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Über 110 Ehrenamtliche trafen sich beim Hospizbegleiter*innentag 2026 im Heinrich Pesch Haus
Ludwigshafen. Sie begleiten schwerkranke und sterbende Menschen: Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter. Als Dankeschön für ihr Engagement lädt die Ökumenische Hospizhilfe Pfalz/Saarpfalz einmal im Jahr alle Ehrenamtlichen zu einem Austauschtag ein. Diesmal kamen mehr als 110 HospizbegleiterInnen aus der Pfalz und Saarland dafür im Ludwigshafener Heinrich-Pesch-Haus zusammen. Im Mittelpunkt stand die generationenübergreifende und kultursensible Zusammenarbeit.
„Hospizarbeit lebt von Begegnung, von Menschen, die zusammenhalten, zuhören und begleiten“, begrüßte Daniela Ball-Schotthöfer, Geschäftsführerin der Ökumenischen Hospizhilfe Pfalz/Saarpfalz, die Teilnehmenden. Die Menschen, die sich ehrenamtlich in der Hospizarbeit engagieren, seien sehr unterschiedlich. Das sei eine Bereicherung und eine Herausforderung zugleich, sagte sie und leitete damit zum Thema des Tages über: „Ehrenamtliche Hospizarbeit im Wandel: Generationenübergreifende und kultursensible Zusammenarbeit".
Geistlicher Impuls zum Auftakt
Landesdiakoniepfarrer Albrecht Bähr, stellvertretender Vorsitzender der Ökumenischen Hospizhilfe Pfalz/Saarpfalz, stimmte die Ehrenamtlichen mit einem geistlichen Impuls auf den Tag ein. „Wir sind heute zusammen unterwegs, um uns zu stärken und die Sinnhaftigkeit unserer Arbeit zu spüren“, sagte er und bezog sich auf den Wochenspruch „Lobe den Herrn und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“. In Begegnungen mit Menschen am Ende des Lebens erfahre man oft, dass das Leben weiter gehe, als man zunächst denke. „Auch wenn das Leben begrenzt ist, kann es als Erfüllung wahrgenommen werden. Es gibt mehr Hoffnung und mehr Zukunft, als unser Blick erfasst", sagte Bähr. Er berichtete von einer Begegnung mit dem Schauspieler Samuel Koch, der nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt, und zog daraus eine Lehre: Es gehe darum, den Moment des Lebens anzunehmen und zu schauen, was sich daraus entwickle.
Vortrag und Bewegung
Für die Gestaltung des Tages setzten Daniela Ball-Schotthöfer und Heike Baier, Referentin für Hospiz- und Palliativberatungsdienste der Diakonie der Pfalz, erstmals auf ein Format, das Theorie und Praxis verband. Die Soziologin und Erziehungswissenschaftlerin Ramona Waterkotte referierte, der Sozial- und Musikpädagoge Jan Schowalter sorgte mit Musik, gemeinsamem Singen und Bodypercussion für Bewegung zwischendurch.
Waterkotte beleuchtete in einem lebhaften Vortrag, welche Bedürfnisse, Werte und Erwartungen unterschiedliche Generationen und Kulturen ins Ehrenamt mitbringen. Für sie ist es ein Leitgedanke der Hospizarbeit, dass am Lebensende jeder Mensch seine eigene, einzigartige Lebensgeschichte mitbringt, ganz gleich aus welchem Kulturkreis er stammt. Sie zeigte, wie sich die Werte der Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten verschoben haben: Gehorsam, Unterordnung und Anpassung wichen Selbstständigkeit, Entscheidungsfreude, Mündigkeit, Konfliktfähigkeit, Kreativität und Verantwortlichkeit.
Von der Wirtschaftswunder-Generation bis Alpha und Beta
Die Teilnehmenden lernten die Generationen von der „Wirtschaftswunder"-Generation über die Babyboomer und die Generationen X, Y und Z bis hin zu Alpha und Beta kennen. „Jede Generation hat eine ähnliche soziale Orientierung und eine Lebensauffassung, die ihre Wurzeln in den prägenden Jahren zwischen elf und 15 hat", erklärte Waterkotte. Die zwischen 1935 und 1949 geborene Wirtschaftswunder-Generation etwa gelte als „stille Generation", die sich scheue, ihre Gedanken offen auszusprechen. Für die Babyboomer, geboren zwischen 1950 und 1965, habe Arbeit den höchsten Stellenwert. Die Generation X, geboren zwischen 1966 und 1980, schätze Zeit mehr als Geld und strebe nach hoher Lebensqualität. Dieses Wissen könne den Ehrenamtlichen ihre Arbeit erleichtern.
Im weiteren Verlauf ging es um Chancen und Herausforderungen einer vielfältigen Hospizarbeit: um Kommunikation, gegenseitigen Respekt und Wertschätzung, aber auch um die Frage, wie sich Menschen unterschiedlicher Generationen und Kulturen langfristig für das Ehrenamt gewinnen lassen.
Bücher und Upcycling
Am Büchertisch von Irene Scheike vom Hospizverein Zweibrücken, die den Austauschtag seit vielen Jahren begleitet, stöberten viele Teilnehmende. Auf großes Interesse stieß auch das Upcycling-Angebot von Marion Oser: Aus alten Jeans fertigt sie Taschen und Umschläge für Notizbücher und Fotoalben, dazu verwendet sie gebrauchte Materialien wie Gummibänder aus Unterwäsche, alte Bettwäsche, Reißverschlüsse und Knöpfe. Viele ihrer Unikate haben einen Bezug zur Hospizarbeit. „Wir haben schon Erinnerungsbücher für sterbende Menschen gefertigt, in die sie ihre Gedanken eintragen", sagt Oser, die seit neun Jahren beim AHPB Rockenhausen ehrenamtlich aktiv ist. Einmal wurde aus der Jeans eines Verstorbenen der Umschlag für ein Fotoalbum.
Nächster Termin steht fest
Die HospizbegleiterInnen können sich schon jetzt auf den Tag im kommenden Jahr freuen. Daniela Ball-Schotthöfer nannte den Termin: Er findet am 18. September 2027 statt.
Text und Bilder Dr. Anette Konrad