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20. Mai 2026

„Spieglein, Spieglein an der Wand…“

Caritas-Altenzentrum St. Barbara bildet zertifizierte Vorleser aus – Märchen aktivieren Erinnerungen bei Menschen mit Demenz
 

„Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so gebannt waren die Seniorinnen und Senioren von dem Erzähler“, berichtet Evelyn Bahr, Sozialdienstleiterin im Caritas-Altenzentrum St. Barbara in St. Ingbert, über die Wirkung eines besonderen Märchenerzählers. Schauspieler Phillip Sponbiel besuchte im Mai im Rahmen des Angebots „Es war einmal… Märchen und Demenz“ viermal das Altenzentrum. Im Gepäck hatte er unter anderem „König Drosselbart“ und „Schneewittchen“.
 

„Das Angebot eroberte die Herzen von Bewohnerinnen, Bewohnern und Mitarbeitenden gleichermaßen“, erzählt Bahr. „Durchgeführt wird es von der Märchenland GmbH und vollständig durch die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland finanziert.“ Das Projekt gibt es bundesweit, im April startete es in St. Barbara.
 

„Märchen gehören zum Kulturgut und sind sowohl bei Jung als auch Alt bekannt und beliebt“, erklärt Bahr. Die Geschichten aktivieren das Langzeitgedächtnis der Seniorinnen und Senioren und steigern ihr Wohlbefinden. „Bewohnerinnen und Bewohner mit dementiellen Erkrankungen, die sonst unruhig sind, oder andere, die eher teilnahmslos wirken, tauchen in die Märchenwelt ein – und dadurch verbessert sich die Lebensqualität aller.“
 

Die positive Wirkung wurde wissenschaftlich untersucht und belegt. Auf Basis dieser Ergebnisse hat die Märchenland GmbH das Präventionsprogramm „Es war einmal… Märchen und Demenz“ entwickelt. Es umfasst vier live erzählte Märchenstunden durch Schauspielende, acht virtuelle Märchenstunden, die per Tablet oder Beamer gezeigt werden können, sowie Märchenland-Boxen mit Märchenbuch, Memory-Spiel, Ausmalblättern, Audio-CDs und DVDs.
 

„Weil wir das Angebot so überzeugend finden, werden sich acht Mitarbeitende Mitte Juni an zwei Tagen zu zertifizierten Märchenvorlesern weiterbilden“, freut sich Evelyn Bahr. „Das Projekt wird zusätzlich durch Supervision begleitet. Damit die Wirkung nachhaltig bleibt, verbleiben die Märchenland-Boxen in der Einrichtung, sodass regelmäßig Märchenstunden angeboten werden können.“ Sogar ein Mantel, ähnlich dem, den Phillip Sponbiel bei seiner Märchenstunde trug, gehöre dazu.
 

„Die vier Stunden mit dem Schauspieler waren ein voller Erfolg“, schwärmt Bahr. „Die Bewohnerinnen und Bewohner waren richtiggehend gefesselt und versanken komplett in den Märchen.“ Durch bekannte Sätze wie „Spieglein, Spieglein an der Wand…“ werden Erinnerungen bei Menschen mit Demenz wach. Alle konnten beispielsweise den Satz „Wer ist die Schönste im ganzen Land?“ vervollständigen und riefen beim Schluss „Und wenn sie nicht gestorben sind…“ gemeinsam: „Dann leben sie noch heute!“
 

„Der Schauspieler hat die Märchen sogar auswendig vorgetragen – großartig!“, sagt Bahr. Für die acht Mitarbeitenden sind die Anforderungen nicht ganz so hoch: „Gut vorzulesen ist schon anspruchsvoll genug.“ Zukünftig plant sie, einmal im Monat eine Märchenstunde anzubieten. „Dann wird es bei uns regelmäßig heißen: Es war einmal…!“
 

Info:
Das Caritas-Altenzentrum St. Barbara empfiehlt anderen Senioreneinrichtungen die Maßnahme ausdrücklich weiter. Weitere Informationen finden sich auf www.maerchenunddemenz.de 
Für das Saarland und Rheinland-Pfalz ist eine Teilnahme noch im laufenden Jahr möglich.
 

Text: Melanie Müller von Klingspor
Fotos: Evelyn Bahr

v.l. Sozialdienstleiterin Evelyn Bahr freute sich über den Besuch des Schauspielers Phillip Sponbiel. Auch die Einrichtungsleiterin Karina Titze und die Besucherin der Kurzzeitpflege, Ursula Schlee, sind begeistert von dem Angebot.