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03. März 2026

Vater plündert das Sparschwein des Sohnes zum Zocken

Caritas-Zentrum Saarpfalz zeigt Film über eine Kindheit mit suchtkranken Eltern 
 

Seine Mutter war alkoholabhängig, sein Vater spielsüchtig. Lars Smekal, Autor und Regisseur, hatte keine leichte Kindheit. Am Berufsbildungs-Zentrum BBZ in St. Ingbert zeigte er Schülern seinen autobiografischen Film und sprach mit ihnen über Suchterkrankungen.
 

Beide Eltern suchtkrank. Zuhause herrschte durchweg Anspannung. Nur seine Mutter arbeitete, hing jedoch an der Flasche. Das verdiente Geld verzockte der Vater. Heute ist Lars Smekal 36 Jahre alt und arbeitet als Autor und Regisseur. Seine schwere Kindheit hat er 2022 in seinem Kurzfilm „Erinnerungen einer vergessenen Kindheit“ aufgearbeitet. Premiere feierte der Film in San Diego, anschließend wurde der Streifen weltweit gezeigt.
 

Im Februar war Smekal auf einer Filmrundreise durch das Saarland. Das Caritas-Zentrum Saarpfalz ermöglichte in Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt AWO im Rahmen der CoA-Aktionswoche – die Abkürzung steht für „Childhood of Addiction“, zu Deutsch: Kindheit unter Suchteinfluss – eine Filmaufführung mit anschließender Diskussion am BBZ. 
 

Im Publikum saßen gut 70 SchülerInnen aus der Fachoberschule und dem beruflichen Oberstufengymnasium. Es war jedoch mehr als eine bloße Filmvorführung: Entscheidend und besonders war die anschließende Diskussion, in der durch eine anonyme Frage-Box viele Fragen gestellt wurden.
 

„Mama, aufstehen. Es ist schon zwölf. Ich hab’ Hunger.“
 

„Erinnerungen einer vergessenen Kindheit“ dauert knapp 30 Minuten. Smekal zeichnet darin ein eindrückliches Bild seiner Kindheit. Sehr detailliert beschreibt der Regisseur das Verhältnis zwischen sich als Kind und seinen Eltern – eine Mischung aus Liebe, Hass, Angst und Schuldgefühlen. Der junge Lars – im Film heißt er Niklas – fühlt sich einsam, weil die Suchterkrankungen seine Eltern vollständig in Beschlag nehmen. Seine Mutter trinkt schon am Morgen und bekommt ohne Alkohol sofort Entzugserscheinungen, die sich auch in verbalen Attacken äußern. Zwar versucht sie, zu Hause alles im Griff zu behalten, scheitert jedoch immer wieder – etwa beim rechtzeitigen Aufstehen am Wochenende. „Mama, aufstehen. Es ist schon zwölf. Ich hab’ Hunger.“ Mit diesen Worten beginnt der Kurzfilm. Dem Zuschauer wird sofort klar: In dieser Familie herrscht keine Normalität.
 

Seinen glücksspielsüchtigen Vater zeichnet Smekal als liebevollen Menschen, der dennoch fest in seiner Sucht gefangen ist. Immer wieder ist er am Spielautomaten in der Kneipe zu sehen, wo er seine letzten Euros verspielt. Zudem spricht er häufig vom großen Lottogewinn, den er sich erhofft. Der Gewinn bleibt natürlich aus. Um seine Sucht weiter zu finanzieren, plündert er sogar das Sparschwein seines Sohnes. Im Verlauf des Films bekommt schließlich auch die Außenwelt mit, dass im Hause etwas nicht stimmt – zunächst die Schulleitung, dann ein Lehrer. Der Streifen endet damit, dass sich der junge Lars seinem Lieblingslehrer anvertraut: „Ich will dir etwas erzählen.“
 

Sein Vater ist dem Tod von der Schippe gesprungen, seine Mutter hat es nicht geschafft
 

„Sucht ist eine Erkrankung“, macht Smekal nach der Vorführung den BBZ-SchülerInnen deutlich. Betroffene brauchen Hilfe. Gerade wenn Eltern suchtkrank sind, ziehen sie ihre ganze Familie mit hinein. Smekals Mutter ist noch während des Filmschnitts verstorben. Sie wurde nur 65 Jahre alt und erlag einem Krebsleiden. Nach dem Tod der Mutter fiel sein Vater noch tiefer auch noch in eine Alkoholsucht. Infolge dessen erkrankte er schwer an Leberzirrhose. 
 

Kinder aus suchtbelasteten Familien haben ein deutlich erhöhtes Risiko, selbst abhängig zu werden. Man kann bei Suchterkrankungen Hilfe finden. Jedem, der selbst von einer Sucht betroffen ist, jemanden kennt, der süchtig ist, oder in einer Familie lebt, in der ein Eltern- oder Geschwisterteil abhängig ist, rät Smekal, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Die Angebote sind immer kostenlos und anonym. Suchtprävention gibt es im Saarpfalz-Kreis sowohl im Caritas Zentrum als auch bei der AWO. Das Caritas-Zentrum Saarpfalz bietet seit 2021 das Angebot „Wiesel - Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien“ an. 
 

Ansprechpartner sind Sandra Bähr und Christian Collet; erreichbar ist das Angebot unter der Telefonnummer 0152 56530742. 
 

Text und Fotos: Paul H. Kreiner für den Caritasverband für die Diözese Speyer
 

Sandra Bähr, Lars Smekal, Christine Maurer beantworteten die Fragen der SchülerInnen zum Leben mit suchtkranken Eltern und Hilfeangeboten.