Caritasverband für die Diözese Speyer
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Vielfältiges Programm rund um Hospiz- und Palliativarbeit – Netzwerk informiert über Begleitung, Versorgung und Unterstützung am Lebensende
Die Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen sowie ihrer Angehörigen ist im Saarpfalz-Kreis eine Gemeinschaftsaufgabe. Zahlreiche Einrichtungen und Organisationen arbeiten dafür eng zusammen. Alle zwei Jahre machen die Hospiztage diese Arbeit mit Vorträgen, Workshops, Kultur und Begegnung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.
Federführend organisiert werden die Hospiztage vom Ökumenischen Ambulanten Hospizdienst, dem Hospizverein Saarpfalz e. V. und dem Hospiz- und Palliativnetzwerk des Saarpfalz-Kreises gemeinsam mit weiteren Partnern.
Den Auftakt macht am Sonntag, 6. September, um 11 Uhr im Homburger Saalbau der Schauspieler und Autor Samuel Koch. Seit seinem schweren Unfall bei „Wetten, dass…?“ im Jahr 2010 ist Koch querschnittgelähmt. Er absolvierte anschließend ein Schauspielstudium, wirkte in zahlreichen Theater-, Film- und Fernsehproduktionen mit und veröffentlichte mehrere Bücher.
Für Gabriele John-Neumann, Koordinatorin des Ökumenischen Ambulanten Hospizdienstes, steht Koch für einen zuversichtlichen Umgang mit schwierigen Lebenssituationen. Von seinem Vortrag erhofft sie sich deshalb vor allem eines: Mut. „Es ist ihm gelungen, trotz seiner schwierigen Situation etwas Gutes aus seinem Leben zu machen. In einer Zeit von Wirtschaftssorgen, Klimawandel und Kriegen ist das für mich ein Leuchtturm.“ Auch der Titel eines seiner Bücher passe zur Hospizarbeit: „Das Leben geht weiter, als man denkt.“
Von Biografiearbeit bis Letzte Hilfe
Auf den prominenten Auftakt folgt am 9. September ein Vortrag von Isabell Funk zur Biografie-Arbeit. Dabei geht es um die Frage, wie die persönliche Lebensgeschichte eines Menschen seine Bedürfnisse und Erfahrungen am Lebensende prägt – und was dies für die Begleitung Sterbender bedeutet.
Am 15. und 16. September stehen „Wickel, Auflagen und Einreibungen in der Häuslichkeit“ im Mittelpunkt. Interessierte erfahren, wie sie Angehörigen mit einfachen Mitteln bei Beschwerden Linderung verschaffen können. Der zweite Termin ist bereits ausgebucht.
Die Kino-Werkstatt zeigt am 18. September das Roadmovie „Toni und Helene“ über zwei Frauen, von denen eine schwer erkrankt ist. Einen geistlichen Akzent setzt der ökumenische Gottesdienst am 25. September in St. Engelbert. „Wie können wir die Steine, die uns in den Weg gelegt wurden, als Trittsteine nutzen?“ lautet das Motto.
Um Achtsamkeit und behutsame Berührung in der Begleitung Sterbender geht es am 26. September in einem Workshop mit Tanja Haupenthal. Ein kostenloser Letzte-Hilfe-Kurs vermittelt am 2. Oktober praktisches Wissen für die Begleitung am Lebensende. Einen bewusst heiteren Schlusspunkt setzt am 17. November das Homburger Frauenkabarett. Denn auch Humor gehört für John-Neumann „bis zuletzt“ zur Hospizarbeit.
Wissen, welche Unterstützung möglich ist
Die Hospiztage zeigen zugleich, wie eng die verschiedenen Akteure im Saarpfalz-Kreis zusammenarbeiten. „Im Netzwerk sind Einrichtungen des Gesundheitswesens, Sozialwesens und der Seelsorge vertreten mit dem Ziel, sterbende und schwerkranke Menschen zu unterstützen“, erklärt Marion Haas, Koordinatorin des Hospiz- und Palliativnetzes Saarpfalz.
Dabei gehört auch der Umgang mit Sterbewünschen zu den Themen der Hospizarbeit. Peter Zwing, Leiter des Caritas-Zentrums Saarpfalz, verweist auf die lange Tradition des ambulanten Hospizdienstes. Im Zusammenhang mit assistiertem Suizid beschreibt er die Haltung der Caritas so: „Wir stellen uns dem nicht entgegen, aber wir führen es nicht selbst durch. Unser Angebot ist die Alternative.“
Welche Möglichkeiten Palliativmedizin, ambulante Versorgung und ehrenamtliche Hospizbegleitung bieten, sei vielen Menschen nicht ausreichend bekannt, sagt Antoaneta Doggendorf, Erste Vorsitzende des Hospizvereins. Sie erlebe immer wieder, wie sich die Situation schwerkranker Menschen verbessere, wenn spezialisierte Palliativversorgung und ehrenamtliche Begleitung einbezogen würden.
Auch Stephanie Rung, Koordinatorin des Hospizdienstes, kennt Gespräche mit Menschen, die nicht mehr leben möchten. „Unsere Erfahrung ist, dass der Mensch sagt: Ich möchte so nicht mehr weiterleben – nicht: Ich möchte nicht mehr weiterleben. Dieses ‚so‘ ist unser Ansatzpunkt.“
Hospizbegleitung bedeute dabei, die Entscheidungen eines Menschen zu respektieren und zugleich zu fragen, was seine Situation erleichtern kann. Rung begleitet derzeit auch einen 92-jährigen Mann, der sich für einen assistierten Suizid entschieden hat. Gleichzeitig hat sie erlebt, dass gute Begleitung dazu beitragen kann, dass Menschen neuen Lebenswillen entwickeln.
Ein wichtiges Ziel der Hospiztage ist deshalb, über Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren. Menschen sollen wissen, an wen sie sich wenden können und welche Angebote ihnen und ihren Angehörigen am Lebensende zur Verfügung stehen. Gerade bei den Letzte-Hilfe-Kursen erlebt Rung immer wieder, wie groß der Informationsbedarf ist: „Ich bin immer wieder aufs Neue erstaunt, dass viele Menschen kaum wissen, welche Möglichkeiten der Unterstützung es gibt.“
Information und Anmeldung
Die Eröffnungsveranstaltung mit Samuel Koch am 6. September ist kostenlos. Zur besseren Planung wird um Anmeldung gebeten:
E-Mail: dez3@saarpfalz-kreis.de
Telefon: 06841 104-8056
Informationen zu den Angeboten der Ökumenischen Hospizhilfe:
E-Mail: ahpb-saarpfalz@caritas-speyer.de
Telefon: 06841 9728613
Text und Fotos: Sebastian Dingler für den Caritasverband für die Diözese Speyer