Caritasverband für die Diözese Speyer
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01. September 2025

Personalmangel ist das größte Problem: Caritas-Altenzentrumsleiter über die Herausforderungen in der stationären Pflege

 

Die Herausforderungen in der Pflege sind groß: demographischer Wandel, Personalmangel, ausufernde Bürokratie und steigende Kosten machen den Seniorenheimen zu schaffen. Davon sind auch die Caritas-Altenzentren St. Hedwig in Kaiserslautern und St. Nikolaus in Landstuhl betroffen.

 

Von den Problemen ist auf den ersten Blick nichts zu erkennen. In beiden Häusern herrscht eine entspannte, fast familiäre Atmosphäre. „Wir tun alles, um den Bewohnern und Bewohnerinnen das Leben bei uns so angenehm wie möglich zu gestalten, auch wenn die Probleme von Jahr zu Jahr größer werden“, sagt Jutta Asal von Wuthenau. Die 63-Jährige ist Leiterin des Caritas-Altenzentrums St. Hedwig.

 

Das kann ihr Landstuhler Kollege Thomas Matz (54) nur unterstreichen. „Allerdings ist das nicht immer leicht, denn die Situation, in der wir uns befinden, spitzt sich zu und wir kämpfen an mehreren Fronten.“ Der Personalmangel sei eindeutig die größte Schwierigkeit. „Die Menschen werden immer älter, folglich brauchen sie immer mehr Pflege. Demgegenüber gibt es zu wenige, die die Pflege ausüben. Vor allem an Fachkräften mangelt es“, so der Leiter des Caritas-Altenzentrums St. Nikolaus. „Dazu kommt erschwerend, dass Patienten recht schnell aus dem Krankenhaus entlassen werden und im Heim eine deutliche intensivere Pflege brauchen“, ergänzt Asal von Wuthenau. Immer mehr seien aufgrund des Alters multimorbide oder von dementiellen Veränderungen betroffen. Auch die Zahl psychischer Erkrankungen sei gestiegen.“

 

Daran, dass viele Pflegekräfte der Babyboomer-Generationen in den Ruhestand gehen werden, mag sie gar nicht denken. „Viele von ihnen arbeiten über Jahrzehnte im Haus und identifizieren sich damit. Das ist sehr viel wert.“ „Aber die Personalnot betrifft auch andere Tätigkeitsfelder wie etwa die Hauswirtschaft“, fährt Thomas Matz fort. Der Mangel gehe schon bei der Personalfindung los und ziehe sich seit Corona leider auch in die Beschäftigungsphase hinein, durch deutlich überdurchschnittliche krankheitsbedingte Fehlzeiten, auch mit verursacht durch die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung.

 

„Die nächste große Herausforderung im stationären Bereich ist die überbordende Bürokratie, die sich leider auch durch alle Arbeitsfelder, von der Heimvertragserstellung, über behördliche Anforderungen während des Heimbetriebes bis hin zur Prüfung durch den Medizinischen Dienst zieht“, berichtet Matz. Jeder Schritt in der Pflege müsse dokumentiert werden. Einst habe dazu ein Ordner ausgereicht, heute müsse alles in den Computer eingegeben werden und zwar bis ins kleinste Detail. „Früher haben wir im Team gearbeitet, jetzt sind die Pflegekräfte in Qualitätsniveaus eingeteilt, abhängig von ihrer Ausbildung. Fachkräfte mit hohem Qualitätsniveau sind besonders intensiv mit der Dokumentation beschäftigt. Das kostet viel Zeit, die den Bewohnern abgeht.“

 

Zwar wolle man Neuerungen nicht grundsätzlich ihre Vorteile absprechen, dürfe aber auch ihre Schattenseiten nicht außer Acht lassen, sind sich Asal von Wuthenau und Matz einig und führen die generalistische Pflegeausbildung an, die 2020 eingeführt wurde. Vorher habe man sich spezialisiert und entweder eine Ausbildung in der Alten-, Kranken- oder Kinderkrankenpflege gemacht. Nun seien alle drei Bereiche in der neuen generalistischen Pflegeausbildung vereint. „Sie vermittelt zwar ein gutes Grundwissen, aber zu wenig Wissen und Erfahrung in dem angestrebten Spezialisierungsbereich. Das bedeutet, dass wir die neuen Arbeitskräfte nach ihrer Ausbildung erst einmal intensiv einarbeiten müssen“, sagt Thomas Matz.

 

Immer öfter schreiben auch die steigenden Pflegekosten und der damit verbundene Eigenanteil Schlagzeilen. Was lässt die Kosten so explodieren? „Die Tariflöhne steigen, was den Pflegeberuf interessanter macht, aber auf der anderen Seite zu Buche schlagen“, sagt die Leiterin von St. Hedwig. „Dazu kommt, dass alles teurer wird, von Lebensmitteln bis hin zu Strom, Gas und Wasser. Die zunehmende Bürokratie bedingt mehr Prüf- und Zertifizierungsaufgaben und lässt die Kosten steigen, ohne Qualitätssteigerungen mit sich zu bringen. Dazu sind noch Investitionen in neue Hard- und Software samt Wartungen nötig“, zählt Thomas Matz auf.

 

„Ein guter Teil unserer 90-köpfigen Bewohnerschaft ist finanziell so gestellt, den Eigenanteil selbst berappen zu können. Doch die Zahl derer, die auf Unterstützung durch das Sozialamt angewiesen sind, wächst. Weil die Rente nicht ausreicht oder die Rücklagen irgendwann aufgebraucht sind“, weiß Jutta Asal von Wuthenau. „Doch zwischen beidem wird kein Unterschied gemacht, wir sind eine Solidargemeinschaft.“ „Viele kommen erst ins Heim, wenn es gar keine andere Lösung mehr gibt und sind oft organisatorisch mit der Situation überfordert. Der bürokratische Aufwand ist hoch und die Betroffenen, beziehungsweise die Angehörigen, fühlen sich oft davon erschlagen.“, sagt Thomas Matz.

 

Um die Situation in der stationären Pflege zu verbessern, müsste dringend einiges geändert werden, sagen beide und führen eine Entbürokratisierung, verbesserte Ausbildungsbedingungen, sowie eine einfachere und gesicherte Refinanzierung der Dienstleistungen, die im stationären Alltag erbracht werden, an. „Obendrein müssten die Anerkennungsmechanismen für ausländische Mitarbeitende vereinfacht werden, denn ohne sie geht es nicht“, sagt der Leiter des Caritas-Altenzentrums St. Nikolaus. „Und sie bringen eine bunte Vielfalt ins Haus, die sich positiv auswirkt. Die meisten Bewohner und Bewohnerinnen sind den ausländischen Mitarbeitenden gegenüber aufgeschlossen und interessiert daran, etwas über andere Kulturen zu erfahren. Umgekehrt vermitteln sie, wie das Leben in Deutschland ist. Das ist eine Win-Win-Situation“, sagt Jutta Asal von Wuthenau.

 

Beide betonen, dass die Altenpflege ein erstrebenswerter Beruf ist. Menschen zu helfen und für sie da zu sein, sei eine sinnhafte Ausgabe und man bekomme viel von den Menschen zurück. „Außerdem verstehen wir uns als Begegnungszentrum“, sagt Asal von Wuthenau. „Unser Haus steht auch den Anwohnern hier auf dem Bännjerrück offen, zum Mittagstisch, auf einen Besuch in unserem Café und zu Veranstaltungen.“ Oder zum Tag der offenen Tür, der am 29. August stattgefunden hat und neben kulinarischen Leckereien, Mitmachangeboten, und Unterhaltung auch wichtige Informationsmöglichkeiten bereithielt. „Wir haben viele Kooperationspartner, ein breit ausgebautes Netzwerk und sind gut in die Gemeinschaft des Stadtteils integriert“, so Asal von Wuthenau. „Da die Kirche Heilig Kreuz direkt an unser Haus angegliedert ist, wird noch zusätzlich eine Brücke von unseren Bewohnern und Bewohnerinnen zur Gemeinde geschlagen. Das alles möchten wir an diesem Tag präsentieren und den Menschen in unserem Haus Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bieten“, sagt die Einrichtungsleiterin.

 

Text und Fotos: Friederike Jung für den Caritasverband für die Diözese Speyer

Viele Angehörige feierten zusammen mit den Bewohner*innen
In der Kapelle der Gemeinde Heilig Kreuz treffen sich Gemeindemitglieder und Bewohner'innen des Altenzentrums. Das sorgt für Teilhabe.
Die Frauen der kfd haben viel gestrickt für den Tag der offenen Tür
Mitarbeiterinnen mixen alkoholfreie Cocktails bei Tag der offenen Tür.
Thomas Matz und Jutta Asal von Wuthenau