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Stand: 30.07.2019

Pressemitteilung

Für Liebe ist es nie zu spät

Puppenspiel im WeidenkorbUm Einsamkeit und wie man sie im Miteinander überwindet, ging es in dem Puppenspiel, das im Caritas-Altenzentrum St. Martha präsentiert wurde. Christine Kraus / Caritasverband für die Diözese Speyer

In normalen Jahren hätten die Bewohner im Caritas Altenzentrum St. Martha ein rauschendes Faschingsfest gefeiert, mit Prinzessinnen und Prinzenpaar. Dieses Jahr ist alles anders, aber auf Unterhaltung mussten die Senioren nicht verzichten. Bei ihnen gastierte am Faschingsdienstag der Puppenspieler Alfred Büttner aus Waigolshausen bei Schweinfurt mit seinem Korbtheater und dem Stück "Es ist nie zu spät - Liebe im Alter".

Die beiden Bühnen des Theaters, liebevoll ausgestattet mit Requisiten, sind in einem großen Weidenkorb aufgebaut, der je nach Szene gedreht werden kann. Alfred Büttner, Jahrgang 1966, hat im Alter von 20 Jahren das Korbtheater selbst erfunden. Der Unterfranke spielt das Stück mit den vier Stabpuppen ganz allein, er selbst ist versteckt dahinter, das heißt eigentlich unter der Bühne. Die Zuschauer sitzen in Abstand zur Bühne. Da es zwei Aufführungen gibt, können alle Bewohner, die möchten, teilnehmen. "Corona-konformer geht´s eigentlich gar nicht", meint Einrichtungsleiterin Gudrun Wolter, die glücklich ist, den Bewohnern dieses Theaterstück bieten zu können.

Das Stück selbst spielt ebenfalls in einem Seniorenheim. Mathilde, neu eingezogen, hat eigentlich abgeschlossen mit ihrem Leben. Mit ihrer Aussage "Ach, es ist schon ein Kreuz mit dem Alter und am Morgen ist es am schlimmsten", beginnt das Puppenspiel. Die Hüfte tut ihr nach einem Sturz weh, ihr Sohn besucht sie nicht, andere Bewohner interessieren sie nicht. Da helfen weder die Ratschläge der quirligen Altenpflegerin Anja, noch die burschikosen Aufmunterungsversuche des Bewohners Wilfried. Mathilde vermisst ihren verstorbenen Ehemann Herbert, mit dem sie immer wieder Zwiegespräche führt. Bis sie im schönen Garten des Seniorenheims den ehemaligen Operettensänger Rudolf Scholz trifft und sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Nur dauert es ein Weilchen, bis sie sich das auch eingesteht. Denn in ihrem Alter passiert so etwas doch nicht mehr, oder? "Ach Helmut, ich bin zutiefst verwirrt", vertraut sie sich im stillen Zwiegespräch ihrem verstorbenen Gatten an.

Bewohner verfolgen gebannt das PuppentheaterCoronakonform mit Abstand konnten die Bewohner das Puppenspiel verfolgen. Christine Kraus / Caritasverband für die Diözese Speyer

Robert, von den anderen Bewohnern als Sonderling argwöhnisch betrachtet, geht es ganz ähnlich. Auch der hat abgeschlossen, seine Sänger-Karriere hat er endgültig an den Nagel gehängt und will nur noch seine Ruhe. Doch am Ende wird alles gut: Robert erkennt in Mathilde den treuen Fan, der bei seinen Konzerten immer in der ersten Reihe saß und ihm einen Blumenstrauß überreichte. "Wie gerne hätte ich Sie damals schon kennenglernt", gesteht er. Er stellt fest, dass er zwar viele Frauengeschichten hatte, aber zum ersten Mal Liebe empfinde - für Mathilde. Die wagt den Schritt in eine neue Partnerschaft. Altenpflegerin Anja entdeckt die beiden am nächsten Morgen in Mathildes Zimmer und selbst Wilfried findet sein Glück: er darf als neuer Privatsekretär von Robert dessen Fanpost beantworten und hat in einem streunenden Kater einen treuen Freund gefunden.

Geschickt bindet Alfred Büttner in sein Stück Ortsnamen aus der Umgebung mit ein, selbst der Hausmeister des Altenzentrums und der Koch finden Erwähnung.  Was Gudrun Wolter besonders fasziniert, ist die Reaktion der Bewohner auf das Theaterstück. Selten habe sie die Senioren so gebannt und aufmerksam erlebt. Besonders glücklich war Bewohnerin Margot Vollmer, die selbst Opernsängerin war.

Bei anderen Veranstaltungen verlasse immer mal wieder einer den Raum, andere werden unruhig.  "Selbst unsere Bewohner mit Demenz haben interessiert zugesehen", stellt Gudrun Wolter fest.  "Es hat mir gefallen, wie der Mann das ganz allein gemacht hat. Das ist schon ein Kunststück", stellt Bewohnerin Margret Kraus fest. Nun hofft Gudrun Wolter, dass es eine Möglichkeit gibt, Alfred Büttner mit seinem Korbtheater noch einmal nach Speyer zu holen. Ein Nachfolgestück gibt es nämlich schon. Da gehen Mathilde und Robert dann auf Weltreise.

Text und Foto: Christine Kraus für den Caritasverband für die Diözese Speyer

 

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