obdachlosen 2026 in Essen für einen besonderen Erfolg gesorgt. Die Mannschaft erreichte das Finale und überzeugte dabei nicht nur sportlich. Vor allem der starke Zusammenhalt der Spieler machte das Turnier zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.
 

Die Mannschaft setzt sich aus Teilnehmern aus unterschiedlichen Bereichen des Caritas-Förderzentrums St. Christophorus Kaiserslautern zusammen. Menschen verschiedenen Alters, mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und Muttersprachen fanden sich zu einem Team zusammen. Einige der Spieler haben in ihrem Leben schwere Schicksalsschläge erfahren. Aus der zunächst bunt zusammengewürfelten Gruppe wurde im Verlauf des Turniers eine Einheit – auf und neben dem Platz. Die Mannschaft stellte sich der Herausforderung und kämpfte im Finale gegen die Spieler der „Streetkicker Oldenburg“ bis zum Schlusspfiff gemeinsam weiter. Am Ende mussten sich die „Lautrer Buwe“ mit 2:1 knapp geschlagen geben.
 

In Essen trafen die Kicker von St. Christophorus auf Mannschaften aus verschiedenen Regionen Deutschlands. Spiel für Spiel bewiesen die Kaiserslauterer, wie viel Zusammenhalt, gegenseitiger Respekt und gemeinsamer Wille bewirken können.
 

Dabei stand nicht ausschließlich das Ergebnis im Mittelpunkt. Jeder Treffer, jede gelungene Aktion und jede gegenseitige Unterstützung wurden zu gemeinsamen Erfolgen. Gerade die unterschiedlichen Sprachen, Altersgruppen und persönlichen Lebenswege erwiesen sich dabei nicht als Hindernis. Die gemeinsame Leidenschaft für den Fußball schuf eine Verbindung, die über diese Unterschiede hinwegtrug.
 

Erstes Finale vor großer Kulisse
 

Der sportliche Höhepunkt des Turniers war der Einzug ins Finale. Für jeden einzelnen Spieler war es das erste Finale in einem derart großen Rahmen. Entsprechend groß waren Aufregung und Nervosität. Auch wenn der Turniersieg verpasst wurde, überwog bei der Mannschaft der Stolz auf das Erreichte. Die Deutsche Meisterschaft fand auch über den Kreis der Teilnehmer hinaus Beachtung. Unter anderem begleiteten der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und der Deutschlandfunk die Veranstaltung. Für die Spieler war dies eine besondere Erfahrung. Sie konnten erleben, dass ihre Leistungen, ihre Geschichten und ihr gemeinsamer Weg öffentlich wahrgenommen wurden.
 

Persönlicher Höhepunkt für Mamoudou Doumbouya
 

Auch für die einzelnen Spieler hielt das Turnier besondere Momente bereit. Mamoudou Doumbouya konnte sich im Rahmen der Deutschen Meisterschaft für die deutsche Nationalmannschaft qualifizieren. Damit wurde das Turnier für ihn zu einem ganz persönlichen Höhepunkt und zu einer besonderen Anerkennung seiner sportlichen Leistung.
 

Die Reise nach Essen hat eindrucksvoll gezeigt, welche verbindende Kraft gemeinsamer Sport entwickeln kann. Für jeden einzelnen Spieler entstanden Erfahrungen und Erinnerungen, die weit über das Turnier hinausreichen werden. 
 

Text und Fotos: Christian Schröer für den Caritasverband für die Diözese Speyer
 


Stichwort Straßenfußball-Meisterschaft: 

Die Deutsche Meisterschaft im Straßenfußball der wohnungslosen Menschen ist seit 2006 ein zentraler Wettbewerb des deutschen Straßenfußballs. Veranstaltet wird das Turnier von Anstoß! – Bundesvereinigung für Soziale Integration durch Sport e. V. gemeinsam mit der Stiftung der Nationalmannschaft. Ziel ist es, Menschen in schwierigen Lebenssituationen durch den Sport zu stärken, Begegnungen zu ermöglichen und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern. Die teilnehmenden Mannschaften kommen unter anderem aus Einrichtungen der Wohnungslosen-, Drogen- und Straffälligenhilfe, der Flüchtlingsbetreuung sowie von Straßenzeitungen. 

Bei der Deutschen Meisterschaft 2026 in Essen gingen 13 Mannschaften an den Start. Gespielt wurde auf dem Kennedyplatz in einem eigens errichteten Pop-up-Stadion. Nach der Vorrunde qualifizierten sich die drei Gruppensieger sowie der beste Gruppenzweite für die Finalrunde um die Deutsche Meisterschaft. 
Gespielt wird nach den Regeln des internationalen Straßenfußballs, die eng an die Vorgaben des Homeless World Cup angelehnt sind. Auf dem Spielfeld stehen pro Mannschaft vier Spieler – drei Feldspieler und ein Torwart. Zusätzlich können bis zu vier Auswechselspieler eingesetzt werden; gewechselt wird fliegend. Ein Spiel besteht grundsätzlich aus zwei Halbzeiten von jeweils sieben Minuten mit einer einminütigen Pause. 

Eine Besonderheit des Straßenfußballs ist die offensive Spielweise: Mindestens ein Spieler jeder Mannschaft muss sich in der gegnerischen Hälfte befinden. Die Feldspieler dürfen den Strafraum nicht betreten, während der Torwart seinen Strafraum nicht verlassen darf. Körperbetontes oder unfaires Spiel wird entsprechend geahndet; neben Verwarnungen beziehungsweise Freistößen können auch Zeitstrafen und Platzverweise ausgesprochen werden. 
Neben dem sportlichen Wettbewerb spielt der Fairplay-Gedanke eine zentrale Rolle. Die Regeln des Homeless World Cup betonen ausdrücklich einen respektvollen Umgang miteinander und einen hohen Standard an Verhalten und Integrität auf und neben dem Spielfeld. 

Die Deutsche Meisterschaft hat zudem eine Verbindung zum internationalen Homeless World Cup, bei dem Straßenfußballmannschaften aus zahlreichen Ländern gegeneinander antreten. Die deutsche Meisterschaft dient unter anderem dazu, Spieler für das deutsche Team zu sichten und zu fördern.