Caritasverband für die Diözese Speyer
Nikolaus-von-Weis-Straße 6
67346 Speyer
Telefon: 06232 / 209-0
info@caritas-speyer.de

Seit 12 Jahren gibt es ein kunstgeragogisches Angebot im Caritas-Altenzentrum St. Martha. In dieser Zeit sind hunderte von Bildern entstanden, die einige Wände in den Gängen schmücken. Nun werden sie zum ersten Mal in einer öffentlichen Ausstellung zu sehen sein.
„Eigentlich ist es schade, dass die Öffentlichkeit gar nicht sieht, was alte Menschen noch können. Sie werden in der Gesellschaft unsichtbar gemacht, dabei haben sie noch so viele Möglichkeiten, Ressourcen und Kreativität“, sagt Stefanie Wolff, Leiterin der Sozialen Betreuung des Altenzentrums. Daher hat sie sich mit dem Seniorenbüro der Stadt Speyer in Verbindung gesetzt mit der Folge, dass die Künstlerinnen und Künstler des Altenzentrums nun rund 50 Aquarelle im Rahmen der Speyerer Woche der Demenz in einer eigenen Ausstellung im Foyer der Landesbibliothek zeigen dürfen.
Darunter ist auch das Traumhaus von Sigrid Brauckmann. Die 76-jährige ist immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und so zum kunstgeragogischen Angebot gekommen, denn sie hatte sich vorgenommen, etwas Produktives zu machen. Ideen für Motive hat sie viele. Manche lassen sich nicht so umsetzen, wie sie sich das vorstellt, denn die Seniorin hinterfragt ihre Arbeiten immer kritisch. Mit dem Traumhaus ist sie sehr zufrieden. Es zeigt das Haus an der Nordsee, das sie sich immer gewünscht hätte. „Mit einem lustigen Taschenkrebs und einem Strandkorb, das gehört dazu“, erklärt sie. Das Bild von der Gebirgskette, die vom Sonnenuntergang angestrahlt wird, sei auch so geworden, wie sie das wollte. Es erinnert sie an schöne Urlaubreisen ins Gebirge in der Vergangenheit.
Malen macht nicht nur viel mit dem Betrachter des Bildes, sondern auch mit dem, der malt. Das stellt Swetlana Dirks immer wieder fest. Sie hat sich 2020 in Schulungen am Speyerer Institut für Intermediale Kunst und Bildung zur Kunstgeragogin weitergebildet und malt nun jede Woche mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Bis zu Beginn der Corona-Pandemie waren die Mitarbeitenden des Instituts noch in die Einrichtung gekommen, inzwischen klappt das sehr gut in Eigenregie. Dazu wird eine besondere Aquarelltechnik verwendet, bei der auf nasses Papier leuchtende Farbschichten ganz dünn in einer Lasurtechnik aufgetragen werden. So entsteht das Bild Stück für Stück während des Malens. Vorgegeben ist nichts, erlaubt ist alles. Hier geht es nicht um Leistung und nicht um gesetzte Ziele oder kunsthandwerkliche Fähigkeiten. Was gemalt wird, liegt ganz in der Hand der Teilnehmenden der Malstunden. „Manchmal gebe ich kleine Impulse, wenn jemand gerade keine Idee hat“, sagt Swetlana Dirks. Das kann dann etwas sein, was mit der Jahreszeit zu tun hat oder etwas, das vielleicht gerade im Raum zu sehen ist. Sie hat beobachtet, wie Menschen, die an Demenz erkrankt sind, sich beim Malen öffnen, zur Ruhe kommen und auf diese Weise auch kommunizieren. Eine Bewohnerin, die mit Depressionen zu kämpfen hat, gehe beim Malen wieder aus sich heraus und nehme am Leben um sie herum teil. Beeindruckend sind für Swetlana Dirks und Stefanie Wolff Bilder einer Bewohnerin, die traumatische Ereignisse aus ihrem Leben auf diese Weise sichtbar gemacht und verarbeitet hat.
Bei der Kunstgeragogik sind alle willkommen, die gerne malen möchten. Vorkenntnisse brauchen sie nicht. „Die meisten haben früher gar nicht gemalt, aber das macht überhaupt nichts“, sagt Swetlana Dirks. Ursula Ptok (79) hat Anfang des Jahres hineingeschnuppert, weil ihre Tochter und Enkel künstlerisch begabt sind und sie es jetzt auch versuchen wollte und ist begeistert dabei geblieben. Auch von ihr sind viele Bilder in der Ausstellung zu sehen. Schon viele Jahre dabei ist Karola Alles, mit fast 103 Jahren die älteste Teilnehmerin. Ihre Bilder sind echte Hingucker und im Haus schon berühmt, denn sie malt am liebsten Naturmotive, bunte Blumen, Papageien, Blätter. Sehr naturgetreu und oft mit kleinen Details. Das mache ihr einfach Spaß, sagt sie. Sie habe schon in der Schule gerne gemalt.
Die Ausstellung „Aquarelle“ mit rund 50 Bildern der Bewohnerinnen und Bewohner des Caritas Altenzentrums St. Martha wird am 10. September um 18 Uhr im Foyer des Landesbibliothekszentrum (Otto-Mayer-Straße 9, Speyer) eröffnet und ist bis zum 27. September von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr und Samstag von 9 bis 12 Uhr zu sehen.
Folgende Künstler stellen aus: Karola Alles, Inge Gauweiler, Maria Sattel, Hans-Jürgen Weiß, Sigrid Brauckmann, Ursula Ptok, Peter Schneider, Marianne Weinstein, Gerda Rassillier, Helga Gerken, Barbara Walze-Bauer, Hildegard Huber, Else Kohlmann, Elsa Gallmann, Ilse Simon und Marga L.
Text und Bilder: Christine Kraus