Caritasverband für die Diözese Speyer
Nikolaus-von-Weis-Straße 6
67346 Speyer

Telefon: 06232 / 209-0
info@caritas-speyer.de

15. September 2025

Nonstop Beraten: Geflüchtete und Zugewanderte wollen in die Pflege

 

Großer Andrang auf der Jobmesse für Geflüchtete und Zugewanderte: Die Caritas Pflegeschule Ludwigshafen informierte im Heinrich-Pesch-Haus Ludwigshafen über die Möglichkeiten einer Ausbildung in der Pflege.

 

Bei der zweiten Jobmesse für Geflüchtete und Zugewanderte im August 2025 kamen mehr als 1.000 Besucher*innen zu den rund 30 Ausstellern im Heinrich-Pesch-Haus Ludwigshafen, bereits am Vormittag waren über 500 Interessierte vor Ort. Am Stand des Caritasverbandes Speyer, den die Schulleitung der eigenen Pflegeschule und die Abteilung Bundesfreiwilligendienst (BFD) vorstellte, war ununterbrochen Betrieb – mehr als 100 Menschen suchten dort Rat.

 

Besonders groß war das Interesse an einer Ausbildung in der Pflege. Viele Besucher*innen stellten sich mit in ihren Herkunftsländern erworbenen hohen Qualifikationen vor – etwa mit akademischen Berufen wie Medizin, Jura oder Ingenieurwesen. Doch noch immer bleiben diese Abschlüsse in Deutschland oft zu lange ohne Anerkennung oder die Anerkennungsverfahren sind unklar. Andere Interessent*innen berichteten, dass sie aufgrund ihrer Flucht keine Zeugnisse vorlegen und so keinen Schulabschluss nachweisen können. Gerade sie haben es beim Einstieg in die Pflegeausbildung bisher besonders schwer.

 

„Wir erleben großes Potenzial und gleichzeitig viele Unsicherheiten“, berichtet Timo Siebenborn, Leiter der Caritas Pflegeschule Ludwigshafen von dem Messetag mit vielen intensiven Beratungsgesprächen. Während manche Interessierte schon konkrete Pläne zum einjährigen Bildungsgang in der Altenpflegehilfe oder zur dreijährigen dualen Ausbildung in der Pflege haben, fehlen anderen noch die nötigen formalen Voraussetzungen. Hoffnung macht dabei eine gesetzliche Neuerung: Ab 2027 können Bewerber*innen auch ohne Abschluss in die Pflegefachassistenz-Ausbildung einsteigen, wenn die Pflegeschule eine positive Prognose stellt.

 

Ein besonders gefragter Ansprechpartner am Stand war Timo Siebenborn, der die Besucher*innen ununterbrochen beriet. Er machte deutlich, wie groß das Interesse an der Pflegeausbildung und dem nächsten Ausbildungsstart an der Caritas Pflegeschule im August 2026 ist. Gleichzeitig wies er aber auch darauf hin, dass es häufig noch an der notwendigen Sprachkompetenz auf B2-Niveau fehlt – eine wichtige Voraussetzung, um die Ausbildung erfolgreich zu bewältigen. „Hier brauchen wir dringend bessere Schnittstellen zwischen Sprachförderung und Pflegeausbildung“, betont Siebenborn. Neben Ausbildungsfragen ging es am Stand auch um Möglichkeiten für ein ehrenamtliches Engagement oder den Bundesfreiwilligendienst.

 

Um Geflüchtete und Zugewanderte bestmöglich auf ihrem Weg in die Ausbildung zu unterstützen, setzt die Caritas Pflegeschule in den kommenden Jahren verstärkt auf Lerncoaching und sprachsensiblen Unterricht. Ziel ist es, individuell auf die Lernbiografien der Auszubildenden einzugehen und Sprachbarrieren gezielt abzubauen. Schulleiter Siebenborn betont: „Wir sehen in der Vielfalt unserer Auszubildenden eine große Chance. Mit Lerncoaching und sprachsensiblem Unterricht wollen wir sie dabei begleiten ihre Stärken zu entfalten und trotz unterschiedlicher Voraussetzungen erfolgreich in die Pflege einzusteigen.“

 

Die Messe machte eindrücklich sichtbar: Geflüchtete bringen Motivation und vielfältige Kompetenzen mit. Damit diese Ressourcen in der Pflege genutzt werden können, braucht es transparente Anerkennungsverfahren, flexible Einstiegswege, eine gute sprachliche Vorbereitung und eine enge Begleitung. Nur so können Chancen und Herausforderungen in Einklang gebracht werden – zum Gewinn für alle Beteiligten.